Russland: Moskaus Chefermittler soll Journalist mit Tod bedroht haben

Russlands Chefermittler soll einen Redakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" mit dem Tod bedroht haben. Das behauptet der Chefredakteur des Blattes, bei dem auch die ermordete Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Der Journalist soll aus Furcht das Land verlassen haben.

Chefermittler Bastrykin: Schwere Vorwürfe von kremlkritischer Zeitung Zur Großansicht
REUTERS

Chefermittler Bastrykin: Schwere Vorwürfe von kremlkritischer Zeitung

Moskau - Der Chefredakteur der russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" hat dem Vorsitzenden des Ermittlungskomitees vorgeworfen, einen seiner Journalisten mit dem Tod bedroht zu haben. Leibwächter von Chefermittler Alexander Bastrykin hätten den Reporter Sergej Sokolow vergangene Woche gewaltsam in ein Auto gezerrt und ihn in einen Wald gebracht, schrieb Dmitrij Muratow am Mittwoch in einem offenen Brief. Dort habe Bastrykin damit gedroht, Sokolow zu töten.

Muratow schrieb, die Männer um den Chefermittler hätten dann gar "gewitzelt, sie würden dann selbst den (Mord-)Fall untersuchen". Der bedrohte Sokolow ist laut dem offenen Brief seines Chefs wegen der Todesdrohungen ins Ausland geflohen.

Den Angaben zufolge war der Chefermittler über einen Artikel Sokolows verärgert, in dem ihm Versagen bei der Strafverfolgung einer Bande vorgeworfen wurde, die 2010 im Süden Russlands zwölf Menschen getötet haben soll. Unter den Opfern waren vier Kinder. Bastrykins Behörde wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen Muratows äußern.

"Einmaliger Vorfall"

"Dass der russische Chefermittler den Leiter unserer Investigativ-Abteilung in den Wald entführen lässt und dann bedroht, ist ein einmaliger Vorfall", sagte "Nowaja Gaseta"-Chefredakteur Dmitri Muratow der Nachrichtenagentur dpa.

Für die Zeitung "Nowaja Gaseta" arbeitete auch die 2006 in Moskau erschossene Journalistin Anna Politkowskaja. Das Blatt gehört dem Finanzinvestor Alexander Lebedew und dem letzten sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. Die Zeitung ist für ihre investigativen Berichte und ihre harte Kritik an Präsident Wladimir Putin bekannt.

Die getötete Politkowskaja gehörte zu den wenigen Journalisten, die über Menschenrechtsverstöße während des Tschetschenien-Krieges berichtete. Die Arbeit der Ermittlungsbehörden im Fall Politkowskaja wurde international scharf kritisiert, ihnen wurde ein mangelnder Aufklärungswille vorgeworfen. Bis heute sind die Drahtzieher des Mordes nicht ermittelt.

Fünf Journalisten, die vor dem Sitz des Ermittlungsausschusses in Moskau an einer Protestkundgebung teilnahmen, wurden am Mittwochnachmittag festgenommen. Bei vier von ihnen handelte es sich um Mitarbeiter des Radiosenders Moskauer Echo.

Einen Tag nach den Massenprotesten gegen Putin lud die Ermittlungsbehörde den Linskspolitiker Sergej Udalzow und den Anti-Korruptionsblogger Alexej Nawalny vor. Nach Behördenangaben ging es um die Rolle der beiden Regierungsgegner bei den gewalttätigen Protesten am 7. Mai, dem Tag von Putins Amtseinführung. Am Montag waren die Wohnungen der beiden Protestanführer durchsucht worden.

fab/dapd/AFP

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1. Er soll ?
friedland1809 13.06.2012
Zitat von sysopRusslands Chefermittler soll einen Redakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" mit dem Tod bedroht haben. Das behauptet der Chefredakteur des Blattes, bei dem auch die ermordete Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Der Journalist soll aus Furcht das Land verlassen haben. Journalist der Nowaja Gaseta soll mit Tod bedroht worden sein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838735,00.html)
Hat er nun? oder hat er nicht ?..... So ein schlimmer Mensch.....
2. Diktatur
hubertrudnick1 13.06.2012
Zitat von sysopRusslands Chefermittler soll einen Redakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" mit dem Tod bedroht haben. Das behauptet der Chefredakteur des Blattes, bei dem auch die ermordete Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Der Journalist soll aus Furcht das Land verlassen haben. Journalist der Nowaja Gaseta soll mit Tod bedroht worden sein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838735,00.html)
In einer Diktatur ist alles möglich und wer den Herrn Putin und Gefolge noch immer für einen lupenreinen Demokraten hält der macht sich nur lächerlich. In Russland und der einstigen Sowjetunion ist man noch nie behutsam mit seinen vermeintlichen Gegnern umgegangen und die jetzigen Leute haben das doch von der Pike auf gelernt, also nichts neues. Wie viele Demokraten und Journalisten mussten mussten denn nicht in der vergangenen Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihr Leben lassen? Man hat ja sogar die Verfassung so geändert, so dass der Herr Putin erneut Präsident werden konnte. HR
3.
McMacaber 13.06.2012
Zitat von hubertrudnick1Man hat ja sogar die Verfassung so geändert, so dass der Herr Putin erneut Präsident werden konnte. HR
und das geschah wie? afaik via eine demokratische abstimmung. eine schlagzeile hofiert mit konjunktiv, und nur die tatsache, daß man putin nicht leiden kann, macht sie zur realität?
4. Gewiß hat er ihn bedroht,
vantast64 14.06.2012
da er nichteinmal abstreitet, "ihn ins Auto und in einen Wald gezerrt zu haben", anstatt ihn, wie ordentliche Ermittler, auf die Wache zu bringen. Zu NKWD-Zeiten war es üblich, daß die Leute ähnlich behandelt, umgebracht oder vergewaltigt wurde, wenn es Frauen waren.
5.
martinxmartin 14.06.2012
Zitat von hubertrudnick1In einer Diktatur ist alles möglich und wer den Herrn Putin und Gefolge noch immer für einen lupenreinen Demokraten hält der macht sich nur lächerlich. Wie viele Demokraten und Journalisten mussten mussten denn nicht in der vergangenen Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihr Leben lassen? HR
knapp 300 journalisten sind es anscheinend nach dem zusammenbruch der udssr gewesen. interessant ist lediglich, wieso sich der westen erst seit putin für russische journalisten interessiert. "Zwischen 1993 und 1999 wurden in Russland gemäß einer Statistik der russischen Journalisten-Gewerkschaft 201 Journalisten ermordet. (Roland Haug zählt in seinem Buch Die Kreml AG 261 Attentate.) Seit dem Amtsantritt von Präsident Putin im März 2000 geschahen nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ bis Ende 2006 13 Morde. (Roland Haug nennt für den gleichen Zeitraum 16 Attentate.)" Medien in Russland (http://de.wikipedia.org/wiki/Medien_in_Russland#Gewalt_gegen_Journalisten)
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