Todesstrafe Jordanien lässt 15 Menschen hinrichten

Einer soll einen Journalisten erschossen haben, andere wurden wegen Terrorismus verurteilt: Jordanien hat bei 15 Menschen die Todesstrafe vollstreckt. Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen.

Gefängnis in Jordanien
REUTERS

Gefängnis in Jordanien


Jordanien hat Staatsmedien zufolge 15 Verurteilte hingerichtet. Unter diesen seien zehn Terroristen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Petra am Samstag unter Berufung auf die Regierung berichtete. Die Männer gehörten den Angaben nach zu einer Zelle, die für eine Reihe von Anschlägen in dem arabischen Land verantwortlich gewesen sein sollen.

Darunter fiel auch ein Anschlag auf Touristen aus dem Westen im Jahr 2006, bei dem ein Brite ums Leben kam, wie es in Justizkreisen hieß. Auch der Attentäter, der den islamkritischen Journalisten Nahed Hattar getötet hatte, wurde demnach hingerichtet.

Kritik von Menschenrechtlern

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die "im Verborgenen und ohne Transparenz" erfolgten Hinrichtungen. Das Vorgehen sei ein Rückschritt für die Anstrengungen, die Todesstrafe abzuschaffen. In Jordanien würden Geständnisse auch durch Folter erzwungen.

Das Land hatte die Todesstrafe 2006 ausgesetzt, sie 2014 mit dem Hängen von elf Personen wegen Mordes aber wieder aufgenommen. Medien zitierten damals Behördensprecher, die die Maßnahme mit dem Anstieg von Verbrechen begründeten. Die letzte Exekution fand 2015 statt.

Tod vor Gerichtsgebäude

Der Journalist Hattar wurde Ende September in der jordanischen Hauptstadt Amman außerhalb eines Gerichtsgebäudes mit drei Schüssen tödlich verletzt. Der Christ und Anti-Islamisten-Aktivist sollte an einem Prozess gegen ihn wegen Gotteslästerung teilnehmen.

Hattar hatte im Monat zuvor eine Karikatur auf seiner Facebookseite veröffentlicht, die viele Muslime als beleidigend und gotteslästerlich empfanden. Zu sehen ist ein Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat", der mit zwei Frauen im Bett liegt und Gott bittet, ihm einen Drink zu bringen. Hattar löschte die Karikatur später und beteuerte, sie würde sich über Terroristen und ihr Weltbild lustig machen.

Das Königreich Jordanien gilt als stabiles Land inmitten der Krisenherde der arabischen Welt. Trotzdem wurde es in den vergangenen Jahren auch immer wieder von Terrorakten erschüttert. Teilweise bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

jme/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.