Joschka Fischers neuer Beraterjob Die grüne Raupe Nimmersatt

Ex-Außenminister Joschka Fischer kümmert sich emsig ums Geldverdienen. Jüngster Streich: Ein Top-Job in der Beratungsfirma seiner ehemaligen US-Amtskollegin Madeleine Albright. Reden darüber mag Fischer nicht. Seine Geheimnistuerei schürt jedoch Argwohn.

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1101 New York Avenue gilt in Washington als Vorzeigeadresse. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young residieren hier, die Edel-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf hat hier ihr Büro und der US- Ableger der Bertelsmann-Stiftung. Die Büros des nagelneuen Glaskastens bieten Panoramablick, eine Dachterrasse lockt zum Umtrunk mit wichtigen Kunden. "Bobby Van's Grill", ein Spesenritter-Treffpunkt, liegt direkt gegenüber.

Immer häufiger nimmt ein prominenter deutscher Besucher den Aufzug in den neunten Stock des Gebäudes - zu den Büroräumen der Albright Group LLC, einer Beratungsfirma, die Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright 2001 nach ihrem Ausscheiden aus der Clinton-Regierung gegründet hat. Der Gast ist selber Ex-Außenminister: Joschka Fischer.

Ex-Außenminister Fischer: "Ich muss gar nichts sagen"
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Ex-Außenminister Fischer: "Ich muss gar nichts sagen"

Seit dem Kosovo-Krieg 1999 verbindet Albright und Fischer eine enge persönliche Beziehung. Fischer huldigte der mächtigen Amerikanerin. "Madeleine, Du bist die letzte verbleibende Supermacht", flötete er. Die gelernte Professorin war ihrerseits begeistert von der schillernden Vita des Studienabbrechers und Ex-Steinewerfers. Eine der Telefonschalten mit Fischer während des Krieges begann Albright mit dem Hinweis, sie habe gerade "den Artikel über Dich im New York Times Magazine" gesehen. Die Außenminister von Italien, Frankreich und Großbritannien mussten dem Turteln stumm zuhören.

Jetzt werden die beiden Diplomaten-Freunde Geschäftspartner. Die Albright Group gab bekannt, dass Fischer bei ihr einsteigt. Von deren Website lächelt er bereits, neben einer Kurzbiographie, die seine Unterstützung für den deutschen Militäreinsatz im Kosovo hervorhebt und Fischer als einen der einflussreichsten deutschen Grünen preist. Klangvoller neuer Jobtitel: "Senior Strategic Counsel".

"Fischer ist einer der beeindruckendsten Staatsmänner"

"Joschka Fischer ist ein alter Freund von uns und einer der beeindruckendsten Staatsmänner, die ich getroffen habe. Wir sind sehr froh, dass er an Bord ist", sagt James O'Brien, Mitgesellschafter der Beratungsgruppe. Die Albright Group bietet ihren Kunden die Expertise ehemaliger US-Kabinettsmitglieder und hochrangiger Diplomaten. Die regelten laut Erfolgsbilanz etwa: Politische Risikoeinschätzung für "Fortune 50"-Kunden zu Umwelt-, Demographie- und Handelsthemen in Ost- und Südasien. Verhandeln eines Regulierungsstreits in Asien. Erfolgreiche Hilfe beim Bieten um einen Regierungsauftrag in Osteuropa.

Dass ehemalige US-Staatsmänner beratend tätig werden, ist nichts Neues. Die Carlyle Group, globaler Anlage-Gigant, rekrutierte Ex-Präsident George Bush oder Albrights Amtsvorgänger James Baker. Außenpolitik-Legende Henry Kissinger hat seine Beratungsfirma "Kissinger Associates" zum Großunternehmen ausgebaut. Diskretion wird großgeschrieben: Als Kissinger Chef einer Kommission zur Untersuchung der Anschläge vom 11. September werden sollte, verzichtete er lieber auf den Posten, als seine Kundenliste preiszugeben.

Auch die Albright-Leute wollen über Klienten nicht reden. Wichtig ist O'Brien: "Wir betreiben keine Lobbyarbeit bei der US-Regierung." Also werde man auch Fischer nicht bitten, bei der deutschen Regierung oder der EU-Kommission vorstellig zu werden. Freilich: Generell spreche man natürlich schon mit Regierungen.

Interessant zudem: Albright, in US-Außenpolitik-Kreisen nach wie vor eine feste Größe und Beraterin des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, unterhält seit rund zwei Jahren auch die Albright Capital Management LLC. Die jongliert mit Hunderten von Millionen Dollar für Investments in "entstehenden Märkten", Ländern außerhalb der OECD. Die Finanzmanager agieren offiziell streng getrennt von der Beratungsfirma - doch residieren auf demselben Flur. Und auch Fischer dient als "Strategic Consultant" für den Finanzarm. "Bei solchen Investitionen geht es unter anderem um die Einschätzung von politischen Risiken", sagt O'Brien. Da kann Fischers Expertise helfen.

Wie viel Albright das wert ist? "Das ist eine private Abmachung", sagt die "Albright Group". Fischer dürfte aber in Deutschland steuerpflichtig bleiben. Er wird nicht nach Washington ziehen.

Er tauschte "Macht gegen Freiheit" - prunkvolle Villa inklusive

Doch nicht nur deshalb besteht er wohl auf angemessener Entlohnung. Genau wie sein Kanzler Gerhard Schröder hat sich auch Fischer gleich nach dem Machtverlust ans Geldverdienen gemacht - nur ging er dabei diskreter zu Werke. Statt in die Dienste des russischen Energieriesen Gazprom zu treten, gründete der Grüne die Joschka Fischer Consulting, die vom Souterrain seines Hauses aus die Auftritte des Ex-Ministers managt. Mal redet Fischer heute auf einem Kongress in Dubai, mal vor baden-württembergischen Sparkassenkunden.

Dafür gibt es meist ein stattliches Honorar. Dazu kommen Einnahmen aus seiner Tätigkeit als Autor. Seine Memoiren der rot-grünen Regierungszeit schreibt er in zwei Bänden, da klingelt die Kasse doppelt. Für das internationale "Project Syndicate" verfasst er eine monatliche Kolumne, die rund um die Welt in Zeitungen gedruckt wird.

Dass Fischer mehr verdienen dürfte als zu Ministerzeiten, ist mit bloßem Auge zu erkennen. Seine elegante Villa in Berlin-Grunewald würde als Residenz jedem kleineren europäischen Staat zur Ehre gereichen. Seinen 60. Geburtstag feierte Fischer standesgemäß mit 120 Gästen in einem trendig-teuren Berliner Restaurant. Über Geld sprechen mag der Grüne aber nicht. Als er 2006 sein Abgeordnetenmandat abgab, sagte er, er tausche "Macht gegen Freiheit". Rechenschaft über Finanzen, pflegt Fischer zu scherzen, sei er nur noch seinem Steuerberater schuldig.

Und so schweigt er auch zu seinem jüngsten Engagement. Kein Kommentar, keine Erklärung. Fragen Sie doch die Albright Group, so Fischers Botschaft. "Ich muss gar nichts sagen."



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