Jemen Saudi-Arabien fliegt schwerste Luftangriffe seit Beginn der Offensive

Elf Bombardements, womöglich mehr als 140 Tote: Die saudi-arabisch geführte Militärallianz hat im Jemen verheerende Luftschläge ausgeführt. Jetzt will das Königreich angeblich eine Feuerpause einhalten.

Sanaa: Anhänger der Huthis protestieren gegen Angriffe der Militärallianz
AP/dpa

Sanaa: Anhänger der Huthis protestieren gegen Angriffe der Militärallianz


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Saudi-Arabien hat verheerende Luftangriffe auf das Nachbarland Jemen geflogen: 141 Menschen wurden nach Angaben der Deutschen Presseagentur bei etwa elf Bombardements auf die Hafenstadt Mocha am Samstag im Süden Jemens getötet - dies wären so viele wie noch nie seit Beginn der Luftschläge im März. Die Nachrichtenagentur AFP meldet mindestens 35 tote Zivilisten. Lokale medizinische Helfer und Rettungskräfte berichteten demnach von weiteren 200 Verletzten.

Bei den Bombardements wurden den Angaben zufolge ein Elektrizitätswerk und Wohngegenden getroffen. Deshalb seien unter den Opfern vor allem Zivilisten, sagten die Helfer. Wegen des kritischen Zustands vieler Verletzter werde mit einer steigenden Zahl von Todesopfern gerechnet.

Im Bürgerkriegsland Jemen kämpfen seit mehreren Monaten schiitische Huthis mit ihren Verbündeten gegen Anhänger des sunnitischen Exilpräsidenten Abdal Rabbo Mansur Hadi, der Ende März nach Riad floh. Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis fliegt seitdem regelmäßig Luftangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen.

Saudi-Arabien ruft humanitäre Feuerpause aus

Auch am Sonntag schlugen im Großraum Sanaa erneut Bomben des Militärbündnisses ein. Ziel waren Anwohnern zufolge Huthi-Stützpunkte bei und in der jemenitischen Hauptstadt. Zuletzt hatten die Rebellen im Süden des Landes mit dem Verlust der zweitgrößten Stadt Aden eine schwere Niederlage einstecken müssen. Trotzdem kontrollieren sie noch immer weiter Teile des Landes.

Nach eigenen Angaben will Saudi-Arabien nun ab Montag eine fünftägige Feuerpause einlegen. "Militärische Aktivitäten" der Aufständischen würden allerdings beantwortet, heißt es in einer von der amtlichen saudi-arabischen Nachrichtenagentur SPA verbreiteten Erklärung.

Die Feuerpause soll ab Sonntag um Mitternacht gelten und die Lieferung von humanitären Hilfen in den Jemen ermöglichen. Die Entscheidung sei auf Ersuchen von Staatschef Mansur Hadi erfolgt. Im Mai und im Juli wurden bereits zwei Mal humanitäre Feuerpausen ausgerufen - die jedoch jeweils nach wenigen Stunden gebrochen wurden.

Jemen kurz vor dem Kollaps

Nur wenige Hilfsgüter gelangten bislang in das Land, das durch die Kämpfe und Luftangriffe vor einem Kollaps steht - Nahrung, Medizin und Treibstoff sind knapp. Erste Seuchen breiten sich aus.

Das Leid der Zivilbevölkerung sei auf ein "bislang nicht gekanntes Maß" gestiegen, heißt es vonseiten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Seit März sind nach Uno-Angaben mehr als 3000 Menschen wegen des Konflikts gestorben - über die Hälfte von ihnen waren Zivilisten. Die vielen Toten der vergangenen Tage sind in diesen Zahlen nicht eingerechnet.

Einige Beobachter werten die vom Saudi-arabischen Bündnis einseitig angekündigte humanitäre Feuerpause als Versuch, von dem verheerenden Ausmaß des Angriffs auf Mocha abzulenken.

