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Machtkampf im Jemen: Saudi-Arabien fürchtet die Kämpfer des Imams

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Jemen: Vormarsch der Huthi-Rebellen Fotos
DPA

Kämpfer einer schiitischen Minderheit kontrollieren die Hauptstadt des Jemen. Saudi-Arabien reagiert besorgt auf die Machtverschiebung im Nachbarland: Das Königshaus vermutet den Erzfeind Iran hinter dem Vormarsch der Rebellen.

Sanaa - Der Machtkampf zwischen Regierung und Rebellen hält den Jemen in Atem. Seit einer Woche halten die Huthi-Rebellen große Teile der Hauptstadt Sanaa besetzt. Die Huthis gehören der Minderheit der Zaiditen an, einer Strömung des schiitischen Islam, der etwa ein Drittel der Jemeniten angehören. Sie fordern mehr politische Mitbestimmung von der Zentralregierung, die von der sunnitischen Mehrheit dominiert wird.

Die Huthis, benannt nach der Familie, die die Bewegung anführt, kämpfen seit etwa zehn Jahren gegen die Zentralregierung. Lange konzentrierten sich die Gefechte zwischen den Milizionären und der staatlichen Armee auf die Provinzen Saada und Amran im äußersten Nordwesten des Landes. Dort hatten die Zaiditen bis in die Sechzigerjahre in einem de facto unabhängigen Reich unter der Herrschaft eines Imams gelebt.

In den vergangenen Monaten rückten die Rebellen, die bis zu hunderttausend Mann unter Waffen haben sollen, dann immer weiter auf die Hauptstadt vor. Im Laufe des Septembers nahmen sie dann Sanaa Stück um Stück ein.

Zwei Tote - angeblich durch ein Missverständnis

Unter Vermittlung der Vereinten Nationen einigten sich Huthis und Regierung am vergangenen Wochenende auf einen Friedensvertrag. Dieser sieht die Bildung einer gemeinsamen Regierung vor, in der neben den Huthis, auch Oppositionelle aus dem einst unabhängigen Südjemen beteiligt sein sollen. Auch die sunnitische Islah-Partei, der jemenitische Ableger der Muslimbrüder, hat den Pakt unterzeichnet.

Doch seit der Unterzeichnung des Abkommens vor einer Woche wurde nichts unternommen, um die Vereinbarung umzusetzen. Anders als versprochen haben die Huthis bislang weder damit begonnen, sich aus Sanaa zurückzuziehen, noch haben sie ihre Waffen niedergelegt. Stattdessen sollen ihre Kämpfer am Samstag erneut das Haus von Ali al-Ahmadi angegriffen haben, dem nationalen Sicherheitschef, der als starker Mann der Regierung gilt. Die Rebellen bezeichneten das Gefecht, bei dem zwei Menschen getötet wurden, als Missverständnis.

Der Aufstieg der Huthi-Rebellen alarmiert Jemens großes Nachbarland Saudi-Arabien. Das Königshaus in Riad beschuldigt seinen Erzfeind Iran, die Aufständischen zu finanzieren und auszurüsten. Mithilfe der Rebellen wolle das schiitische Regime einen Brückenkopf auf der Arabischen Halbinsel errichten, so der Vorwurf.

Außenminister Saud al-Faisal warnte in seiner Rede vor der Uno-Generalversammlung in New York, die Lage im Jemen sei "extrem gefährlich". Das Land stehe vor "bisher nicht gekannten Herausforderungen".

Saudi-Arabien sieht sich als Ordnungsmacht im Jemen, begreift diese Rolle aber in erste Linie als Schutzpatron der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit. 2011 sorgte Riad für den Rücktritt des Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Salih. Nach monatelangen Protesten im Rahmen des Arabischen Frühlings gab der Staatschef sein Amt auf und übergab die Macht an seinen Stellvertreter Abd Rabbo Mansur Hadi.

