Nach Trumps Jerusalem-Entscheidung Mehr als 250 Verletzte bei Palästinenser-Demos

Die Hamas hatte eine dritte Intifada ausgerufen - danach sieht es gegenwärtig nicht aus. Es kam jedoch zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Soldaten, ein Mensch starb.

Gewalttätiger Protest
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Gewalttätiger Protest


Tausende Palästinenser sind am "Tag des Zorns" in Ostjerusalem, dem Westjordanland und im Gazastreifen auf die Straße gegangen. Der Grund: Die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Mancherorts sind die Proteste eskaliert. Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften wurden mehr als 250 Palästinenser verletzt, ein palästinensischer Demonstrant wurde im Gazastreifen erschossen.

Israelische Soldaten hätten bei Unruhen im Grenzgebiet des Gazastreifens auf Hauptanstifter geschossen, sagte eine Armeesprecherin. Diese seien auch getroffen worden, einer davon tödlich.

Nachdem US-Präsident Donald Trump am Mittwoch Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt hatte, kritisierten viele Länder diesen Schritt. Ein Grund: Dieser schafft einen völkerrechtlichen Präzedenzfall und könnte Folgen für andere umstrittene Gebiete - wie etwa die Krim - haben. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen)

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Israel hatte 1967 während des Sechstagekriegs unter anderem den arabisch geprägten Ostteil der Stadt erobert und später annektiert. Der jüdische Staat beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt. Die Palästinenser sehen in Ostjerusalem ihre künftige Hauptstadt. (Hier erfahren Sie mehr zur Geschichte der Stadt)

In ganz Jerusalem leben nach Angaben des Zentralen Israelischen Statistik-Büros ungefähr 866.000 Menschen, davon 542.000 Juden und 323.700 christliche und muslimische Araber. In Ostjerusalem leben heute schätzungsweise mehr als 200.000 Israelis und rund 300.000 Palästinenser.

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Jerusalem: Ewiger Streit um die Heilige Stadt

Auch in mehreren Städten der arabischen Welt kam es zu Demonstrationen gegen die Entscheidung von Trump:

  • Mehr als 100 Menschen zogen an der Al-Ashar-Moschee in Kairo auf die Straße. Auf Aufnahmen in sozialen Medien war zu sehen, wie sie Sprechchöre anstimmten und "Jerusalem ist Arabisch" riefen. Sie forderten die Einheit der Araber gegen den "zionistischen Angriff".
  • In der jordanischen Hauptstadt Amman beteiligten sich nach Angaben der Nachrichtenseite Al-Ghad Tausende an einem Protestmarsch nach dem Freitagsgebet.
  • Im Libanon kam es zu Demonstrationen in der Hauptstadt Beirut und in palästinensischen Flüchtlingslagern, wo Reifen und israelische Flaggen angezündet wurden.
  • Auch in Bagdad demonstrierten Menschen nach dem Freitagsgebet gegen die Entscheidung Trumps, wie die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria berichtete.

Unterdessen erklärte US-Außenminister Rex Tillerson, die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem werde "wahrscheinlich" nicht vor 2019 stattfinden. "Das ist nichts, was dieses Jahr geschieht, und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr", sagte er. Allerdings wolle US-Präsident Donald Trump, dass der Umzug "auf sehr konkrete und entschlossene Art" vorankomme.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes war von zwei Toten die Rede. Dies hatten zwei Nachrichtenagenturen unter Berufung auf palästinensische Behörden berichtet. Mittlerweile wurde diese Meldung zurückgezogen, es gibt bislang nur einen Toten.

dop/dpa/AP/Reuters/AFP

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