Obamas Erzfeind McCain Die Rache der Bulldogge

John McCain wollte US-Präsident werden - diesen Traum zerstörte Barack Obama 2008. Seitdem sinnt der Republikaner auf Vergeltung. Nun, mit dem Durchmarsch bei den Kongresswahlen, ist seine Zeit gekommen.

AFP

Von , New York


Es war seine letzte Chance. Die letzte TV-Debatte, die letzte Gelegenheit, all die Widrigkeiten vergessen zu machen - die verflixte Popularität des Gegners, die politisch lästige Finanzkrise, der peinliche Absturz seiner Vizekandidatin Sarah Palin.

Hofstra University, Long Island, 16. Oktober 2008: John McCain, Hoffnungsträger der US-Republikaner, und Barack Obama saßen sich grimmig auf einer Bühne gegenüber. Beide wollten Präsident werden. Über ihnen schwebte Amerikas Wappenvogel, ein Adler aus Pappe.

Doch auch dieses Duell konnte McCain nicht mehr helfen, obwohl er Obama aggressiver anging denn je: 19 Tage später verlor McCain die Wahl - niederschmetternd deutlich.

Seitdem macht er dem Mann, der ihm seinen Traum raubte, im Senat das Leben schwer. Doch erst jetzt, mit dem Durchmarsch der Republikaner bei den US-Kongresswahlen, ist seine Zeit gekommen. Zeit, späte Rache zu nehmen für die Schmach von 2008.

Wie so oft in Washington brauchte er für diese Rache vor allem eines: den richtigen Posten. Zwar sitzt McCain seit 1987 im Streitkräfteausschuss, dem machtvollsten des Senates - doch stets nur in zweiter Reihe.

Das wird sich im Januar ändern, wenn die Republikaner als neue Mehrheit den Ausschuss übernehmen. Der 78-jährige McCain, eines der am längsten amtierenden Kongressmitglieder, rückt ins erste Glied vor.

Obama nach Kräften piesacken

"Ich wäre so gerne Vorsitzender des Streitkräfteausschusses", sagte McCain seinem Heimatradiosender KFYI schon im Februar 2014. Kein Wunder: Der neue Posten gibt dem Vietnamveteranen nicht nur eine Bühne für seine militaristische Neigung. Er gewinnt auch wirkliche Macht - und kann Obama dann nach Kräften piesacken.

Ob Iran, Syrien, Irak, Afghanistan, Ukraine, al-Qaida oder "Islamischer Staat" (IS): Zu allen Reizthemen dieses US-Kriegszeitalters kann McCain nun Anhörungen einberufen, Generäle unter Eid vorladen, Militärhaushalte bewilligen oder blockieren. Sein Ausschuss werde "sehr aktiv sein", drohte er kurz nach den Midterm-Wahlen in der "New York Times". "Das ist das Schöne an der Mehrheit."

Obama hat als Oberkommandierender zwar das letzte Wort über Bodentruppen oder die Bewaffnung von Rebellen. Auch dürfte ihm ein republikanischer Senat die Autorisierung für den weiteren Kampf gegen den IS kaum verweigern. Selbst wenn sich Obama bisher clever um diese Genehmigung gedrückt hat, indem er sich auf die alte 9/11-Kriegsbewilligung beruft.

Doch McCain kann die öffentliche Debatte steuern und Bedingungen stellen - in typischem Ton: kompromisslos, grantig, respektlos.

"Ich kenne keinen Militärexperten, der glaubt, dass wir den IS mit der Strategie dieses Präsidenten besiegen können", sagt er zuletzt und forderte "mehr Bodentruppen, mehr Luftschläge, mehr Spezialeinsatzkräfte" - und den Rücktritt von Obamas Verteidigungsteam.

