Debatte über Charlottesville Ex-CIA-Chef Brennan nennt Trumps Reaktion "nationale Schande"

Der frühere CIA-Direktor Brennan wirft Donald Trump große Fehler im Umgang mit den Ausschreitungen in Charlottesville vor. "Alle Amerikaner, die bei Vernunft sind, müssen seine hässlichen Kommentare zurückweisen."

John Brennan
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John Brennan


Der einstige CIA-Direktor John Brennan fürchtet durch die Präsidentschaft Donald Trumps einen erheblichen Schaden für die US-Gesellschaft und die Stellung des Landes: In einem persönlichen Brief wandte er sich mit dieser Kritik nun an den US-Fernsehmoderator Wolf Blitzer. Trumps Einstellung und seine Reaktion auf die Ereignisse von Charlottesville "sind eine nationale Schande", schrieb Brennan.

Den Brief stellte der Nachrichtensender CNN auf seine Nachrichtenseite. Der frühere CIA-Chef hatte diesen verfasst, nachdem der US-Fernsehmoderator Blitzer kurz zuvor in einer Sendung über den Verlust seiner Großeltern im Zweiten Weltkrieg gesprochen hatte. Sie seien während der Nazi-Herrschaft ums Leben gekommen. Blitzers Eltern überlebten das Konzentrationslager in Auschwitz.

In dem Brief heißt es weiter: "Alle Amerikaner, die bei Vernunft sind, müssen seine hässlichen und gefährlichen Kommentare zurückweisen". Ansonsten werde Trump der US-Gesellschaft und der Stellung des Landes in der Welt dauerhaften Schaden zufügen. "Mit seinen Worten setzt Herr Trump unsere nationale Sicherheit und unsere gemeinsame Zukunft einem großen Risiko aus."

Brennan war von 2013 bis Januar 2017 CIA-Direktor. Mit dem Ausscheiden von US-Präsident Barack Obama gab auch er seinen Posten auf.

Trump hatte mit seiner Pressekonferenz am Dienstag seinen verbalen Zickzackkurs nach den Ausschreitungen von Charlottesville fortgesetzt. Er kehrte zu seiner ursprünglichen Erklärung zurück, in der er nach den Ausschreitungen Gewalt durch Neonazis nicht explizit verurteilte, sondern rechte und linke Extremisten gleichermaßen verantwortlich machte. Sowohl von den oppositionellen Demokraten als auch aus den eigenen Reihen der Republikaner erntete Trump dafür scharfe Kritik.

Kein Republikaner will Trump öffentlich verteidigen

Selbst in der eigenen Partei will keiner Trump derzeit mehr so recht verteidigen: Trotz hartnäckiger Versuche der Redaktion hat der rechtskonservative US-Sender Fox News nach eigenen Angaben keinen Republikaner auftreiben können, der die Äußerungen von Trumps in der Rechtsextremismusdebatte verteidigen will. "Unser Buchungsteam hat Republikaner aller Lager aus dem ganzen Land kontaktiert", sagte Moderator Shepard Smith in seiner Sendung. "Wir konnten niemanden bekommen, der herkommen und ihn verteidigen wollte."

Aus seiner Verwunderung machte der Moderator keinen Hehl - schließlich ist sein Sender nicht eben bekannt dafür, Republikaner und ihre politischen Positionen knallhart zu hinterfragen. "Lasst uns ehrlich sein: Republikanern macht es oft nichts aus, bei Fox News zu sein", sagte Smith.

Derweil will sich der US-Kongress nach der Neonazi-Kundgebung und der tödlichen Gewalt von Virgina mit Extremismus im Land intensiver beschäftigen. Das kündigte der Vorsitzende des Heimatschutz-Ausschusses des Repräsentantenhauses an.

Der Ausschuss werde die Spitzen des Heimatschutz-Ministeriums, der Bundespolizei FBI und des Nationalen Anti-Terror-Zentrums zu der bereits seit Längerem für den 12. September geplanten Anhörung einladen, heißt es in einem Schreiben.

Gabriel wirft Trump "Riesenfehler" vor

Kritik an Trump wird auch in Deutschland lauter: Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf Trump vor, die rechtsextremistische Gewalt in unzulässiger Weise relativiert zu haben. "Natürlich ist eine Gleichsetzung beider Seiten statt einer klaren Distanzierung vom nazistischen Potenzial, das sich da gezeigt hat, ein Riesenfehler", sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Und sie ist auch falsch. Und das zeigt eben, wie verwoben ein Teil der Unterstützer Trumps mit der rechtsradikalen Szene der Vereinigten Staaten ist. Sein Chefideologe (Steve) Bannon steht ihnen nahe."

mho/dpa

insgesamt 97 Beiträge
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qualidax 17.08.2017
1. Na dann ist ja Alles klar ...
... wenn das der Chef der größten Verbercher-Organisation der Welt sagt, muss es ja wohl stimmen. ts ... ts ... ts ...
Pollowitzer 17.08.2017
2. Hahaaaaa, ein ex-CIA-Chef...
...hat garantiert selber sooo viel Dreck am Stecken das er besser schweigen sollte - einen Bart wachsen lassen und in Wisconsin in die Käseproduktion einsteigen wäre passend.
zynik 17.08.2017
3. Man hat es ja so mit Kriegshelden in den USA....
Die Amerikaner, die in der letzten Generation im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben gelassen haben, müssen wirklich im Grab rotieren. Ausgerechnet ein Vogel wie Trump will diese Ideologie in den USA salonfähig machen will.
molkeboy 17.08.2017
4. @qualidax
Sie verfügen über den typischen und durchschaubaren Diskussions-nicht-ansatz aller Rechten. Als Einleitung den Zitierten zunächst das grundätzliche Recht, aus fachlichen oder moralischen Gründen, zur Beurteilung absprechen. Plus eine Prise Ironie. Das ändert aber nichts daran, dass Mr. Brennan vollkommen recht hat.
Red_Indian 17.08.2017
5. Bin ideologisch geschult!
"What about die Clinton Foundation? Haben die nicht auch Dreck am Stecken?" "Und Deep State, und so?" "Ein Präsident, der endlich echt jetzt mal sagt, was das Volk denkt!" "Merkel ist sowieso VIEL schlimmer" "Deutschland ist eine Bananen-Demokratur" "Nobody says that, but I do!" Mein Wutbürger-Seminar hat sich echt ausgezahlt, ich bin jetzt so was von argumentativ auf Augenhöhe mit dem SYSTEM. Geil.
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