Kampf gegen IS Kerry deutet Kooperation mit Russland an

Der gemeinsame Feind IS könnte die USA und Russland wieder näher zusammenrücken lassen. "Wir haben die gleichen Ziele", sagt der amerikanische Außenminister Kerry. Ein Streitpunkt ist aber die Zukunft von Syriens Machthaber Baschar al-Assad.

US-Außenminister John Kerry: "Der IS muss zerstört, komplett gestoppt werden"
AP

US-Außenminister John Kerry: "Der IS muss zerstört, komplett gestoppt werden"


Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" wollen die USA und Russland offenbar kooperieren. "Würden wir die Hilfe Russlands im Kampf gegen den IS willkommen heißen - ganz offenkundig", sagte Kerry nach Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond in London. Tags zuvor hatten bereits die Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Ashton Carter ausführlich miteinander telefoniert.

"Wir haben die gleichen Ziele", sagte Kerry dem britischen Fernsehsender Channel 4. "Der IS muss zerstört, komplett gestoppt werden." Gemeinsame Gespräche mit Russland seien notwendig, um die militärischen Operationen gegen den IS, etwa in Syrien, zu koordinieren.

Kerry kündigte an, die USA würden ihre Bemühungen im Kampf gegen den IS verstärken. "Und wir müssen sicherstellen, dass diese sich nicht überschneiden mit Russlands Bemühungen - es ist also offensichtlich, dass Konversation notwendig ist." Es gebe schon eine ganze Zeit lag Gespräche über die Zusammenarbeit mit Russland. Moskau hatte zuletzt den Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht mehr völlig ausgeschlossen, sollte Syrien darum bitten.

Was soll mit Assad passieren?

Es bleibe jedoch zwischen beiden Ländern die Frage offen, wie die Zukunft von Syriens Machthaber Baschar al-Assad aussehe, sagte Kerry. Russland und Iran gehören zu den letzten Verbündeten des Assad-Regimes. Russland geht davon aus, dass die reguläre syrische Armee für den Kampf gegen den "Islamischen Staat" unersetzlich ist und Assad das Land vor dem völligen Zerfall bewahrt. Für die USA ist Assad dagegen Teil des Problems und nicht der Lösung. Sie sehen für ihn keinen Platz im künftigen Syrien.

Kerry forderte nun erneut Assads Abgang, ließ aber einen Zeitpunkt dafür offen. Das muss nicht in einem Tag oder in einem Monat passieren", sagte er - und rief Russland und Iran auf, ihren Einfluss auf den syrischen Präsidenten geltend zu machen, um ihn von Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts zu überzeugen. Im syrischen Bürgerkrieg sind 250.000 Menschen getötet worden, etwa zwölf Millionen sind auf der Flucht.

Russland hatte in den vergangenen Tagen seine Präsenz in Syrien massiv ausgebaut und den USA Gespräche zur militärischen Strategie vorgeschlagen. Die US-Regierung ging am Freitag darauf ein, als die Verteidigungsminister beider Länder miteinander telefonierten. Am Sonntag wird Kerry in Berlin erwartet.

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Satellitenfotos: Russland baut Militärpräsenz aus
Hammond erklärte, die Situation in Syrien werde immer komplizierter - auch durch Russlands zunehmendes militärisches Eingreifen in den Konflikt. Großbritannien halte sich weiter die Option offen, in Syrien wie bereits im Irak auch militärisch gegen den IS vorzugehen. Allerdings sei dies Teil eines größeren und komplexeren Problems: "der Migrationsdruck, die humanitäre Krise, genauso wie die Notwendigkeit, den IS zu besiegen", sagte Hammond.

Islamistische Rebellen haben unterdessen 56 syrische Soldaten getötet, die sie bei der Eroberung eines Militärflughafens im Nordwesten des Landes gefangen genommen hatten. Die Kämpfer des Assad-Regimes seien in den vergangenen Tagen an der ehemaligen Armeebasis Abu al-Dhuhur in der Provinz Idlib getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Rebellen, geführt von der Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida, hatten die letzte Hochburg der Regierung in der Provinz am 9. September eingenommen und nach Berichten der Menschenrechtler seitdem insgesamt 71 Soldaten getötet.