"Eine störrische Bulldogge"

McCains Nähe zum Militär ist verständlich. Als Soldat erlebte er Unfassbares, saß fünfeinhalb Jahre in nordvietnamesischer Folterhaft. Der Aufstieg des IS hat seine Forderung nach anhaltender US-Präsenz im Irak bestätigt - eine Forderung, die 2008 noch zu seiner Wahlniederlage beigetragen hatte.

Was nicht heißen soll, dass McCain das Militär bedingungslos unterstützt. Geldverschwender ärgern ihn, und von denen gibt es im Pentagon viele. Flankiert vom Republikaner Mac Thornberry, der den Streitkräfteausschuss im Repräsentantenhaus übernehmen soll, will er den traditionell nepotistischen Auftrags- und Beschaffungsprozess der Streitkräfte straffen.

Eines seiner Lieblingsbeispiele dafür ist Lockheed Martins F-35-Kampfjet, dessen Kostenexplosion er auf "Vetternwirtschaft" zurückführt. Ein weiteres ist der neue Super-Flugzeugträger U.S.S. "Gerald R. Ford", das künftig größte US-Kriegsschiff: Mit mehr als 13 Milliarden Dollar ist der Bau jetzt schon drei Milliarden Dollar teurer als geplant. "Halten Sie das etwa für normal?", herrschte McCain den damals noch designierten Vize-Verteidigungsminister Robert Work im März an.

McCain sei "eine störrische Bulldogge" und "misstraue vielen Konzernen, die mit dem Militär Geschäfte machen", sagte der Analyst Roman Schweizer von der Beratungsfirma Guggenheim Partners der Website "Politico" schon im Juni. "Ich bin sicher, dass viele nervös sind. Ich wäre es an ihrer Stelle."

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archback 17.11.2014
1.
Wieso Rache an Obama? Der Wähler hatte gesprochen und als Wahlverlierer nachzutreten ist kleinlich, schäbig und undemokratisch.
uspae2007 17.11.2014
2. Abgeschossener
Wenn er Präsident wird, versinkt die Welt im Krieg. Er möchte es doch den Russen noch heimzahlen , sie haben ja die Raketen gebaut, welche ihn abgeschossen haben, in Vietnam. Immer voran , McCain, vernichte die Welt.
dbrown 17.11.2014
3. Mr. McCain,
muß das Sain?
zauselfritz 17.11.2014
4. Oft ein schlimmer Heuchler
McCain ist ein Mann, der - Gott seis gedankt - schon sehr alt ist und die Politik wohl nicht mehr all zu lange mit seiner heuchlerischen Schizophrenie "bereichern" wird. Ich meine, dieser Mann lässt sich jetzt dafür feiern, dass er den Abzug der US-Truppen aus Irak damals (aus anderen Gründen) als Fehler bezeichnet hat - dieser Senator, der im Gegensatz zu Obama seinerzeit FÜR die Invasion des Irak gestimmt hat! Ursache und Wirkung! Auch wettert er zwar laut und häufig gegen das F-35 Beschaffungsprojekt oder diese Flugzeugträgerneubauten, Dinge und Kostenexplosionen die unter Bush so richtig Fahrt aufgenommen haben - wo war er damals mit seiner Kritik? Die einzig gute Erinnerung die ich an McCain habe, stammt aus dem Wahlkampf 2008, als bei einer Veranstaltung eine offenkundige Rassistin anfing verklausuliert über Obama wegen seines Names und seiner Herkunft herzuziehen - da ist er eingeschritten, hat ihr das Mikro weggenommen und sie gemaßregelt und all seinen Unterstützern klar gemacht, das er keinen solchen Wahlkampf führen würde. Das hat mir im Dunstkreis dieser zuweilen geistig minderbemittelten Teabagger Respekt abgenötigt, denn das dürfte einige besonders militante Wähler abgeschreckt haben.
clara-blume 17.11.2014
5. Die Rache ist mein sprach - wer.
Wo Bitteschön soll denn da die Rache sein. Präsident wird er trotzdem nicht. Und gegen den Präsidenten regieren geht auch nicht. Worum also genau geht es in dem Artikel.
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