Amman - Es waren lange Stunden der Ungewissheit. Ist der verletzten französischen Journalistin Edith Bouvier die Flucht gelungen? Konnte sie gemeinsam mit dem britischen Fotografen Paul Conroy auch in den Libanon gebracht werden? Conroys Evakuierung war schon früh am Dienstagmorgen bekannt gegeben worden - doch der Verbleib Bouviers blieb rätselhaft. Bis zum späten Nachmittag. Dann endlich bestätigte der französische Präsident Nicolas Sarkozy, die Reporterin sei in Beirut, wie Conroy. Dem Nachrichtensender BFM sagte er, die Französin sei in den Libanon geschmuggelt worden. "Ich bin heilfroh, dass dieser Alptraum endet. Das waren wirklich keine einfachen Verhandlungen." Die Journalistin habe mehrere Knochenbrüche erlitten.
Ein Vertreter der libanesischen Botschaft erklärte, Bouvier und Conroy seien in der Nacht "gesund und wohlbehalten" angekommen. Conroy befinde sich in der britischen Botschaft und sei in guter Verfassung, sagte er. Über Bouviers Aufenthaltsort lagen ihm keine Informationen vor.
Damit sind die beiden verletzten Journalisten in Sicherheit. Ihre beiden Kollegen, der "El Mundo"-Korrespondent Javier Espinosa und der französische Fotograf William Daniels, harren offenbar noch in Homs aus.
Monica García Prieto, Lebensgefährtin des Spaniers Espinosa, hatte am Vormittag noch per Twitter mitgeteilt, dass insgesamt drei Reporter nach wie vor im besonders umkämpften Stadtteil Baba Amr seien. Die Offensive dort gehe ungehindert weiter. Homs erlebt die vierte Woche einer lang anhaltenden Offensive der Kämpfer des Assad-Regimes.
Für die Rettung Paul Conroys erklärt sich die Organisation Avaaz verantwortlich. Sie versteht sich als globales Aktivistennetzwerk. In den vergangenen Monaten machte sich Avaaz zur Aufgabe, die syrischen Aufständischen zu unterstützen. Dazu gehörte auch, ausländische Journalisten in das abgeschottete Land zu schmuggeln.
Jede Nacht ein Fluchtversuch
Dem Vernehmen nach hatten Avaaz-Mitglieder in der vergangenen Woche jede Nacht versucht, die eingeschlossenen Journalisten aus Homs herauszulotsen und in den nur etwa 30 Kilometer entfernten Libanon in Sicherheit zu bringen. Dabei sind die Reporter und ihre örtlichen Führer offenbar wiederholt unter Feuer geraten. Drei syrische Aktivisten seien bei dem Versuch, den Journalisten zur Flucht zu verhelfen, von einem Geschoss getroffen und getötet worden, erläuterte Avaaz-Chef Ricken Patel.
Vergangenen Mittwoch war das Versteck der Gruppe ausländischer Journalisten im Homser Stadtteil Baba Amr unter Raketenbeschuss geraten. Die US-amerikanische Reporterin Marie Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik wurden dabei getötet. Die Französin Bouvier, die für "Le Figaro" vor Ort war, erlitt schwere Verletzungen am Bein. Auch der Brite Conroy wurde verwundet. Allein der Spanier Espinosa und der Fotograf William Daniels entkamen dem offenbar gezielten Angriff auf die Journalisten unverletzt. Nachdem das syrische Regime die Evakuierung der Überlebenden und der Toten verhindert hatte, sollen Colvin und Ochlik am Montag in Homs begraben worden sein.
Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gelang es am Dienstag, Lebensmittel und andere Hilfsgüter nach Homs und in die ebenfalls seit Wochen im Feuer syrischer Regierungstruppen liegende Stadt Idlib zu bringen. Das IKRK forderte aber bessere Sicherheitsbedingungen, damit der syrische Rote Halbmond die notleidenden Menschen besser versorgen kann. Die Helfer verlangen eine landesweite tägliche Feuerpause. Die IKRK ist die einzige internationale Hilfsorganisation, die Mitarbeiter im Einsatz in Syrien hat.
ler/puz/Reuters/AFP
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