Amman - Der Druck wurde immer größer, jetzt hat sich Jordaniens König Abdullah II. Forderungen nach Reformen gebeugt. Bei einer Rede am Sonntag kündigte das Staatsoberhaupt an, künftige Kabinette sollten gewählt und gemäß einer gewählten parlamentarischen Mehrheit gebildet werden. Abdullah versprach auch weitere Verfassungsänderungen, ohne ins Detail zu gehen. Einen Zeitplan für die Änderungen nannte er nicht. Abdullah sagte, Veränderungen würden aufgrund der Empfehlungen eines nationalen Komitees umgesetzt.
Die Rede hielt Abdullah anlässlich seines zwölften Jahrestages als Jordaniens Staatsoberhaupt. Es war das erste Mal, dass der König derartige Zugeständnisse machte. Der König hat die politische Macht in dem Land - unter anderem ernennt er den Premierminister und das Kabinett. Zuvor hatten sich Jordanier für eine Einschränkung der Macht des Königs ausgesprochen.
In Jordanien kommt es seit sechs Monaten zu Demonstrationen, bei denen mehr Demokratie gefordert wird. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Die jordanische Regierung hat Demonstrationsverbote aufgehoben, gleichzeitig aber gesagt, sie brauche Zeit, um Gesetze für mehr politische Freiheit auf den Weg zu bringen.
Unter anderem fordern Demonstranten neue Parlamentswahlen, weil bei der Wahl im November ihrer Ansicht nach Betrug vorlag. Das derzeitige Parlament gilt ihnen als schwach und gefügig. Manche Aktivisten fordern sogar, der König müsse künftig eine rein symbolische Rolle einnehmen. Aber wichtige politische Kräfte wie die Muslimbruderschaft sehen im König einen "stabilisierenden Einfluss".
Anfang Februar hatte der König die Regierung ausgewechselt - für viele Beobachter ein Manöver, um einen Sündenbock zu haben und seine Stellung zu festigen.
Als Abdullah 1999 an die Macht kam, war von einer konstitutionellen Monarchie nach britischem Vorbild die Rede - doch seither verlautete zu dem Thema kaum noch etwas. Der König versprach zwar weitere Reformen, warnte aber, plötzliche Veränderungen könnten "Chaos und Unruhen" wie in anderen arabischen Ländern zur Folge haben.
ulz/dapd
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