Verschwundener Journalist Jamal Khashoggi Türkei bekräftigt Vorwürfe gegen Saudi-Arabien

Jamal Khashoggi betrat sein Konsulat in Istanbul - und ist seitdem verschwunden. Jetzt steht der Verdacht im Raum, der saudi-arabische Journalist sei ermordet worden. Türkische Ermittler wollen konkrete Informationen zu dem Fall haben.

Journalist Jamal Khashoggi 2015
AP

Journalist Jamal Khashoggi 2015


Türkische Behörden hätten "konkrete Informationen zum Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi" - das sagte AKP-Politiker und Erdogan-Berater Yasin Aktay, der mit Khashoggi befreundet ist. Der Publizist habe das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, das er am Dienstag wegen Dokumenten für seine anstehende Hochzeit besucht habe, "nicht auf normalem Wege verlassen". Der Fall werde nicht unaufgeklärt bleiben.

Dass die türkische Polizei davon ausgeht, dass Khashoggi bei seinem Besuch im saudi-arabischen Konsulat getötet wurde, war am Samstag bekannt geworden. Demnach sei ein Mordkommando in die Türkei gereist, das das Land noch am selben Tag wieder verlassen habe. Auch die "Washington Post" berichtete von dem Verdacht, die Zeitung berief sich auf zwei Beamte, die aber anonym blieben. Sie glaube nicht, dass er getötet worden sei, schrieb dagegen Khashoggis türkische Verlobte, Hatice C., auf Twitter.

Der 59-jährige Khashoggi war früher auch islamistischen Ideen zugeneigt, wandte sich später aber liberalen Idealen zu und hatte als ehemaliger Regierungsberater ein ambivalentes Verhältnis zum saudi-arabischen Könighaus. Er schrieb unter anderem für die "Washington Post", publizierte aber auch schon im SPIEGEL zu Repressionen unter Kronprinz Mohammed bin Salman.

Khashoggi war am Dienstag in das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul gegangen. Laut seiner Verlobten, die währenddessen draußen wartete, kam er nicht wieder heraus. Die saudi-arabischen Behörden erklärten hingegen am Donnerstag, Khashoggi sei erst nach Verlassen des Konsulats verschwunden. Aktay sagte jetzt: "Er hatte einen Termin im Konsulat, daher wussten sie, wann er da sein würde." Demnach vergewisserte sich Khashoggi vor seinem Besuch, ob die Papiere auch tatsächlich bereit seien. "Seine Freunde haben ihn gewarnt, dass es nicht sicher sei. Er sagte jedoch, in der Türkei könne ihm nichts passieren. Er vertraute darauf, dass so etwas in der Türkei unmöglich sei."

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte in einem am Freitag veröffentlichten Interview gesagt, der Journalist befinde sich nicht in dem Konsulat, die türkischen Behörden könnten sich selbst davon überzeugen. "Wir laden die türkische Regierung ein, hinzugehen und unser Anwesen zu durchsuchen", sagte er über das Konsulatsgelände. "Wir haben nichts zu verbergen." Die Regierung nannte die Vorwürfe "unbegründet".

Die britische Regierung sprach von "äußerst schweren Anschuldigungen" gegen Saudi-Arabien. Ein Sprecher des Außenministeriums in London sagte, die britische Regierung bemühe sich mit Nachdruck darum, den Sachverhalt aufzuklären. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, die Regierung in Washington könne die Angaben der türkischen Polizei nicht bestätigen, "aber wir verfolgen die Situation genau".

Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme ins US-Exil gegangen.

eth/Reuters/AFP



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