Truppenverlegung Saudi-Arabiens Armee marschiert an Grenze zum Jemen auf

Saudi-Arabien reagiert auf den Vormarsch der Huthi-Rebellen im Jemen. Riad hat Artillerie und Panzer in das Grenzgebiet verlegt. Der entmachtete Staatschef Hadi fordert eine Militärintervention gegen die Aufständischen.

Saudi-arabische Soldaten an der Grenze zum Jemen (Archivbild): Riad fürchtet iranischen Brückenkopf
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Saudi-arabische Soldaten an der Grenze zum Jemen (Archivbild): Riad fürchtet iranischen Brückenkopf


Riad/Washington - Saudi-Arabien hat Truppen und schweres Gerät in das Grenzgebiet zum Nachbarland Jemen verlegt. Nach Erkenntnissen der US-Regierung hat die Armee unter anderem Artilleriegeschütze und Panzer mobilisiert.

Mit dem Truppenaufmarsch reagiert das Königreich auf den Vormarsch der Huthi-Rebellen im Jemen. Die von Iran unterstützte Miliz hatte im September die Hauptstadt Sanaa und in der vergangenen Woche Tais, den drittgrößten Ort des Landes eingenommen. Inzwischen rücken die Huthis auf die südjemenitische Hafenstadt Aden vor. Dorthin hat sich Präsident Abdrabuh Mansour Hadi zurückgezogen, der von den Rebellen aus Sanaa vertrieben worden war. (Lesen Sie hier einen Überblick über die wichtigsten Akteure im jemenitischen Bürgerkrieg)

Ein Regierungsvertreter in Washington nannte den Aufmarsch der saudi-arabischen Armee "bedeutend". Unklar sei derzeit, ob sich das Herrscherhaus in Riad damit vor einem Übergreifen der Gewalt schützen wolle, oder eine Intervention im Jemen vorbereitet. Die Grenze zwischen beiden Staaten ist etwa 1800 Kilometer lang und an den meisten Punkten nicht markiert.

Bürgerkriegsland Jemen: Arabiens Armenhaus
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Außenminister Saud Al-Faisal hatte am Montag ein Eingreifen in den Bürgerkrieg im Nachbarland ins Spiel gebracht. "Die Staaten in der Region werden die notwendigen Maßnahmen treffen, um sich gegen diese Aggression zu schützen", sagte der saudische Prinz.

Jemens entmachteter Staatschef Hadi wiederholte am Dienstag seine Forderung nach einer Militärintervention der arabischen Staaten gegen die Huthi-Rebellen. Er rief die Golfstaaten und die Arabische Liga auf, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Jemen und seine Menschen vor der anhaltenden Aggression der Huthis zu schützen".

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In einem Brief an den Uno-Sicherheitsrat forderte er die Verabschiedung einer Resolution nach Kapitel VII der Uno-Charta. Nach diesen Bestimmungen kann der Sicherheitsrat eine Bedrohung für den Weltfrieden feststellen und Zwangsmaßnahmen anordnen.

Die USA fürchten angesichts des saudi-arabischen Aufmarsches eine Eskalation des Konflikts mit Iran. Das schiitische Regime in Teheran unterstützt die Huthi-Rebellen, die dem zaiditischen Islam angehören, einer schiitischen Glaubensrichtung. Riad wiederum begreift sich traditionell als Schutzmacht der Sunniten im Jemen und ist der wichtigste außenpolitische Verbündete von Präsident Hadi.

syd/Reuters/AP

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JDR 25.03.2015
1.
Offenbar hofft Washington, durch die Veröffentlichung und die "Option" einer "defensiven Aufstellung" den Saudis einen Königsweg zum Rückzug zu bauen. Wollten diese eine Entflechtung vom Konflikt im Jemen, wären sie nicht an der Grenze aufmarschiert. Aus der Perspektive von Riad ist ein Einmarsch im südlichen Nachbarland praktisch unausweichlich. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird der Golfstaat auch nicht die alleinige Last des Konfliktes tragen. Die VAE könnten z.B. Luftangriffe auf Ziele im Jemen fliegen. Die schiitischen Rebellen sind zu weit gegangen - und Qassem Soleimanis Drohungen haben nicht geholfen. Ob Teheran tatsächlich hofft, die einmarschierenden Sunniten aufreiben zu können, bleibt abzuwarten. Die Löwen am Golf tragen nicht die gleichen Maulkörbe, wie die amerikanischen Kampfhunde. Sie kommen, um zu siegen - und die IRI zu stoppen. Ein direktes Eingreifen der IRI auf höherem Niveau ist denn auch sehr unwahrscheinlich. Die logistischen Kapazitäten reichen nicht aus, um die arabische Halbinsel zu umschiffen und im Jemen zu landen. Eine Offensive durch den Südirak - welchen Teheran bereits als kontrolliertes Territorium definiert nach Saudi Arabien wäre natürlich möglich, würde aber Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika, den übrigen Golfstaaten und Ägypten bedeuten. Selbst wenn Teheran glaubt, mit einer Notmobilisierung und einem Generalangriff Bahrain erobern, die amerikanische Flotte vernichten und Saudi Arabien schlagen zu können, sind sie nicht zum Führen eines solchen Krieges in der Lage. Sie werden - wie üblich - mit Terror antworten. Natürlich kann auch das leicht einen größeren Krieg auslösen. Dennoch: Riad hat den Geist längst aus der Flasche gelassen. Jetzt auf den Wunsch zu verzichten, würde nichts nützen, da es Teheran nur noch mehr motivierte, in die Offensive zu gehen. Was die Hüter der heiligen Stätten des Islam brauchen ist ein schneller, deutlicher Sieg. Für den Mittleren Osten wäre dies bedauerlicherweise der am ehesten stabilisierende Faktor. Und so lange man im Jemen kämpft, braucht sich Washington auch noch nicht um einen Erstschlag auf das Hauptziel zu sorgen.
erasmus89 25.03.2015
2. Stimmt ja,
Saudi Arabien tritt nun wie in Bahrain für Demokratie und Menschenrechte ein. Es sind die Saudis, die nun die Frucht ihrer Saat ernten: Sie destabilisieren Länder, finanzieren den Terror. Nun ist das Land eingekreist von ISIS und Iran. Selbst schuld !
jana45 25.03.2015
3. sehr fragewürdig
Es ist weder bekannt, dass die Huthi Sunniten verfolgen (im Gegenteil haben sie sunnitische Verbündete), noch haben sie in irgendeiner Weise Saudi Arabien bedroht. Und mit den tatsächlich auch für Saudi Arabien bedrohlichen al-Quaida und IS-Kräften im Jemen hat Saudi Arabien kein Problem. Es ist einfach nur der rassistische Hass der Wahabithen gegen die Schiiten sowohl in Saudi Arabien selbst, im Jemen und im Iran.
grool 25.03.2015
4. Saudi-Arabien
und mit genehmigter deutscher Kriegstechnik kein Problem für dieses Diktatur. Öl gegen Technik ... so läuft das halt
jozo 25.03.2015
5. Hoffentlich
greifen die Saudis ein und bekämpfen die Rebellen , bevor es zu spät ist.(Syrien,Irak,...)Der Westen oder allgemein die UNO braucht viel zu lange , so dass die Rebellen längst das Land unter ihrer Kontrolle haben werden,bis irgendwelche internationalen Truppen aufmarschieren!
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