John Boehner über Ted Cruz "Er ist der leibhaftige Teufel"

John Boehner galt lange als einer der einflussreichsten US-Republikaner. Jetzt hat er seinen Parteikollegen Ted Cruz als "Luzifer" und "Hurensohn" bezeichnet. Die Retourkutsche folgte prompt.

John Boehner (2015)
AFP

John Boehner (2015)


Dass sich die US-republikanischen Präsidentschaftsanwärter untereinander teils heftig angreifen, war in den vergangenen Wochen immer wieder zu beobachten. Ted Cruz, Donald Trump und John Kasich wollen alle als Kandidat ihrer Partei ins Rennen um das Weiße Haus starten, da ist Zoff vorprogrammiert. Jetzt hat sich auch der einflussreiche Republikaner und Nicht-Kandidat John Boehner in die Vorwahl eingemischt - und kräftig gegen Ted Cruz ausgeteilt.

"Er ist der leibhaftige Teufel", sagte Boehner bei einer Veranstaltung an der Stanford University. "Ich habe Freunde bei den Demokraten und Freunde bei den Republikanern. Ich komme mit fast jedem klar, aber ich habe noch nie in meinem Leben mit einem erbärmlicheren Hurensohn zusammengearbeitet."

Boehner war im September vergangenen Jahres von seinem Posten als Vorsitzender des US-Abgeordnetenhauses zurückgetreten. Er gilt als einer der mächtigsten Republikaner der USA.

Er werde Cruz auf keinen Fall seine Stimme geben, sollte der Senator aus Texas tatsächlich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Boehner kündigte an, stattdessen Trump zu unterstützen. Der umstrittene Milliardär liegt im Rennen weit vorne. Boehner nannte ihn nun seinen SMS-Kumpel, die beiden würden auch ab und zu gemeinsam golfen.

"Seinen inneren Trump rausgelassen"

Cruz reagierte auf die Beleidigungen mit einer ausführlichen Rede über das seiner Ansicht nach korrupte System Washingtons. Boehner habe "seinen inneren Trump rausgelassen", sagte Cruz in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana. Dort finden am 3. Mai Vorwahlen statt.

Er habe nie mit Boehner zusammengearbeitet, sagte Cruz. Es würde ihn überraschen, wenn er überhaupt jemals 50 Worte mit ihm gewechselt haben sollte. "Die Wahrheit ist: Ich kenne den Mann gar nicht."

In US-Medien sorgt die Wortwahl Boehners für zahlreiche Schlagzeilen: Bloomberg kürte "leibhaftiger Teufel" zur "politischen Phrase des Tages"; das "Time"-Magazin nahm den Vorfall zum Anlass, an frühere, vergleichbare Beleidigungen aus dem Politikbetrieb zu erinnern.

Bush lobt Cruz

Während Cruz' Auftritt in Fort Wayne stand Carly Fiorina an seiner Seite. Am Vortag hatte er sie als mögliche Vizepräsidentin vorgestellt. Im Rennen um die Kandidatur der republikanischen Partei liegt Cruz allerdings deutlich hinter Trump. Einige Politbeobachter werteten die Verkündung der Personalie deshalb als Verzweiflungstat, um dringend benötigte Aufmerksamkeit zu generieren.

Lob kam allerdings von Jeb Bush: Er war im Februar im Rennen um die Kandidatur ausgestiegen, seitdem unterstützt er Cruz. Es sei ein "cleverer Schachzug" gewesen, Fiorina zu nominieren, sagte Bush dem US-Sender CNN. Sie sei talentiert und hart im Nehmen.

Ergebnisse der US-Vorwahlen

aar/AP

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