Umgang mit gefallenen US-Soldaten Stabschef Kelly verteidigt Trump

Donald Trump wird für seinen Umgang mit getöteten US-Soldaten kritisiert. Unterstützung bekommt der Präsident nun von seinem Stabschef - dessen Tragödie er zuvor instrumentalisiert hatte.

John Kelly
REUTERS

John Kelly


John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, hat US-Präsident Donald Trump gegen Kritik am Umgang mit gefallenen Soldaten verteidigt. In einem emotionalen Auftritt vor der Presse im Weißen Haus sagte Kelly, er sei fassungslos über manche Kritik der vergangenen Tage. Er habe gedacht, dass zumindest dieser Vorgang heilig sei: der Anruf des US-Präsidenten bei den Hinterbliebenen von Gefallenen.

Kelly tritt nur äußert selten vor Journalisten im Weißen Haus auf. Seine Pressekonferenz wird als Versuch interpretiert, den von Trump verursachten Schaden durch einen seiner besten Leute einzudämmen. Ex-General Kelly hat dafür eine besondere Glaubwürdigkeit. Sein Sohn fiel 2010 in Afghanistan, und als Marines-Kommandeur hat er Erfahrung mit dem Tod von Soldaten.

Trump hatte vor wenigen Tagen seinen Amtsvorgängern vorgeworfen, sie hätten nie oder nur selten bei Hinterbliebenen angerufen, er dagegen bei allen. Beides war unwahr. Der US-Präsident instrumentalisierte zudem den Tod von Kellys Sohn, um seine eigenen umstrittenen Aussagen zu belegen. Anschließend sorgte ein Anruf Trumps bei einer trauernden Witwe für Streit: Eine demokratische Kongressabgeordnete sowie die Mutter des getöteten Soldaten warfen Trump vor, unsensibel gewesen zu sein und die Hinterbliebenen nicht mit Respekt behandelt zu haben (mehr zu diesem Streit lesen Sie hier).

Video zum Streit um gefallene US-Soldaten: "Er wusste, worauf er sich einließ"

Shutterstock/AP

Kelly sagte nun, er habe Trump zunächst geraten, nicht bei den Familien Gefallener anzurufen. Es sei nicht immer das, worauf Familien sich freuten. Er bestätigte, dass Barack Obama ihn beim Tod seines Sohnes nicht angerufen habe. Das sei aber keine Kritik, sondern nur ein Fakt. Er glaube nicht, dass alle Präsidenten immer zum Hörer gegriffen hätten.

Kelly kritisierte die Kongressabgeordnete, die bei einem der Anrufe Trumps bei einer Soldatenwitwe anwesend gewesen war und daraus zitiert hatte. Es sei absolut verblüffend, dass sie bei einem solchen Gespräch zugehört habe: "Ich dachte, wenigstens das sei noch heilig."

Mattis warnt vor Spekulationen

Bei diesem Anruf Trumps ging es um einen von vier Soldaten, die am 4. Oktober bei einem Angriff in Niger getötet worden waren. Ihre Militärpatrouille war rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Niamey nahe der Grenze zu Mali in einen Hinterhalt geraten. Zu dem Vorfall gibt es noch viele offene Fragen, so wurde einer der getöteten Soldaten erst nach zwei Tagen gefunden.

Der republikanische Senator John McCain zeigte sich in den vergangenen Tagen zunehmend frustriert über die Informationspolitik des Weißen Hauses in dieser Sache. Er sagte, der Verteidigungsausschuss des Senats werde möglicherweise eine eigene Untersuchung einleiten. McCain ist Vorsitzender des Gremiums.

Der Tod der Soldaten werde untersucht, sagte nun Verteidigungsminister James Mattis. Er warnte vor Spekulationen: "Wir haben noch nicht alle genauen Informationen dazu. Wir werden sie rasch veröffentlichen, sobald wir sie haben."