SPIEGEL ONLINE

wit/dpa/Reuters

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insgesamt 73 Beiträge
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klaus64 19.09.2015
1. Hoffentlich siegt die Vernunft
Den USA sollte doch klar sein, das die Entfernung eines Staatsoberhauptes - welcher Richtung auch immer - zumindest in Nahost den Bewohnern der Region nicht hilft. Beispiele gibt es ja nun schon genug. Eine Vorstellung, die IS, Assadregime und vielleicht auch noch die Kurden gleichzeitig zu besiegen, muss man wohl in Washington und auch Ankara falle lassen.
sevastianos 19.09.2015
2. Wo bleibt die Wahrheit ?
Also, die USA und der Westen ( was damit auch gemeint sein sollte ), wollen Assad nicht haben ! Halten wir mal die Fakten fest: Die Opposition, die zu den Waffen gegriffen hat um gegen Assad vorzugehen sind genau diejenigen die auch die Vertreibung und Ermordung von Christen, Alawiden und nicht Sunniten verantwortlich sind. Während Assad die Christen beschützt, wie auch die Alawiden und andere Minderheiten - ist er der Bösewicht und all die anderen die Guten. Zugleich wird Europa von genau diesen Sunniten heimgesucht die in Ihrer Heimat den mordenden Mopp, wenn auch stillschweigend geduldet hat. Israel möchte Assad weg haben, da dieser von der Hisbollah unterstützt wird, um frei Fahrt für einen eventuellen Luftschlag gegen den Iran zu haben. Erdogan möchte Assad weg haben weil er Alawid ist. Welches Interesse hat Europa an Syrien ? Demokratie- Menschenrechte, was ? Sieht der syrische Frühling etwa so aus wie der in Libyen, Sudan, Ägypten, Jemen, Pakistan, Afghanistan, Irak ? Während der Westen Regionen destabilisiert und seine Machtbar liquidiert steht eine Flüchtlingswelle bevor, die wir so noch nie erlebt haben! Und wir, was machen wir ?Wir machen genau da weiter wo wir aufgehört haben.
ficino 19.09.2015
3. Das ist ja wenigstens schon mal ein Schritt,
der richtungsweisend sein könnte. Wenn die Amerikaner jetzt noch erklären könnten, wer denn ihrer Meinung nach Syrien nach Assad stabil regieren kann, ohne die gleichen Verhältnisse wie im Irak oder in Libyen zu erzeugen, nämlich Chaos, dann glaube ich wieder an den Weihnachtsmann. O-Ton eines arabischen Insiders, der bestimmt kein Assad-Anhänger ist: " Die syrische Opposition ist noch nicht einmal in der Lage, einen Hund sicher über die Straße zu führen ... ". Das Chaos in Syrien wird noch lange, lange nicht zu Ende sein ...
fleischwurstfachvorleger 19.09.2015
4. Marionettenherrschaft
Also die weise Politik der USA nach Gadaffi und Sadam Hussein ging ja nicht ganz so wie gedacht auf. Oder doch? Jedenfalls waren beide Staaten, in denen es sich ganz gut und friedlich leben lies, danach dem Chaos, Bomben und Tod ausgesetzt. Was soll nach Assad also besser werden? Die USA haben es jetzt bereits mehrmals verkackt und Europa darf die Suppe auslöffeln, die die USA uns in Syrien eingebrockt haben und hier hat insbesondere Deutschland die Arschkarte gezogen. Also bitte liebe Amerikaner lasst doch einfach mal den Assad in Ruhe und kümmert Euch um Euren eigenen Mist. Wie wäre es denn, wenn Ihr Euch mal um Eure Rassenunruhen kümmern würdet. Danke.
motzemichel 19.09.2015
5. Endlich!
Warum erst jetzt, warum erst wenn sich diese Terrororganisation IS schon so festgesetzt hat? Bleibt zu hoffen, dass die noch nicht zu stark geworden sind und sich die USA und Russland tatsächlich zusammenreißen können und gemeinsame Sache machen! Vielleicht entsteht daraus ja mal so etwas wie eine Annäherung der USA und Russland. Ein gemeinsamer Feind war ja schon oft der Anlass zu Annäherung.
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