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Joe Biden vs. Hillary Clinton: Kandidatenkür am Sterbebett

Von , New York

US-Vizepräsident Biden: Bekommt Hillary Clinton doch noch Konkurrenz? Zur Großansicht
AFP

US-Vizepräsident Biden: Bekommt Hillary Clinton doch noch Konkurrenz?

Hillary Clinton schien als Kandidatin fürs Weiße Haus gesetzt. Doch ihre Umfragewerte bröckeln. Auf der Suche nach einem besseren Aspiranten bringt sich nun ein alter Hase ins Spiel - der beliebte Vizepräsident Joe Biden.

US-Präsidentschaftskandidaturen erwachsen aus den kuriosesten Motiven. "Die Durchschnittsamerikaner brauchen einen Champion", begründet Hillary Clinton ihren jüngsten Anlauf, als sei sie selbst Durchschnitt und nicht die Grande Dame einer millionenschweren Polit-Familie. "Ich bin wirklich reich", bellt Donald Trump dagegen ohne Schamgefühl. Andere berufen sich gerne auf himmlische Eingebung - etwa Scott Walker, der Gouverneur Wisconsins: "Es ist Gottes Wille."

In diesem Fall aber wäre es wohl das erste Mal, dass eine Präsidentschaftskandidatur im Angesicht des Todes entsteht.

Die Rede ist von US-Vizepräsident Joe Biden: Der 72-Jährige wollte sich mit der Wahl 2016 ja eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen. Doch sein Sohn Beau, der im Mai einem Krebsleiden erlag, habe dem Vater auf dem Sterbebett noch das Versprechen abzuringen versucht, ein drittes Mal fürs Weiße Haus zu kandidieren, berichtete "New York Times"-Edelfeder Maureen Dowd nun in ihrer Sonntagskolumne.

Bidens Vorgehen ist dreist und beispiellos

Es sei "besser für das Land", zitierte Dowd den todgeweihten Sohn, wenn das höchste Amt nicht "wieder an die Clintons geht" - ein offener Schlag gegen die frühere First Lady, deren Nominierung viele Demokraten resigniert als so gut wie unausweichlich akzeptiert haben. Auch Bidens jüngerer Sohn Hunter, ein Rechtsanwalt, habe ihn ermutigt. Biden selbst sei tief berührt davon und sondiere seither vor.

Es ist nicht neu, dass ein US-Kandidat in spe seine Ambitionen vorab lancieren lässt. Doch dies ist ebenso dreist wie beispiellos. Erstens wird hierzu ein Trauerfall instrumentalisiert, der die Nation tief bewegte. Zweitens ist Dowds Quelle kaum diskret - bei besagtem Gespräch waren ja offenbar nur zwei Personen anwesend.

Seitdem herrscht hellste Aufregung im Vorwahlkampf der Demokraten, der bisher völlig unterging im Getöse des Republikaner-Zirkus um Donald Trump: Könnte es sein, dass Clinton doch noch interne Konkurrenz bekommt?

Zumindest scheint das der Wunsch gewisser Parteikreise: Eine erneute Kandidatur Bidens - der 2008 nicht über den ersten Vorwahlstaat Iowa hinauskam, bevor ihn Barack Obama zu seinem Vize machte - wurde am Wochenende auch noch von anderen Insidern anonym propagiert, in einer Medienkampagne, die weit über Dowds Kolumne hinausging.

Bidens Team habe begonnen, eine Kandidatur zu "diskutieren", meldete auch die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Bidens engsten Zirkel. Die Nachrichtenredaktion der "New York Times" und der konservative TV-Sender Fox News berichteten, Bidens Stabschef Steve Ricchetti habe persönlichen Kontakt aufgenommen zu noch unentschiedenen Parteispendern, die sich langsam Sorgen machten um Clintons "zusehends sichtbaren Schwachstellen als Kandidatin".

Noch bleibt es eine Idee. Biden - der bei einem Wahlsieg zum ältesten Präsidenten der US-Geschichte würde - ist zwar enorm populär, auch parteiübergreifend. Dank seines losen Mundwerks aber neigt er zu peinlichen Patzern, die schnell zu viralen YouTube-Videos werden.

