Messerattacke in Synagoge Mehrere Tote bei Anschlag in Jerusalem

Zwei Angreifer attackierten Besucher einer Synagoge mit Messern und Äxten: Bei einem Anschlag in Jerusalem starben vier Menschen, weitere wurden verletzt. Israels Premierminister Netanjahu kündigt scharfe Reaktionen an.

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Jerusalem - Bei einem Anschlag auf eine Synagoge wurden in Jerusalem mindestens vier Menschen getötet und mehrere verletzt. Israelische Medien berichteten, zwei mutmaßlich arabische Angreifer hätten Betende mit Messern und Äxten angegriffen. Herbeigerufene Polizisten hätten die mutmaßlichen Täter nach einem kurzen Feuergefecht getötet. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Attacke ereignete sich in dem Stadtteil Har Nof.

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu kündigte scharfe Reaktionen an. Die Attacke sei ein "grausamer Mord an Juden" gewesen. Sie hätten beten wollen und seien dabei von "verachtenswerten Mördern" getötet worden. Netanyahu bezeichnete die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas und den Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas als Anstifter der Gewalt.

"Der Präsident verurteilt den Angriff auf jüdische Kirchgänger während des Gebets", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einem Statement von Abbas' Büro. Generell verurteile Abbas den Tod von Zivilisten, "egal wer die Tat begehe".

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "zutiefst erschüttert": "Dass Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige werden, ist eine schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. " Unser Mitgefühl ist mit den Angehörigen der Opfer."

Steinmeier habe selbst vor wenigen Tagen in Jerusalem gespürt, "wie aufgeladen die Atmosphäre dort ist". Die Überlagerung der zahlreichen ungelösten politischen Fragen mit religiöser Konfrontation gebe einem ohnehin ernsten Konflikt eine neue gefährliche Dimension.

US-Außenminister John Kerry verurteilte den Angriff als "puren Terror", er sei kein menschliches Verhalten.

Polizei spricht von "terroristischer Attacke"

Über die Zahl der Opfer gibt es nur vorläufige Informationen: Der Sprecher der Polizei, Micky Rosenfeld, sagte, die Verdächtigen seien getötet worden. Er sagte jedoch nicht, wie sie starben. Palästinensische Medien berichteten, die Täter seien Cousins. Die 22- und 27-Jährigen kämen aus dem Viertel Dschabal al-Mukaber in Ostjerusalem.

Eine weitere Polizeisprecherin, Luba Samri, erklärte, vier Besucher des Gottesdienstes seien getötet worden. Sie sprach von einer "terroristischen Attacke".

Die israelische Polizei gehe davon aus, dass es sich um einen Anschlag von Einzeltätern handelt, zitiert die Nachrichtenagentur dpa. Die Männer seien demnach nicht von einer Terrororganisation beauftragt worden. Zahlreiche israelische Sicherheitskräfte seien im Bereich ihrer Wohnhäuser in Ostjerusalem im Einsatz.

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Israel: Terror in Jerusalem
"Ich habe versucht zu fliehen", sagte Augenzeuge Yossi dem israelischen TV-Sender "Channel 2 TV", seinen Nachnamen nannte er nicht. "Der Mann mit dem Messer kam auf mich zu. Ein Stuhl und ein Tisch waren zwischen uns." Doch der Augenzeuge konnte entkommen.

Sanitäter berichten direkt nach der Tat, neun Menschen würden am Ort des Überfalls behandelt. Fünf befänden sich in einem kritischen Zustand.

Hamas-Sprecher lobt den Angriff

Seit Wochen beruhigt sich die Lage in Jerusalem nicht: Immer wieder kommt es zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Es gab auch eine Serie von Anschlägen auf Israelis. Ein Auslöser der Spannungen war der Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen heilig ist.

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas reagierte auf den tödlichen Anschlag und bezeichnete ihn als "heroische Tat". Es handele sich um eine "natürliche Reaktion", sagte Hamas-Sprecher Muschir al-Masri in Gaza. Es sei die Rache für den Tod eines arabischen Busfahrers.

Nach dem Vorfall war es bereits am Montag zu Unruhen in der Stadt gekommen. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, die Familie des Mannes vermutet jedoch einen Mord durch jüdische Extremisten. Der Hamas-Sprecher nannte den Tod des Busfahrers eine "Hinrichtung".

vek/mgb/dpa/AP/Reuters

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