Vergeltung für Mord an Piloten Jordanien will Militäreinsatz gegen den IS ausweiten

Die jordanische Regierung beugt sich offenbar dem öffentlichen Druck: Nach der Ermordung des Piloten Muaz al-Kasaesbeh will sie sich stärker am Kampf gegen den "Islamischen Staat" beteiligen.

Jordaniens König Abdullah II.:  "Alle Optionen diskutieren"
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Jordaniens König Abdullah II.: "Alle Optionen diskutieren"


Amman - Jordanien will den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) intensivieren. In der von den USA geführten Koalition gegen die Dschihadisten werde das Königreich seinen Beitrag erhöhen, sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Dabei würden "alle Optionen diskutiert". König Abdullah II. plane noch am Mittwoch ein Spitzentreffen mit hochrangigen Sicherheitsexperten.

Der Schritt ist offenbar eine Reaktion auf die Ermordung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh durch die Terrormiliz, die das Königshaus unter Zugzwang gesetzt hat. Die Geisel wurde offenbar bereits vor mehreren Wochen bei lebendigem Leib verbrannt, ein Video der Tat tauchte am Dienstag im Internet auf.

"Wir sprechen über gemeinsame Bemühungen zwischen Mitgliedern der Allianz, um unsere Bestrebungen zu intensivieren, Extremismus zu stoppen und Terrorismus zu untergraben", sagte der Regierungssprecher demnach weiter: "Alle staatlichen Militär- und Sicherheitsbehörden bauen ihre Möglichkeiten aus." Jordaniens Antwort werde von der ganzen Welt gehört werden.

König Abdullah II. selbst hatte sich am Dienstagabend in einer TV-Ansprache an sein Volk gewandt: "In diesen schwierigen Zeiten ist es die Pflicht aller Bürger, die Reihen zu schließen", sagte er. Welche Schritte Jordanien nun konkret plant, ist noch nicht klar.

Die Politik des Königshauses, sich an der US-geführten Koalition gegen den IS zu beteiligen, polarisiert bereits seit Längerem das Land: Viele Jordanier sehen die Konflikte in Nachbarländern nicht als ihr Problem an. Zudem gibt es in Jordanien IS-Sympathisanten, deren Wut auf das Königshaus wächst. Im vergangenen Jahr organisierten sie bereits kleine Pro-IS-Demonstrationen im Süden des Landes.

Jordanien steht wegen der Flüchtlingszahlen aus Syrien und dem Irak unter enormem Druck: Das kleine Land mit knapp sieben Millionen Einwohnern hat rund 800.000 Flüchtlinge aufgenommen, bis Ende des Jahres werden es Uno-Schätzungen zufolge eine Million sein. In den vergangenen Wochen wurde aus diesem Grund bereits öffentlich Kritik an König Abdullah II. laut - ein in Jordanien unerhörter Vorgang.

mxw/Reuters

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