Jerusalem-Konflikt Herr Trump, Sie ruinieren Ihren "Deal des Jahrhunderts"!

Mit der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt begeht Donald Trump einen historischen Fehler. Frieden im Nahen Osten schafft man nicht, indem eine Seite die Bedingungen diktiert.

Protest gegen Donald Trump und Israel
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Protest gegen Donald Trump und Israel

Ein Kommentar von


Ich erinnere mich daran, dass ich als kleiner Junge an einer Demonstration in meiner Heimatstadt in Nordägypten teilnahm. Wir waren wütend, nachdem wir das Video von Mohammed al-Dura gesehen hatten. Der zwölfjährige Junge wurde im September 2000 gefilmt, als er mit seinem Vater im Gazastreifen in ein Kreuzfeuer zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften geriet. Die Bilder zeigen, wie Mohammed und sein Vater versuchen, sich vor den Schüssen in Sicherheit bringen. Aber schließlich stirbt der Junge im Schoß seines Vaters.

Israel bestreitet die Verantwortung für den Tod des Jungen - aber der Vorfall sorgte in den arabischen und muslimischen Staaten für Wut und Entsetzen. Millionen Menschen demonstrierten gegen Israel und die vorbehaltlose Unterstützung durch die USA. Das Bild des sterbenden Mohammed wurde so zum Symbol der sogenannten Zweiten Intifada.

17 Jahre danach erkennt Donald Trump Jerusalem als israelische Hauptstadt an und bereitet die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem vor. Wieder bin ich wütend. Aber was mich am meisten aufregt, ist, dass die Araber heute viel größere Probleme haben als vor 17 Jahren. Ich denke, deshalb wird Trumps Entscheidung auch nicht die Auswirkungen haben, wie das vor ein paar Jahren noch der Fall gewesen wäre.

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Trumps Entscheidung: Fokus auf Jerusalem

Die Menschen in der arabischen Welt haben noch immer große Sympathien für die palästinensische Sache, aber in der Region gibt es heute noch viel größere Probleme. Syrien, Libyen und der Jemen sind im Bürgerkrieg versunken. Ägypten kämpft gegen islamistische Terroristen. Und die Golfstaaten bekriegen sich untereinander und sorgen sich vor Irans wachsendem Einfluss.

Staatschefs aus aller Welt haben Donald Trump immer wieder gewarnt, dass er mit seiner Entscheidung den Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis zerstört. Der US-Präsident schießt die Warnungen in den Wind. Doch damit ruiniert er alle Chancen auf den "Deal des Jahrhunderts", wie er ein Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern mehrfach bezeichnet hat. Ich bin überzeugt, dass Frieden nur möglich ist, wenn man eine politische Lösung findet, die beide Parteien berücksichtigt. Nicht, in dem man Fakten schafft und einer Seite die Bedingungen diktiert.

Nach fast einem Jahr im Amt hat Trump außenpolitisch nicht viel erreicht. Er kann Nordkoreas Atomprogramm nicht stoppen, Irans Einfluss im Nahen Osten nicht eindämmen, und er kann die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern nicht wiederbeleben.

Ich kann mir Trumps Entscheidung nur so erklären: Trump will seinen Anhängern unbedingt zeigen, dass er zu seinem Wort steht. Dass er damit anderswo in der Welt große Unruhe stiftet, ist ihm egal.


Amr Ahmed, 28, ist ein ägyptischer Journalist. Er hospitiert derzeit im SPIEGEL-ONLINE-Büro in Berlin.

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paulvernica 07.12.2017
1. Wollen keinen Frieden
Wenn wir ehrlich sind wollen beide Seiten keinen Frieden. Die Juden wollen keine Muslime in ihrer Nähe haben, und die Muslime keinen jüdischen Staat akzeptieren und die Juden am liebsten im Meer versenken. Die sogenannten Friedensverhandlungen sind den beiden Seiten doch aufgeschwätzt worden und sind nicht ehrlich gemeint. Und so baut Israel weiter Siedlungen in Palästina und Palästinenser bringen weiter Juden um. Trump gefährdet also gar keine ehrlichen Friedensverhandlungen, weil diesen Frieden dort gar keiner will. Und warum wollen die Muslime unbedingt auch noch Jerusalem haben, sie haben doch bereits Mekka und Medina ! Die Juden haben nur Jersusalem.
Atheist_Crusader 07.12.2017
2.
Manche sagen, Trumps Zug könnte die Verhandlungen tatsächlich weiterbringen - in dem Sinne indem er den Palästinensern deutlich klar macht, dass bestimmte Dinge ganz einfach unerreichbar sind und ihnen mehr politischen Realismus aufzwingt. Ganz ausschließen will ich die Möglichkeit nicht, aber ich halte sie für einen der unwahrscheinlichsten Ausgänge. Wahrscheinlicher ist, dass er die Gräben in der Region weiter vertieft und die USA völlig als Vermittler disqualifiziert. Ich meine, den Unparteiischen hat man ihnen schon früher nicht wirklich abgekauft - und das wird jetzt noch schlimmer werden. Wäre eigentlich ein guter Job für die EU, wenn die mal endlich sowas wie eine geeinte Außenpolitik hinbekommt. Nicht falsch verstehen: meine Sympathien liegen klar aufseiten Israels, des einzigen modernen und demokratischen Staates in der ganzen Region der trotz zahlreicher Probleme immer noch moderner, zukunftsfähiger und lebenswerter ist als der Rest der Region (speziell für Minderheiten). Aber das heißt eben auch nicht dass es alles bekommen kann was es will (z.B. ein ungeteiltes Jerusalem). Oder dass es akzeptabel wäre, aus einer Position der Stärke einfach alles zu diktieren.
tomasl 07.12.2017
3. Die Palästinenser hatten genug Gelegenheit für einen Deal
Die Saudis sind mit sich selbst beschäftigt. Also der beste Zeitpunkt für eine solche Feststellung. Frieden gibt es nur mit einem starken Israel.
EinInteressierterBuerger 07.12.2017
4.
Sehr geehrter Autor, welchen Friedensprozess meinen Sie? Zb die Hamas erkennt nichtmal das Existenzrecht Israels an, der Iran ebensowenig. Mit der Diplomatie der letzten Jahre hat sich dort exakt gar nix getan. Warum also nicht mal was Neues versuchen. Und objektiv betrachtet gibt es zu dieser Entscheidung keine Alternative oder glauben Sie Israel würd e Teile Jerusalems räumen? Wer sollte sie auch zwingen? Die vergangenen Kriege haben eindrucksvoll gezeigt, das Israel in der Lage ist seine Gegner zu schlagen.
ironbutt 07.12.2017
5. Jerusalem ist die Hauptstadt von Israel und wurde
als solche auch schon vor 20 (?) Jahren von den USA anerkannt. Meiner Kenntnis nach wird alle sechs Monate der Status Quo (Botschaft in Tel Aviv) per Ausnahmeregelung verlängert. Das Wort "Friedensprozess" kann ich nicht zuordnen - was genau tut denn die Hamas typischerweise und täglich für den Frieden? Und welche dieser Friedensbemühungen der Hamas gefähdet Trumps Proklamation. Ich bin sicher kein Freund des amtierenden US Präsidenten, aber hier finde ich sein handeln ... erstaunlich, aber nicht falsch.
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