Nato-Generalsekretär Stoltenberg "Moskau muss seine rücksichtslose Verhaltensweise beenden"

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verlangt von Russland, die mutmaßlichen Hackerangriffe auf ausländische Computer und Datennetze einzustellen. Die Niederlande hatten zuvor vier Russen ausgewiesen.

Jens Stoltenberg
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Aus den Niederlanden sind vier Russen ausgewiesen worden, aus Großbritannien kommen weitere Vorwürfe: Moskau steht wieder mal wegen mutmaßlicher Cyberattacken in der Kritik. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich nun hinter die Briten und Niederländer gestellt und sich der Kritik angeschlossen.

Die Nato-Verbündeten unterstützten das Vorgehen, "Russland wegen seiner unverhohlenen Versuche, internationales Recht und Institutionen zu untergraben", bloßzustellen, sagte Stoltenberg beim Treffen der Verteidigungsminister der Militärallianz in Brüssel. Russland müsse "sein rücksichtsloses Verhalten stoppen".

Zu diesem Verhalten gehöre auch "die Anwendung von Gewalt gegenüber Nachbarn, versuchte Einmischung in Wahlprozesse und weit verbreitete Desinformationskampagnen", sagte Stoltenberg weiter. Als Antwort werde die Nato ihre Verteidigung und Abschreckung zusätzlich stärken.

Spionageangriff auf die OPCW angeblich vereitelt

Demnach diskutierten die Nato-Verteidigungsminister, wie Cyberfähigkeiten in Einsätze und Operationen der Militärallianz integriert werden sollen und die Widerstandsfähigkeit gegen solche Angriffe erhöht werden könne.

Die britische Regierung wirft dem russischen Militärgeheimdienst GRU groß angelegte Cyberattacken vor. Ziel waren demnach politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportinstitutionen weltweit. Die britische Behörde für Cybersicherheit (NCSC) konnte den Angaben zufolge Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes als Verantwortliche ausmachen.

Die niederländische Regierung wies unterdessen vier Russen wegen Spionageverdachts aus. Laut Verteidigungsministerin Ank Bijleveld handelt es sich um Agenten, die einen Einsatz gegen die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) geplant haben. Die niederländischen Geheimdienste haben demnach die Operation vereitelt. Die ausgewiesenen Personen seien bereits im April festgenommen und dann des Landes verwiesen worden, heißt es.

US-Regierung klagt russische Agenten an

Auch die USA werfen Russland schwerwiegende Cyberattacken vor. Das US-Justizministerium verkündete am Donnerstag in Washington eine Anklage gegen sieben Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, sie hätten Informationen internationaler Anti-Doping-Behörden gehackt, vertrauliche Daten gestohlen und diese als Teil einer Desinformationskampagne veröffentlicht - um das Vorgehen der Behörden gegen russische Athleten wegen Doping-Vorwürfen zu unterlaufen.

US-Justizminister Jeff Sessions erklärte, staatlich gesteuerte Hacker-Aktionen und Desinformationskampagnen seien eine ernste Bedrohung für die US-Gesellschaft und die Sicherheit des Landes. Dagegen gehe man entschieden vor.

aev/AFP



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