Clintons Sympathiewerte bröckeln

Seine beiden ersten Anläufe aufs Weiße Haus endeten schmählich. 1988 stieg Biden nach Vorwürfen aus, er habe Teile einer Rede plagiiert. 2008 scheiterte er in Iowa mit gerade mal 0,9 Prozent, nachdem er Spitzenreiter Obama als "ersten Mainstream-Afroamerikaner, der reden kann und schlau und sauber ist" gelobt hatte.

Hinzu kommt: Clinton hat eine formidable Wahlkampfmaschinerie hinter sich, mit Abermillionen Dollar in der Spendenkasse und bereits Tausenden Fußsoldaten in allen Vorwahlstaaten. Trotzdem geht ihrer Kandidatur plötzlich die Puste aus: In einer aktuellen Umfrage bezeichneten 57 Prozent der Wähler sie - auch wegen des nicht totzukriegenden E-Mail-"Skandals" - als "nicht vertrauenswürdig", während Joe Biden die besten Popularitätswerte seit Jahren erzielte.

Kein Wunder, dass einige Demokraten Bedenken haben. Sollte Clinton implodieren, haben sie keinen Plan B - die anderen Bewerber haben keine Chance gegen die Republikaner. Selbst Linksaußen Bernie Sanders nicht, der mit seinen populistischen Tiraden Stadien füllt.

So kann es sein, dass der Wirbel um eine Biden-Kandidatur auch nur ein cleverer Trick ist, um Clinton aus ihrer Hochglanz-Lethargie aufzuschrecken. Ein anderer möglicher Gegenkandidat, so Dowd in derselben Kolumne, sei Howard Schultz, der Gründer der US-Kaffeekette Starbucks: Der sei wenigstens "authentisch und ehrlich" - zwei im heutigen Polit-Spektakel immer seltenere Charaktereigenschaften.

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Ist das noch Demokratie?
RalfHenrichs 03.08.2015
Gibt es denn inhaltliche Unterschiede zwischen Biden und Clinton oder geht es nur um attraktive Nase?
2. Clinton wirkt unehrlich
jozu2 03.08.2015
Bei Clinton hat man den Eindruck, dass es ihr hauptsächlich darum geht, endlich "Präsident" auf ihr Visitenkarte schreiben zu können, aber auf das Amt selber gar keine Lust hat. Die anderen Kandidaten vermitteln wenigstens noch ein "Yes, I want!"
3.
chemo13 03.08.2015
Warum wird Bernie Sanders in allen Artikel als Populist und Sozialist beschrieben? Auch hier wieder "Bernie Sanders [...], der mit seinen populistischen Tiraden Stadien füllt." Komischerweise tritt er für ds ein was wir in Europa haben. Freie Bildung, soziale Gerechtigkeit, soziales Gesundheitssystem. Er ist gegen TPP und TIPP, gegen NSA-Spionage, gegen Keystone-Pipeline etc. und kann das mit seinem Stimmverhalten im Congress untermauern. Im Gegensatz zu Mrs. Clinton, welche gegen eigentich alles steht was die Demokraten eigentlich ausmachte und sich um wichtige Fragen drückt und sie erst nach ihrer Wahl beantworten will.
4. Das wird nix
bmvjr 03.08.2015
Die Auswahl der moeglichen Kandidaten der Demokraten ist - auch verglichen mit den Republikanern, armselig. Hilary ist noch das staerkste Pferd der Demokraten im Rennen und beginnt doch schon zu lahmen. Biden's Ansatz ist, populaer oder nicht, ein Rohrkrepierer. Schultz waere eine frische Option mit Aussichten. Der Obama-Bonus mit "yes we can" und Nutzung der digitalen Medien und dem "erster African-American Praesident" ist schon lange verpufft. Da wirkt auch Hilary als potentiell erste Frau im Amt nicht so gewaltig, dass die weibliche Waehlerschaft sich so richtig ins Zeug legt. Allein aus der Situation bei den Demokraten lassen sich derzeitig erheblich bessere Chancen fuer einen Republikaner ableiten.
5. Inhaltlich ...
brotherandrew 03.08.2015
... unterscheiden sich Biden und Clinton doch gar nicht.
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