Jordanien Demokratische Umtriebe im Königshaus

Prinz Charles wartet schon sein Leben lang, Prinz Abdallah von Jordanien erfuhr erst wenige Tage vor dem Tod seines Vaters, daß er der neue Monarch werden sollte. Am 6. Februar leistete er in Amman den Amtseid. Am Mittwoch, nach der offiziellen Trauerzeit von vier Monaten, bestieg Abdallah II. den Thron.


Amman - Jordanien umjubelte sein neues Monarchenpaar, das in einem Wagenkonvoi durch die Straßen Ammans fuhr. In der kurzen Zeit seiner Regentschaft ist es Abdallah gelungen, sein Volk von sich zu überzeugen. Der junge König hat zugesagt, die Wirtschaft zu liberalisieren und das Land behutsam zu demokratisieren.

Rania und Abdulla II. erreichen den Palast
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Rania und Abdulla II. erreichen den Palast

International reagierte man zunächst skeptisch auf den neuen Machtinhaber, der Autorennen fährt und Hubschrauber fliegt. Zwar war Abdallah der älteste Sohn König Husseins, doch im Westen war der 37jährige Berufsoffizier faktisch unbekannt. Als Thronfolger galt 34 Jahre lang sein Onkel Hassan. 1965 hatte König Hussein, auf den wiederholt Attentate verübt wurden, seinen jüngeren Bruder als Thronerbe eingesetzt, um die Politik des Landes in besonnenen Händen zu wissen, falls ihm etwas zustoße. Prinz Abdallah war damals drei Jahre alt.

Völlig überraschend machte der krebskranke Hussein diese Entscheidung Ende Dezember letzten Jahres wieder rückgängig. Er entmachtete seinen Bruder und bestimmte Abdallah als Nachfolger. Dem politisch unerfahrenen Prinzen blieb wenig Zeit, sich in seine neue Rolle einzufinden. Am 6. Februar wurde er als König vereidigt, ein Tag später der Tod seines Vaters offiziell verkündet.

Abdallah ibn Hussein, am 30. Januar 1962 als ältester Sohn Husseins aus dessen zweiter Ehe mit der Engländerin Antoinette Gardiner geboren, ist nicht in Jordanien aufgewachsen. Bereits mit vier Jahren schickte man ihn in England zur Schule, später besuchte er eine weiterführende Schule in den USA. Auch seine militärische Ausbildung absolvierte der Prinz im Ausland: In England und den USA studierte er an Militärakademien, an der Universität Oxford auch Politische Wissenschaften. Bevor er Staatschef wurde, bekleidete Abdallah in der jordanischen Armee den Rang eines Generalmajors bei einer Spezialeinheit, die für die Grenzsicherung, aber auch für den Schutz des Königshauses verantwortlich ist.

Frischgebackene Monarchen unterwegs
AP

Frischgebackene Monarchen unterwegs

Der neue König gilt als lebenslustig, charmant und ausgleichend. Daß er auch entscheidungsstark ist, bewies Abdallah bereits in den ersten Wochen seiner Regentschaft: Er setzte einen neuen Ministerpräsidenten ein, entließ mehrere einflußreiche Generäle und versöhnte sich mit den arabischen Nachbarn Syrien und Kuweit. Selbst der saudiarabische König Fahd, ein Erzfeind König Husseins, zeigte sich von dem jungen Mann angetan und ließ ihn wissen, daß die Streitigkeiten mit seinem Vater keine "Erbsünde" seien.

Zugleich stellte Abdallah aber klar, daß er die pro-westliche Politik seines Vater weiterführen wolle und eine Normalisierung mit dem Irak deshalb derzeit nicht in Frage komme. Außerdem will er die Wirtschaft liberalisieren und das Land behutsam demokratisieren. Aussagen, die besonders die USA freuen: Das weiße Haus drängt den Kongreß zur Freigabe von zusätzlichen Finanzmitteln für Jordanien.

König Abdallah hat zwei Joker, die ihm bei seiner Regentschaft helfen: Seit 1993 ist er mit der Palästinenserin Rania al-Jassin verheiratet - ein politischer Vorteil in einem Land mit 60% palästinensischer Bevölkerung. Und er wird es im Westen leicht haben: Halb Brite, und auf der Insel aufgewachsen, ist sein Englisch besser als sein klassisches Arabisch.



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