aar/dpa

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Harald Schmitt 20.10.2017
1. Er hat nichts dementiert
Warum auch sollte der Präsident persönlich bei jeder Familie eines gefallenen Soldaten anrufen, bei Trumps derzeitiger poliik hätter er dann bald einen Vollzeitjob. Er hat nicht dementiert, dass Trump das gesagt hat, was ihm die Abgeordnete vorwirft und die hat sich ja auch erst nach Trumps Ausfällen gemeldet. Was ist daran verwerflich mitzuhören, wenn die Witwe auf dem Weg zur Abholung ihres gefallenen Mannes BEistand möchte und Trump gerade in diesem Moment üder anruft und die Frau die Freisprecheinrichtung benutzt. Schliesslich war ja auch die Mutter des gefallenen Soldaten auch mit im Auto. Soll die Abgeordnete sich die Ohren zuhalten oder aus dem Auto spingen?! Wenn Trump tatsächlich so unsensibel ist aber andere vorherige Präsidenten runtermacht gehört es dazu. Vielleicht hatte es ja auch was damit zu tun weil der Soldat schwarz war, ist ja nicht Trumps Lieblingsfarbe. Trump hat ja auch ein besonderes Gespür kein einziges Fettnäpfchen auszulassen.
Papazaca 20.10.2017
2. Kelly muß solidarisch sein. Nur wie lange noch?
Bei seinem Job als Stabschef im Weißen Haus muß Kelly zu Trump halten. Aber nach seiner Körpersprache und Mimik zu urteilen wird das nicht für immer gelten. Da die Dinge für Trump ja nicht gut laufen und er die Schuld immer bei den anderen sucht, ist es nicht sicher, das Kelly bis zum Ende von Trumps Amtszeit im Weißen Haus sein wird. Nur wie lange Trump im Weißen Haus sein wird weiß ja auch niemand, selbst Trump nicht. Eines zeigt Trump: Alle Reality-Serien über das Weiße Haus hat er locker übertroffen. Und wir kennen ja nur einen kleinen Teil dessen, was wirklich im Weißen Haus passiert.
merlin 2 20.10.2017
3. Blind auf dem ei(ge)nen Auge?
Es ist eigentlich nur noch verstörend, wie wenig rational die Amerikaner im Umgang mit ihrem Präsidenten sind. Da läuft einer durch die Welt - es hat ja leider nicht nur Auswirkungen auf die USA - und zerstört mit Pöbeleien und Aggressionen vorher funktionierende global relevante Beziehungen jeglicher Couleur und alle schauen nur zu. Da erwarte ich umgehende Korrekturen, sonst wird das ganz am Ende auch wirtschaftliche Konsequenzen haben - haben müssen. So jedenfalls kann man mit den Amis nicht mehr gut zusammenarbeiten.
fvaderno 20.10.2017
4. Jeder Tag dieses Präsidenten im Amt
ist ein Tag zu viel! Er hat vermutlich in seiner Kindheit kein Mitgefühl mit anderen Menschen gelernt. Soziales Lernen nennt man das, was ihm fehlt. Er hat sicher gewisse Fähigkeiten bewiesen im Vermehren seines persönlichen Reichtums und im Manipulieren durch Medien. Dies hat leider gereicht um ihn in dieses Amt zu hieven.
geotie 20.10.2017
5.
Zitat von fvadernoist ein Tag zu viel! Er hat vermutlich in seiner Kindheit kein Mitgefühl mit anderen Menschen gelernt. Soziales Lernen nennt man das, was ihm fehlt. Er hat sicher gewisse Fähigkeiten bewiesen im Vermehren seines persönlichen Reichtums und im Manipulieren durch Medien. Dies hat leider gereicht um ihn in dieses Amt zu hieven.
Da ist eine Person, die den Trump noch verteidigt. Trump hat natürlich die vorherigen Präsidenten alle herunter gemacht, er selbst hat sich aber auch lustig über andere Verluste gemacht und selbst das Telefon hier nicht richtig hinbekommen. Was den wohl wurmen wird, ist doch die Tatsache das sein Vorgänger, ein Farbiger(!), es besser hingekriegt hatte. Das manipulieren der Medien scheint jedoch nicht mehr so zu laufen, sonst würde er sich nicht über 'fake news' aufregen. PS. Er ist deshalb nicht absolut Pleite, weil die Banken sich entscheiden mussten zwischen einen Totalverlust mit all seinen Schulden oder doch noch etwas vom Kuchen, wie groß der auch sein mag, zu bekommen. Die Firma, bei der ich gearbeitet habe, hat auch damit gedroht, entweder Schuldenerlass oder Firma dicht und alle Arbeiter, die noch Schulden bei der Bank haben, können die Schulden nicht bezahlen.
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