Chomeini-Porträts in Sanaa

Die Huthis hatten sich an der Protestbewegung gegen Salih beteiligt, bei der Bildung einer neuen Regierung ließ Saudi-Arabien die Rebellen jedoch außen vor. Nun sehen die Aufständischen die Gelegenheit gekommen, sich dafür zu rächen.

In der Hauptstadt sind die Eroberer nicht gern gesehen. Am Sonntag demonstrierten in Sanna Hunderte Menschen gegen die Huthis. Sie forderten den Rückzug der Milizionäre. Außerdem verlangten sie, dass die Rebellen erbeutete Waffen zurückgeben.

Den Unmut der Bevölkerung zogen die Huthis auch dadurch auf sich, dass sie mit Porträts der iranischen Revolutionsführer Chomeini und Chamenei sowie des libanesischen Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah durch Sanaa gezogen waren. Irans Regime erklärt, dass Teheran zwar mit den Aufständischen sympathisiere, allerdings gebe es weder finanzielle noch militärische Hilfen für die Rebellen.

Militante sunnitische Extremisten reagierten mit Gewalt auf den Einmarsch der zaiditischen Huthis, die sie als Häretiker betrachten. Am Sonntag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Provinz Marib vor einem Feldhospital in die Luft, das von den Huthis als Militärquartier genutzt wurde.

Kämpfer der mit al-Qaida verbündeten Gruppe Ansar al-Scharia beschossen am Samstag die US-Botschaft mit einer Rakete. Das Geschoss verfehlte sein Ziel um 150 Meter, verletzte aber zwei Wachleute. Die Extremisten beschuldigen die USA, sie unterstützten den Vormarsch der Huthis.

Das ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Die offizielle Losung der Huthis lautet nämlich: "Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!"

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Das sind alle nur gute Muslime
besser.wisser 28.09.2014
Jeder kann einen Blick in den Koran werfen und wird feststellen: das alles (egal ob IS oder schiitisches Milizen) sind einfach nur gute Muslime, die sich an das halten, was ihnen ihre heilige Schrift als Pflicht definiert hat..... es wird noch viel Blut fließen.
2. Iran ist nicht Erzfeind Saudi Arabien.
megamekerer 28.09.2014
Iraner wünschen sich nicht mehr als kein Muslime zu sein, Islam wurde vor 1400 Jahren durch Saudi Arabien den Iraner aufgezwungen und nun Stellen sie sich als Erzfeind gegenüber. Iran und Iraner wollen nur Ruhe, Frieden, Freiheit, Demokratie und weg von Islam, egal ob Schiiten oder Sunniten.
3. Wunderbar!
giovanniconte 28.09.2014
Also wenn ich in all diese frischen und intelligenten Gesichter dieser weisen erhabenen Männer schaue, also eigentlich alles immer wie immer, diese vollverblödeten, ungebildeten Einfältikeiten sehe, dann kann ich nur froh sein in diesem Teil der Welt zu leben und auf einen Genuß dieser Schwachmaten verzichten zu können! ...Opium fürs Volk, wer war's nochmal? Naja, die sind ja so berauscht, nicht nur ums Kinn herum, die merken erst mal nix mehr, Allahu akbar!
4.
Lea S. 28.09.2014
Zitat von besser.wisserJeder kann einen Blick in den Koran werfen und wird feststellen: das alles (egal ob IS oder schiitisches Milizen) sind einfach nur gute Muslime, die sich an das halten, was ihnen ihre heilige Schrift als Pflicht definiert hat..... es wird noch viel Blut fließen.
Die Schiiten wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Das Saudi Arabien davor Angst hat, kein Wunder.
5. Die nächste Baustelle Jemen
Fürstengruft 28.09.2014
wie wird sich Deutschland dann positionieren, wem werden wir Waffen schicken?
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Fläche: 536.869 km²

Bevölkerung: 24,969 Mio.

Hauptstadt: Sanaa

Staatsoberhaupt der Übergangsregierung:
Abd Rabbuh Mansur al-Hadi

Regierungschef: Ahmed Obaid bin Dagher

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