Ex-Sheriff Joe Arpaio Der Trump des Wilden Westens

Dank der Begnadigung durch Donald Trump entging Joe Arpaio einer Haftstrafe. Jetzt will sich der Ex-Sheriff revanchieren und für den US-Senat kandidieren - nicht ungefährlich für den Präsidenten.

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Er vertritt eine extreme Linie in Fragen der Einwanderung. Er hat ein enorm großes Ego, das er nur zu gern den Medien präsentiert. Ihm werden immer wieder Diskriminierung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Und trotzdem will er sich für ein öffentliches Amt in den Vereinigten Staaten von Amerika bewerben.

Nein, dies ist kein Rückblick auf das Jahr 2015, und nein, die Rede ist nicht von Donald Trump. Aber in vielen Punkten ist Joe Arpaio dem US-Präsidenten sehr ähnlich. Als selbsternannter "härtester Sheriff Amerikas" hat er sich weit über seinen Bezirk Maricopa im Bundesstaat Arizona hinaus einen Namen gemacht. Jetzt will der Republikaner im Alter von 85 Jahren für den US-Senat kandidieren. Im August findet die parteiinterne Vorwahl statt, im November folgt die eigentliche Wahl.

Joe Arpaio in seiner Zeit als Sheriff
REUTERS

Joe Arpaio in seiner Zeit als Sheriff

Dass die Ankündigung schnell für Kritik sorgte, hat mit Arpaios Vergangenheit als Sheriff zu tun. Immer wieder fiel er durch erniedrigende Behandlung von Gefangenen und diskriminierende Maßnahmen gegen illegale Einwanderer auf.

Verurteilt und begnadigt

Arpaio ließ am Wüstenrand in Arizona eine Zeltstadt errichten, wo Gefangene bei teilweise mehr als 50 Grad Hitze untergebracht waren. Wiederholt starben Insassen. Er ließ die männlichen Gefangenen pinke Unterwäsche tragen. Er ließ aneinander gekettete Gruppen, erstmals auch Frauen, in sogenannten Chain Gangs Zwangsarbeit verrichten, wie in den düsteren Zeiten der Sklaverei. Arpaio selbst nannte das Gefängnis einst ein "Konzentrationslager", auch wenn er diese Aussage später zurücknahm. Und ganz nebenbei stellte Arpaio - genau wie Trump - auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft Barack Obamas in Frage.

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Gefängnis in Arizona: Willkommen im Zeltknast

Trump und Arpaio vertreten nicht nur oft die gleiche Meinung, sie sind einander auch sehr verbunden. Schon im Präsidentschaftswahlkampf standen die beiden mehrfach Seite an Seite. Damals sagte Arpaio - Sohn italienischer Einwanderer übrigens - er sei "sehr froh, dass Trump die Tür zum Thema Immigration aufgestoßen" habe.

Der Höhepunkt ihrer Freundschaft: Im August 2017 begnadigte Trump seinen Günstling. Gut ein Jahr zuvor war Arpaio schuldig gesprochen worden, weil er eine gerichtliche Anordnung missachtet hatte, keine diskriminierenden Verkehrskontrollen gegen Einwanderer durchzuführen. Arpaio drohten sechs Monate Haft.

Protest in Phoenix gegen Donald Trump und Joe Arpaio
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Protest in Phoenix gegen Donald Trump und Joe Arpaio

Im November 2016 wurde Arpaio dann nach 24 Jahren im Amt als Sheriff abgewählt, er verlor gegen den Demokraten Paul Penzone. Selbst dem traditionell durch und durch republikanischen Bezirk Maricopa, in dem der Sheriff über so viele Jahre ein hohes Ansehen genossen hatte, war es offenbar zu viel geworden. Die politische Karriere Arpaios schien endgültig beendet.

Null will er aber doch nochmal seinen Hut in den Ring werfen - und das in einem Jahr, das für die Republikaner und besonders für Trump extrem wichtig sein wird. 34 von 100 Senatssitzen werden neu vergeben. Schon jetzt hält Trumps Partei mit 51 Sitzen nur eine knappe Mehrheit. Und auch mit Blick auf parteiinterne Konflikte dürfte Trump die Kandidatur Arpaios gefallen. Zuletzt hatte es nämlich auch von republikanischer Seite mehr Kritiker gegeben. Dazu zählt unter anderem der bisherige Senator in Arizona, Jeff Flake. Der 55-Jährige gab frühzeitig bekannt, nicht wieder zur Wahl antreten zu wollen. Und erst im Oktober nannte er Trumps Verhalten in einer Brandrede "rücksichtslos", "empörend" und "würdelos".

