Umstrittenes Luftabwehrsystem Kerry wirft China Militarisierung im Südchinesischen Meer vor

China hat offenbar auf einer umstrittenen Insel im Südchinesischen Meer ein Luftabwehrsystem stationiert. US-Außenminister Kerry wirft Peking nun vor, an einer Militarisierung der Region zu arbeiten.

  Satellitenaufnahme von Baumaßnahmen auf Woody Island: Was plant Peking im Südchinesischen Meer?
AP/ ImageSat International N.V.

Satellitenaufnahme von Baumaßnahmen auf Woody Island: Was plant Peking im Südchinesischen Meer?


US-Außenminister John Kerry will ein "sehr ernstes Gespräch" mit Peking führen: Washington sei "äußerst besorgt", dass China offenbar auf der Insel Woody Island im Südchinesischen Meer ein modernes Raketensystem und eine Radaranlage stationiere. Es sei ein "ernstes Problem", dass es jeden Tag Erkenntnisse über eine zunehmende Militarisierung der Region gebe, sagte Kerry nach Angaben der BBC.

Zuerst hatte Fox News darüber berichtet und sich dabei auf Satellitenaufnahmen der zivilen Firma ImageSat International berufen. Die Bilder liegen dem US-Sender eigenen Angaben zufolge exklusiv vor. Die Raketen sind dem Bericht zufolge in den vergangenen Tagen auf der Insel eingetroffen. Ein US-Regierungsvertreter habe die Exaktheit der Aufnahmen bestätigt. Demnach zeigten die Bilder offenbar das HQ-9-Luftabwehrsystem. Dieses habe eine Reichweite von 200 Kilometern und könne eine Bedrohung für zivile wie militärische Flugzeuge darstellen.

Kerry sagte, beim letzten Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington habe dieser zugesichert, dass es keine Militarisierung seitens China im Südchinesischen Meer geben werde. "Aber wir bekommen jeden Tag neue Hinweise, dass es eine zunehmende Militarisierung gibt."

Im Südchinesischen Meer gibt es seit längerem einen Territorialstreit. Woody Island gehört zur Paracel-Inselgruppe, die seit über 40 Jahren unter Kontrolle Chinas steht, aber auch von Taiwan und Vietnam beansprucht wird.

Im Südchinesischen Meer werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. China beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratmeter großen Gebietes für sich. Darunter sind auch Inseln und Riffe, die mehr als tausend Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegen. An den Spratly-Inseln schüttet China Korallenriffe zu künstlichen Inseln auf. Washington glaubt, dass Peking damit große Teile des Meeres unter seine militärische Kontrolle bringen will.

Chinas Außenminister Wang Yi bezeichnete die Berichte dagegen als erfunden: Westliche Medien hätten sie sich als "Hype" ausgedacht, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters ihn. China habe aber ohnehin das Recht zu einer "begrenzten und notwendigen Selbstverteidigung von Einrichtungen" auf den Inseln.

Südchinesisches Meer: Umstrittene Landgewinnung
SPIEGEL ONLINE

Südchinesisches Meer: Umstrittene Landgewinnung

als/Reuters/AP

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