Ägypten US-Außenminister Kerry rechtfertigt Putsch gegen Mursi

John Kerry verteidigt den Militärputsch gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Die Armee habe im Sinne des Volkes gehandelt und die Demokratie wiederhergestellt, sagte der US-Außenminister. Die Muslimbrüder sind empört.

Demonstration gegen Mursi in Kairo (Archivbild): Kerry legitimiert Putsch
AP/ dpa

Demonstration gegen Mursi in Kairo (Archivbild): Kerry legitimiert Putsch


Washington/Islamabad - Die US-Regierung hält die Absetzung des gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi für legitim. "Letztlich wurde dadurch die Demokratie wiederhergestellt", sagte US-Außenminister Kerry am Rande seines Besuchs in Pakistan.

Ägyptens Armee habe im Sinne des Volkes gehandelt. "Das Militär wurde von Millionen und Abermillionen Menschen zum Einschreiten gebeten, die allesamt Angst davor hatten, in Chaos und Gewalt abzugleiten", sagte Kerry dem Fernsehsender Geo. Zugleich äußerte er sich sehr besorgt über das gewaltsame Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen demonstrierende Anhänger der Muslimbrüder. Er stehe in Kontakt mit allen beteiligten Kräften in Ägypten und habe "klargemacht, dass so etwas absolut nicht hinnehmbar ist und nicht passieren darf".

Kerrys Äußerungen sind deshalb besonders bemerkenswert, weil sie darauf hindeuten, dass die US-Regierung den Sturz Mursis offenbar nicht als Militärputsch betrachtet. Wäre dies der Fall, müsste sie die Militärhilfe für Kairo gemäß geltendem US-Recht einfrieren. Pro Jahr überweist das Pentagon 1,3 Milliarden Dollar an Ägyptens Armee. Die Amerikaner sind damit der wichtigste Partner der Streitkräfte von Oberbefehlshaber Abd al-Fattah al-Sisi.

Kerry äußert sich abwartend zur Perspektive des bevölkerungsreichsten arabischen Landes. "Die Geschichte Ägyptens ist noch nicht zu Ende, deshalb müssen wir sehen, wie sich das Ganze in den kommenden Tagen entwickelt."

Die Muslimbrüder reagierten entsetzt: "Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist", erklärte der Sprecher der Islamistenbewegung, Gihad al-Haddad, am Freitag in Kairo. Er forderte die US-Bevölkerung auf, sich gegen eine Regierung zu erheben, "die ihre Werte verrät, indem sie Tyrannei und Diktatur unterstützt".

Die Übergangsregierung in Kairo hat die Räumung des Protestlagers abgeordnet, das Mursis Anhänger im Stadtteil Nasr City errichtet haben. Die Muslimbrüder weigern sich jedoch, das Feld zu räumen, und fordern weiter die Rückkehr Mursis ins Präsidentenamt. Seit dessen Sturz am 3. Juli haben Sicherheitskräfte bei der Niederschlagung von Protesten in Ägypten etwa 250 seiner Anhänger getötet.

syd/AFP

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