Arpaio hingegen verkündete, er werde kandidieren, "um die Agenda und die Politik von Präsident Donald Trump und seine Mission zu unterstützen, Amerika wieder großartig zu machen". Die Ansage kam via Twitter, wo Arpaio ebenfalls seinem Vorbild huldigt. In Anlehnung an @realDonald Trump nennt er sich @realSheriffJoe.

Arpaio als Kandidat - mehr Gefahr als Chance?

Arpaio statt Flake als Senator in Arizona, wo der Präsident bei der Wahl im Jahr 2016 nur knapp gewonnen hatte? Das dürfte im Sinne Trumps sein. Die Kandidatur birgt aber auch eine Gefahr, wie ein Blick auf Alabama zeigt: Dort hat der ebenfalls extrem umstrittene Republikaner Roy Moore gerade erst eine wichtige Wahl verloren. Mit Doug Jones wird erstmals seit 25 Jahren wieder ein Demokrat für den Staat in den Senat einziehen.

Es besteht nun das Risiko, dass Trump bei einer Kandidatur Arpaios im nächsten republikanischen Bundesstaat einen Senatssitz verliert. Was bei Moore die glaubhaften Vorwürfe der sexuellen Belästigung von Teenagern waren, sind bei Arpaio nun eben jahrelange Diskriminierung, Amtsmissbrauch und die umstrittene Begnadigung. Dass er selbst die Wahl zum Sheriff in seinem eigenen Bezirk verloren hat, lässt außerdem erahnen, wie gering Arpaios Chancen tatsächlich sein könnten. Deshalb erntete er auch schnell Spott für seine Ankündigung.

Sollte sich Trump in Arizona für Arpaio und nicht etwa für Kelli Ward, ebenfalls eine Unterstützerin des Präsidenten, einsetzen, würde er also erneut den riskanten Weg wählen. Angesichts der gemeinsamen Geschichte von Trump und Arpaio würde auch das allerdings kaum noch jemanden überraschen.

insgesamt 7 Beiträge
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matthias-j 10.01.2018
1. SPON hat von der amerikansichen Mentalität keine Ahnung
Arpaio gilt unter den weissen Amerikanern im Süden als Held und auch nicht bei wenigen Farbigen und Naturals. Sieht man auch an seinem Nachnamen. Sein Handicap dürfte dein hohes Alters sein, obwohl ihm das bei der Ü70 Generation, und das sind nicht wenige die Stimmen sicher sind. Es ist manchmal erschreckend wue manchmal US Moderatoren, die schon jahrelang in der USA leben nichts von der Mentalität verstehen. Da muss man wohl in eienr amerikanischen Firma arbeiten um das zu verstehen. Die Betonung liegt auf Arbeiten.
fatal.justice 10.01.2018
2. Wenn...
... wir alle in einem lustigen Zeichentrick-Comic leben würden, könnte ich diesem Witzbold noch etwas Erheiterndes abgewinnen. So aber wünsche ich ihm viel Glück, falte meine Hände zum Gebet, und hoffe, dass sich genügend Schmerzbefreite berufen fühlen, einen solchen straußeneierbewehrten Säbelzahnmenschen in ein demokratisch begründetes Amt zu wählen. Falls es noch eines präsidentiellen Sargnagels bedürfte - hier ist er...
lokisflatmate 10.01.2018
3. Na, viel Spaß …
In Anbetracht seines Alters kann man nur hoffen, dass es nicht so weit kommt. Ich bin bestimmt keine Vertreterin des Jugendwahns (ich bin 64 ;) ), aber ein bißchen jünger sollten Politiker schon sein, wenn sie eine solche Karriere starten wollen. Arpaio ist nicht besser als Roy Moore. Wenn er aufgestellt wird, gibt es wahrscheinlich noch eine Schlappe für die Republikaner.
Chris_7 10.01.2018
4. Er wurde nicht wegen einer Straftat verurteilt
Die Verurteilung von Sheriff Joe erfolgte, weil er sich nicht den sinnlose Anordnungen eines weltfremden Gerichts beugen wollte. Dieses hatte entschieden, dass er keine Kontrollen mehr gegenüber potentiellen Illegalen mehr durchführen darf. Weil das racial profiling wäre. Wenn man Leut ekontrolliert die so aussehen wie die, die illegal in ein Land eindringen. Diese komischen Gedankengänge können nur Juristen haben. Jeder mit gesundem Menschenverstand sagt "klar, man kontrolliert die, die aussehen wie die die potentielle Straftäter sind - und das ist keine Diskriminierung, sondern Logik". Sprich Sheriff Joe hat nur gute Polizeiarbeit gemacht. Und wurde von weltfremden Richtern daran gehindert.
obersterhofnarr 10.01.2018
5. Schwachsinn hoch zehn
nur noch senile und engstirnige alte Knacker am Start. Menschen wie Arpaio hassen alles und jeden aus sadistischem Spass am Hass und Quälen. Das hat nichts Politik zu tun.
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