Ob die Rebellen sich an die Feuerpause halten würden, war zunächst unklar. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat der Anführer der Huthi-Rebellen auf Twitter verkündet, dass er sich nicht an den Waffenstillstand halten werde: "Der Kampf geht weiter, der Krieg ist noch nicht vorüber", schrieb Abdal Malik Aa-Huthi demnach. Am Morgen hatte die Militärallianz auf Twitter verkündet, Huthis Bruder Abdul-Chalik gefangen genommen zu haben.


Zusammengefasst: Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis hat die bisher schwersten Luftangriffe auf den Jemen geflogen: Dutzende Menschen starben bei mehreren Bombardements in der Stadt Mocha - auch die Hauptstadt Sanaa wurde angegriffen. Ab Mitternacht soll im Jemen eine fünftägige Feuerpause gelten, die humanitäre Hilfen ermöglichen soll. Die Huthis lehnen den einseitig ausgerufenen Waffenstillstand jedoch ab.

kry/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
ausserland 26.07.2015
1.
Als eines der reichsten Länder in Nahost müssen die Saudis auch alle Flüchtlinge aus dem Jemen aufnehmen, die sie dort vertreiben. Gerne dürfen sie auch einen Teil der Flüchtlinge an ihre Waffenlieferanten abgeben, denn die sind ja auch daran beteiligt!
robert.c.jesse 26.07.2015
2. Bussiness as usual
Dann sind ja nach jahrelangen Einkauf von Bomben und Munition die Lager wahrscheinlich bald leer und die neue Generation des tödlichen Spielzeugs kein eingekauft werden.
notty 26.07.2015
3. Wo bleibt der Aufschrei ????
Deutsche Politiker, die zu fast allem etwas zu sagen, zu kommentieren haben, halten sich bei der Bombardierung des Jemen auffallend zurueck. Hat das vielleicht damit zu tun, dass Saudi Arabien der Freund unserer "Freunde" ist?? Presse, Funk und TV konzentrieren sich irgendwie konsequent auf Nebensaechlichkeiten, waehrend das Killen im Jemen weitergeht. Das ist ja schon fast wie eine Nachrichtensperre.....
kw16 26.07.2015
4.
Zitat von nottyDeutsche Politiker, die zu fast allem etwas zu sagen, zu kommentieren haben, halten sich bei der Bombardierung des Jemen auffallend zurueck. Hat das vielleicht damit zu tun, dass Saudi Arabien der Freund unserer "Freunde" ist?? Presse, Funk und TV konzentrieren sich irgendwie konsequent auf Nebensaechlichkeiten, waehrend das Killen im Jemen weitergeht. Das ist ja schon fast wie eine Nachrichtensperre.....
Das ist korrekt. Saudi-Arabien ist ein Land welches wirtschaftlich zu wichtig ist. Ein Land, in welchem ein Blogger mit 1.000 Stockschlägen gefoltert wird. Auch mit dem Iran machen wir wieder gerne Geschäfte. Der nahe Osten ist der Quell größter Probleme weltweit. Abstrakt betrachtet geht es in all diesen Konflikten um gefühlte Minderwertigkeit, welche gewalttätiges Handeln rechtfertigt. Folgende Frage stelle ich: Wieso glauben die Menschen, die Aufgabe zu haben, die Schöpfung so zu ehren, wie es ihr gebührt, wenn sie nie, in der Lage sind, sie zu verstehen? Da wir glauben Sachen machen zu müssen damit es uns gut geht. Und wer das nicht tut, auf den spiegelt sich der gesamt Ärger dieser Gesellschaften. Weil wir uns minderwertig fühlen. Deshalb. Und wer redet uns das ein? Wie gesagt - ganz abstrakt betrachtet.
moelln56 26.07.2015
5. Warten wir ab
bis die von Deutschland gelieferten Leo's ins Rollen kommen, dann wird es ein regelrechtes Gemetzel geben. Danke Bundesrepublik.
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