Wohnung zerstört Israel übt Rache an Familie von Attentäter

Es soll als "Botschaft" verstanden werden: Israel will die Familien von palästinensischen Attentätern bestrafen - und zerstört deren Wohnungen. Doch damit dürften sie nur noch mehr Hass schüren.


Jerusalem - Israel hat damit begonnen, die Wohnungen von Attentätern zu zerstören, die in den vergangenen Wochen Attentate in Jerusalem verübt hatten. In der Nacht zum Mittwoch machten Soldaten und Polizisten die vierte Etage eines Hauses im Ostjerusalemer Stadtteil Silwan unbewohnbar.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 47/2014
Warum deutsche Jugendliche in den "heiligen Krieg" ziehen

Dort lebt die Familie von Abd al-Rahman al-Shaludi. Der 21-Jährige war am 22. Oktober mit seinem Auto in eine Menschenmenge an einer Jerusalemer Straßenbahnhaltestelle gerast. Er tötete ein drei Monate altes Mädchen und eine Frau und wurde kurz darauf noch am Tatort von der Polizei erschossen. Seine Mutter Enas al-Shaludi spricht von einem Unfall, Bilder einer Überwachungskamera von der Straßenbahnstation lassen aber eine vorsätzliche Tat höchst wahrscheinlich erscheinen.

Die israelische Armee hatte der Familie in der vergangenen Woche ein 48-Stunden-Ultimatum gegeben, um die Wohnung zu verlassen. Nun haben die Sicherheitskräfte die Wände im vierten Stock des Hauses zerstört, auch andere Wohnungen in dem Gebäude wurden damit offenbar unbewohnbar gemacht. Ein Auto, das vor dem Haus stand, wurde schwer beschädigt.

"Die Zerstörung der Wohnungen ist eine klare Botschaft an alle, die israelischen Bürgern und Sicherheitskräften Schaden zufügen wollen", erklärte das Militär in einer Mitteilung.

Israel will weitere Wohnungen zerstören

2005 hatte eine Untersuchungskommission der israelischen Streitkräfte geurteilt, dass Hauszerstörungen ihren Zweck nicht erfüllten. Im Gegenteil: Anstatt potenzielle Attentäter abzuschrecken, schürten sie nur noch mehr Hass unter den Palästinensern, befand das Gremium. Außerdem hätten die Familien oftmals anschließend Spendengelder bekommen, mit dem sie größere Häuser bauen konnten als zuvor.

In den nächsten Wochen sollen trotzdem weitere Behausungen angegangen werden. Am Dienstag ordnete Israels Premierminister Benjamin Netanyahu an, dass auch die Wohnungen der beiden Attentäter demoliert werden sollen, die wenige Stunden zuvor bei ihrem Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem fünf Menschen getötet hatten.

Die Behörden haben angewiesen, die Wohnungen all jener palästinensischen Attentäter zu zerstören, die in den vergangenen Wochen an Anschlägen gegen Israelis beteiligt waren. Bislang wurden diese Dekrete aber nicht umgesetzt.

Trotzdem hat die Familie von Maher al-Ashlamun ihr Haus in Hebron im Westjordanland vorsichtshalber schon mal geräumt. Der Palästinenser hatte in der vergangenen Woche die 26-jährige Israelin Dalia Lemkus in der Nähe einer jüdischen Siedlung erstochen.

syd

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.