Johannesburg: Delegierte pfeifen Powell aus

Kurz vor Abschluss des Uno-Gipfels in Johannesburg kam es noch zum Eklat. US-Außenminister Colin Powell, der an Stelle von Präsident Bush vor die Delegierten trat, erntete reichlich Pfiffe.



Demonstranten halten während der Powell-Rede ein Transparent hoch
AP

Demonstranten halten während der Powell-Rede ein Transparent hoch

Johannesburg - Saalordner führten die Demonstranten ab, die zuvor noch ein Plakat mit der Aufschrift "Von den Regierungen betrogen" entrollt hatten. Ihr Protest richtete sich gegen die ihrer Meinung nach unzureichenden Ergebnisse des Gipfels, die zum Teil auf die starre Haltung der USA zurückgeführt werden. Powell, der seine Rede unterbrechen musste, nannte den Gipfel vor den Staats- und Regierungschefs ein "Symbol der Hoffnung".

Mit Blick auf zwei vorangegangene Verhandlungsrunden in Katar und Mexiko meinte er: "Johannesburg ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg von Doha und Monterrey in die Zukunft." Den Schlüssel zum Erfolg halte der Privatsektor, weniger die Regierungen in Händen. Er kündigte an, dass US-Präsident George W. Bush eine Aufstockung der Entwicklungshilfe um 5 Milliarden Dollar pro Jahr beantragen werde, was einer 50-prozentigen Steigerung entsprechen würde. Der Gipfel in Johannesburg habe eine neue Vision für nachhaltige Entwicklung eröffnet. Unmutsbekundungen kamen im Plenarsaal auf, als Powell auf den Klimawandel einging. "Die USA handeln, einschließlich beim Klimawandel", meinte er.

Außenminister Powell vor dem Gipfel
DPA

Außenminister Powell vor dem Gipfel

Die USA weigern sich bisher unter dem Protest zahlreicher anderer Industriestaaten, das Klimaschutzprotokoll von Kyoto zu unterzeichnen. Powell vertritt in Johannesburg US-Präsident Bush, der als einziger Spitzenpolitiker der reichen Industriestaaten (G7) nicht zu der Uno-Tagung gekommen war. Der Gipfel geht am Abend mit einer Abschlusserklärung und einem Aktionsprogramm zu Ende, das vielen Umweltverbänden nicht weit genug geht. Mehrere von ihnen hatten bereits am Morgen unter Protest den Konferenzsaal verlassen.

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