John McCains Tod Was passiert mit seinem Sitz im Senat?  

Durch John McCains Tod wird ein Platz im Senat frei. Als Nachfolger kommen infrage: eine beinharte Trump-Anhängerin, ein ehemaliger Senator - und McCains Ehefrau Cindy.

John McCain im Juli 2017
REYNOLDS/EPA/REX/Shutterstock

John McCain im Juli 2017


John McCain galt in seiner Partei als Querdenker und differenzierter Vermittler zwischen Parteifronten, die sich zunehmend verhärteten - noch im vergangenen Jahr sprach sich der Republikaner einerseits für die Steuerreform von Donald Trump aus, stimmte aber andererseits im US-Senat entschieden gegen die Abschaffung von Obamacare.

Was geschieht nun, da McCain im Alter von 81 Jahren verstorben ist, mit seinem Platz im US-Senat?

Im Frühjahr, als McCains Gesundheitszustand sich zusehends verschlechterte, hatten Republikaner befürchtet, den Sitz bei den Zwischenwahlen gegen einen demokratischen Kandidaten verteidigen zu müssen - in der 100-köpfigen Kammer besitzen die Konservativen nur eine dünne Mehrheit, die durch McCains Tod von 51 zu 49 auf 50 zu 49 gesunken ist.

Dazu wird es aber offenbar nicht kommen: Die Bewerberfrist für Kandidaten bei den Vorwahlen in Arizona lief am 30. Mai ab, zu diesem Zeitpunkt war McCains Sitz noch durch ihn besetzt. Das Landesgesetz schreibe nicht vor, dass Wahlen für einen freien Sitz im Senat noch in diesem Jahr stattfinden würden, sagte ein Vertreter des zuständigen Ministeriums in Arizona dem Magazin "Time".

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John McCain: Kriegsheld, Senator, Anti-Trump

Stattdessen wird der republikanische Gouverneur von Arizona Doug Ducey - so sehen es das Landesgesetz von Arizona und die National Conference of State Legislatures vor - voraussichtlich einen Ersatz für McCain berufen, der seinen Platz zum regulären Ablaufen seiner Amtszeit 2020 einnehmen könnte. Dabei muss Ducey einen Vertreter benennen, der genau wie McCain Republikaner ist. Der Ersatz könnte der Partei theoretisch sogar bei wichtigen Abstimmungen helfen, denn McCain war in diesem Jahr zu krank, um noch seine Stimme abzugeben.

Wer aber wird eingesetzt - und wird es sich um einen gemäßigten Republikaner handeln oder um einen beinharten Trump-Anhänger? Bislang scheinen noch viele Optionen offen.

Bereits im April hatte sich eine Diskussion um McCains Nachfolge entzündet, wenn auch nicht in der breiten Öffentlichkeit. Damals hatte die "Washington Post" unter Berufung auf einen Berater der Partei berichtet, dass unter anderem der Politiker David Schweikert, der für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt, möglicher Anwärter für den Sitz sei. Aber auch der frühere Senator Jon Kyl und McCains Frau Cindy seien im Gespräch. Dass Frauen verstorbener Senatsmitglieder den Platz ihrer Männer einnehmen, ist keine Neuheit in der US-Politik.

"Wir stehen alle in seiner Schuld"

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Gouverneur Doucey hatte im Dezember in einem Interview gesagt, er würde niemanden erwägen, der sich vorzeitig für den Sitz bewerbe: "Die Politiker, die schon jetzt offen für sich selbst werben, haben sich im Wesentlichen disqualifiziert, indem sie ihren wahren Charakter gezeigt haben." Im selben Gespräch gab er an, sich selbst nicht benennen zu wollen. Doucey muss seinen Posten im November ebenfalls verteidigen.

Verkompliziert wird die Frage nach der Nachfolge, weil auch Arizonas zweiter Senator - der scharfe Trump-Kritiker Jeff Flake - angekündigt hat, bei der Senatswahl im November nicht wieder anzutreten. Um den Sitz des Republikaners konkurrieren am Dienstag bei den Vorwahlen in Arizona unter anderem Martha McSally, die für den gemäßigten Flügel der Republikaner steht - und die Trump-Anhängerin Kelli Ward, die 2016 bei den Vorwahlen gegen McCain verlor.

