Trauerrede des Ex-Vizepräsidenten Biden würdigt McCain als "Giganten"

"Mein Name ist Joe Biden. Ich bin ein Demokrat. Und ich liebe John McCain": Mit einer bewegenden Ansprache hat sich der ehemalige Vizepräsident der USA von seinem verstorbenen Freund und Parteirivalen verabschiedet.

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Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden hat den verstorbenen Senator John McCain in einer emotionalen Rede gewürdigt. "John war ein Held", sagte Biden in einer Kirche in Phoenix im Bundesstaat Arizona. "Er gab Amerikanern Vertrauen." Charakter, Mut, Ehre, Integrität und Optimismus hätten McCain ausgezeichnet. "Er konnte den Missbrauch von Macht nicht ausstehen. Wo immer er ihn sah, in welcher Form, in welchem Land auch immer."

Seine Rede begann Biden mit den Worten: "Mein Name ist Joe Biden. Ich bin ein Demokrat. Und ich liebe John McCain." McCain sei für ihn wie ein Bruder gewesen, ihre Verbundenheit habe gegenüber politischen Differenzen überwogen. Biden sagte auch, McCain sei ein "Gigant" gewesen, der die Nation inspiriert habe. Biden kamen bei seiner Ansprache mehrfach Tränen.

Der Demokrat Biden - der lange Zeit gemeinsam mit dem Republikaner McCain im US-Senat saß - bedauerte, dass die Suche nach politischem Konsens in den Hintergrund gerückt sei. "Alles, was wir heute machen, ist, die Opposition in beiden Parteien anzugreifen, ihre Motive, nicht den Inhalt ihrer Argumente", sagte er. "John verstand, dass Amerika vor allem eine Idee war. Verwegen und riskant. Organisiert nicht um Stämme herum, sondern um Ideale."

McCains politisches Wirken werde über dessen Tod hinweg großen Einfluss haben, sagte Biden. "Johns Vermächtnis wird Generationen von Anführern inspirieren und herausfordern. John McCains Einfluss in Amerika ist nicht vorbei."

Biden kam auch auf den Tod seines eigenen Sohnes zu sprechen: Beau Biden war 2015 an den Folgen eines Hirntumors gestorben. Es gebe Zeiten, da sei das Leben so grausam und der Schmerz blende so sehr, dass man kaum noch etwas anderes wahrnehmen könne, sagte Biden. "Um zu überleben, müssen wir uns daran erinnern, wie sie gelebt haben - nicht, wie sie gestorben sind."

An der Trauerfeier vom Donnerstag nahmen rund zwei Dutzend Senatoren beider Parteien teil sowie McCains Kinder und seine Frau Cindy.

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Joe Biden: "Ich liebe John McCain"

Der einflussreiche Senator und scharfe Kritiker von Präsident Donald Trump war am vergangenen Samstag im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. Er gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats.

Bereits am Mittwoch hatten Tausende Trauernde in Phoenix Abschied von McCain genommen. Mit dem Gottesdienst am Donnerstag endeten die Trauerfeierlichkeiten in McCains Heimatstaat Arizona. Am Nachmittag hob eine Regierungsmaschine mit dem Sarg von Phoenix in Richtung der US-Hauptstadt Washington ab. Am Freitag soll er dort im Kapitol aufgebahrt werden. Wie schon in Phoenix werden auch dort Bürger die Möglichkeit haben, sich von McCain zu verabschieden.

Am Samstag findet eine Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington statt. Dort sollen unter anderem die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush Ansprachen halten. Aus Deutschland wird unter anderem Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erwartet. Am Sonntag soll der Kriegsveteran McCain auf dem Gelände der Marineakademie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt werden.

aar/dpa/AFP

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