Holocaust: Claims Conference startet neue Suche nach Erben von Nazi-Opfern

50 Millionen Euro enthält der Fonds - damit sollen die Erben jüdischer Nazi-Opfer entschädigt werden, deren Besitz erst von NS-Schergen geraubt und später in der DDR verstaatlicht wurde. Der Jewish Claims Conference zufolge ist es die letzte Möglichkeit zur Entschädigung.

Holocaust-Informationszentrum in Berlin: Eine Besucherin steht vor Porträts Zur Großansicht
REUTERS

Holocaust-Informationszentrum in Berlin: Eine Besucherin steht vor Porträts

New York - Die Liste, die die Jewish Claims Conference (JCC) jetzt veröffentlicht hat, ist mehr als 1400 Seiten lang. Tausende Namen stehen darauf, etwa der von Walter Garbe aus Berlin-Mitte oder der von Noha Abugow aus Leipzig. Es handelt sich dabei um Juden, denen von den Nationalsozialisten in Ostdeutschland ihr Besitz genommen wurde. Erst machten sich die Nazis den jüdischen Besitz zur Beute, später wurde er in der DDR verstaatlicht - inzwischen kümmert sich die JCC darum. Die Organisation mit Sitz in New York vertritt seit 1951 die Entschädigungsansprüche jüdischer Opfer des Nationalsozialismus.

Noch immer haben die Erben vieler enteigneter Juden keine Kompensation für das Unrecht erhalten, das ihren Vorfahren im Nationalsozialismus widerfahren ist. Sie sollen jetzt durch einen Fonds in Höhe von 50 Millionen Euro entschädigt werden, die JCC hat dafür ein Antragsformular auf ihrer Website veröffentlicht: "Man muss nur auf die Website klicken, das Formular herunterladen, es auf Englisch oder Deutsch ausfüllen und es an die Adresse senden, die auf der Seite angegeben ist", sagte Schlomo Gur, Vizepräsident der JCC in Israel, laut einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz".

Die Anträge können bis zum 31. Dezember 2014 gestellt werden. Damit verlängert die JCC die Frist für entsprechende Anträge, der Fonds trägt den Namen Late Applicants Fund. Der Fonds richte sich "ausschließlich an bestimmte Erben früherer Eigentümer von Liegenschaften in der ehemaligen DDR, die während der NS-Herrschaft verlustig gingen", heißt es in dem Antrag. Zahlungen könnten nur dann geleistet werden, "wenn die Rückerstattung oder das Entschädigungsverfahren rechtskräftig und abschließend erfolgt ist".

Zum ersten Mal konnten jüdische Erben 1990 auf Entschädigung für verlorenen Besitz in Ostdeutschland klagen. Die Bundesregierung hatte diese Möglichkeit im Anschluss an die Wiedervereinigung geschaffen, setzte allerdings eine Frist von nur zwei Jahren. Tausende Besitztümer blieben nach Fristende unbeansprucht, weshalb der deutsche Staat der JCC das Recht übertrug, im Namen der ehemaligen Besitzer auf Entschädigung zu klagen.

Die JCC strengte Verfahren für etwa 120.000 Besitztümer an, für 15 Prozent des Besitzes erhielt die JCC eine Entschädigung. Mit dem Geld wurden in der Folge jene Antragsteller abgefunden, die die Frist von 1992 verpasst hatten. Als 2004 der entsprechende JCC-Fonds (Goodwill Fund) geschlossen wurde, waren noch einmal 800 Millionen US-Dollar ausbezahlt worden. Weil die JCC seitdem jedoch immer noch Klagen erreichen, wurde nun der Late Applicants Fund eingerichtet. Es sei die letzte Möglichkeit für betroffene Erben, um ihre Besitzansprüche geltend zu machen, berichtete "Haaretz".

hen/nwi

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