Jerusalem Ultraorthodoxe Juden attackieren Frauen an Klagemauer

Seit 30 Jahren fordern die "Frauen der Klagemauer" gleichen Zugang zur religiösen Stätte wie Männer. Bei einem Protest wurden die liberalen Jüdinnen nun offenbar von strenggläubigen Männern angegriffen.

"Frauen der Klagemauer"
AFP

"Frauen der Klagemauer"


Tausende ultraorthodoxe Männer haben an der Jerusalemer Klagemauer eine Gruppe liberaler Jüdinnen attackiert, die dort für gleiche Rechte kämpfen wollten. Die Gruppe "Frauen der Klagemauer" wurde während eines Gebets an einer der wichtigsten heiligen Stätten des Judentums nach eigenen Angaben von den vorwiegend jungen Strenggläubigen angegriffen. Zwei Frauen seien verletzt worden, hieß es in einer Stellungnahme.

Die israelische Polizei sprach von "Reibereien" und "Beschimpfungen", die rivalisierenden Gruppen seien getrennt worden. Ein 20-Jähriger wurde nach einem Angriff auf einen Polizisten festgenommen.

Die "Frauen der Klagemauer" fordern seit 30 Jahren gleichen Zugang für beide Geschlechter zu religiösen Ritualen an der Stätte. So sollen auch Frauen dort Gebete leiten, Gebetsschals tragen und Torah-Schriftrollen berühren dürfen. Damit zieht die Gruppe sich den Zorn strenggläubiger Juden zu, die an der Geschlechtertrennung an der Klagemauer festhalten wollen.

ABIR SULTAN/ EPA-EFE/ REX

Auf Videoaufnahmen der Zeitung "Haaretz" war zu sehen, wie sich aufgebrachte ultraorthodoxe Männer mit schwarzen Hüten den Weg durch die Menge der Gläubigen zu den Frauen bahnten. Eine Fotografin der Nachrichtenagentur AFP berichtete von jungen ultraorthodoxen Frauen, die sich dem Angriff anschlossen. Sie waren laut "Haaretz" eigens von religiösen Schulen aus dem Umland nach Jerusalem gefahren worden.

Sicherheitskräfte mussten die liberalen Aktivistinnen in Sicherheit bringen. Die Polizei erklärte, die Frauen seien an einen entlegeneren Abschnitt der Klagemauer weitergezogen, der für nicht-orthodoxe Gottesdienste reserviert ist.

Nach jahrelangem Streit hatte Israel Anfang 2018 mit dem Bau eines gemeinsamen Gebetsbereichs für Frauen und Männer an der Klagemauer begonnen. Dort sollten alle die gleichen Gebetsrechte haben. Doch aufgrund des Drucks ultraorthodoxer Koalitionspartner war die Vereinbarung längere Zeit auf Eis gelegt worden.

mfh/AFP/dpa



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