Es besteht die Möglichkeit, dass Doucey der Verliererin der Vorwahlen McCains Sitz übergibt. Somit könnten bald theoretisch beide Frauen im Senat sitzen.

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insgesamt 17 Beiträge
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isi-dor 26.08.2018
1. Was hätte wohl McCain gewollt?
In solchen Fällen sollte man den Willen des rechtmäßig gewählten Verstorbenen berücksichtigen, anstatt ein falsches Spiel zu spielen. McCain hätte sicher keinen Trump-Schergen an seinem Platz gewollt, sondern jemanden mit Respekt und Verstand. Vielleicht tatsächlich seine Frau. Das sollte dem Bürgerwillen doch wohl noch am Nächsten kommen, oder spielt der Bürgerwille keine Rolle mehr in den USA?
isi-dor 26.08.2018
2. Was hätte wohl McCain gewollt?
In solchen Fällen sollte man den Willen des rechtmäßig gewählten Verstorbenen berücksichtigen, anstatt ein falsches Spiel zu spielen. McCain hätte sicher keinen Trump-Schergen an seinem Platz gewollt, sondern jemanden mit Respekt und Verstand. Vielleicht tatsächlich seine Frau. Das sollte dem Bürgerwillen doch wohl noch am Nächsten kommen, oder spielt der Bürgerwille keine Rolle mehr in den USA?
jowitt 26.08.2018
3. @isi-dor Heute, 19:25
Zitat von isi-dorIn solchen Fällen sollte man den Willen des rechtmäßig gewählten Verstorbenen berücksichtigen, anstatt ein falsches Spiel zu spielen. McCain hätte sicher keinen Trump-Schergen an seinem Platz gewollt, sondern jemanden mit Respekt und Verstand. Vielleicht tatsächlich seine Frau. Das sollte dem Bürgerwillen doch wohl noch am Nächsten kommen, oder spielt der Bürgerwille keine Rolle mehr in den USA?
"Das sollte dem Bürgerwillen doch wohl noch am Nächsten kommen, ..." Was bitte ist denn "der Bürgerwille"? So etwas gibt es doch gar nicht. Jeder Bürger sollte und wird wohl seinen eigenen Willen haben, oder? Sie können da demokratisch wählen lassen. Aber selbst das Ergebnis dürfte dann nicht "der Bürgerwille" sein, sondern nur eine demokratisch legitimierte Entscheidung.
fixik 26.08.2018
4.
Zitat von isi-dorIn solchen Fällen sollte man den Willen des rechtmäßig gewählten Verstorbenen berücksichtigen, anstatt ein falsches Spiel zu spielen. McCain hätte sicher keinen Trump-Schergen an seinem Platz gewollt, sondern jemanden mit Respekt und Verstand. Vielleicht tatsächlich seine Frau. Das sollte dem Bürgerwillen doch wohl noch am Nächsten kommen, oder spielt der Bürgerwille keine Rolle mehr in den USA?
Wie in der Monarchie? Amtsinhaber wählt seinen Nachfoger. Normal den Sohn, sie wollen hier die Frau einsetzen. Also ich finde diese Idee ist so ziemlich daneben. Der Wille von McCain sollte hier absolut keine Rolle spielen. Es wäre auch kein Bürgerwille. Wenn es dumm läuft, dann haben wir eine Trump-Anhängerin. Dann ist das so. Immer noch besser als Monarchie.
gandhiforever 26.08.2018
5. Kelli Ward
Es waere ein Witz, sollte Kelli Ward am Dienstag unterliegen, um dann vom Gouverneur auf McCains Senatorensitz gehievt zu werden. Die Frau ist 200%ige Trumpistin, eine Aerztin (!), die so bloed is, auf Twitter zu verkuenden, McCains Tod sei so inszeniert worden, um ihre Wahlkampftournee zu beeinflussen.
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