Abdankung von Juan Carlos Schluss mit dem royalen Zirkus

Royals sind weder demokratisch legitimiert noch haben sie moralische Autorität. Spaniens König hat nun abgedankt - die Monarchie sollte gleich mit ihm gehen.

Abdankung von Juan Carlos: Vertrauen gewonnen, Vertrauen verspielt
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Abdankung von Juan Carlos: Vertrauen gewonnen, Vertrauen verspielt

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In Spanien kursiert nach der Abdankung von Juan Carlos ein Witz. Dass Sohn Felipe nun König werde, sei doch eine gute Nachricht für das krisengeschüttelte Land: Ein 46-Jähriger ohne Berufserfahrung habe einen Job gefunden.

Felipe qualifiziert für die neue Aufgabe nur die Tatsache, dass er als Royal geboren wurde. Wie ihn gibt es noch einige wenige Menschen in Europa: Einzig durch ihre Familienbande stehen sie an der Spitze eines demokratischen Staates.

Sie sollen ihr Volk repräsentieren, aber was verstehen sie vom Volk, außer dass sie manchmal "Bürgerliche" heiraten? Sie gehen auf Eliteschulen, urlauben auf Jachten, spielen Polo und tragen Designerkleider. Die Bürger alimentieren das mit Millionen und dürfen dafür ihre Wünsche und Träume auf sie projizieren.

Das Ganze ist wie ein Zirkusbesuch: Die Zuschauer zahlen und beobachten eine kleine Gruppe bei ihren Kunststücken. Im Fall der Royals geht es dann um Ehen und Scheidungen und die Frage, ob sie weitere kleine Adelige produzieren, wann und wie viele. Und auf welcher Südseeinsel diese dann Urlaub machen.

In guten Zeiten mag das funktionieren. In schlechten Zeiten zeigt sich, dass ein Staatsoberhaupt mehr können muss, als in die Kameras zu lächeln. Es soll den Bürgern Mut und Hoffnung machen, eine intellektuelle Tiefe haben. Es muss sein Geld wert sein.

Das Beispiel Spanien zeigt, wie überflüssig die Monarchie geworden ist. In der schweren Wirtschaftskrise fanden die Bürger keine Orientierung bei ihrem König. Sie sorgten sich um ihre Häuser, ihre Arbeit, ihre Kinder - und Juan Carlos schien stumm in seinem Palast zu sitzen. Volksnähe bedeutet mehr, als nur Hände zu schütteln.

Tragisch, dass das ausgerechnet an Juan Carlos deutlich wurde - der im Gegensatz zu anderen Royals sein Land in die Demokratie geführt hatte und sich die Krone in den Augen vieler Menschen verdient hatte. Doch spätestens seit der Elefantenjagd und der Korruptionsaffäre um Tochter und Schwiegersohn war klar: Ihm und Teilen seiner Familie ist längst der moralische Kompass abhanden gekommen. Wie sollte er ein Vorbild sein? Die Spanier haben sich von ihm abgewandt.

Bürger können unfähige Politiker abwählen. Bei Monarchen müssen sie warten, bis diese sterben oder abdanken. Das passt nicht in ein fortschrittliches Land. Zumal gleich der nächste Royal auf dem Thron Platz nimmt. In Spanien kommt auf Felipe in seinem neuen Job eine gewaltige Aufgabe zu. Er soll gleich die ganze Monarchie modernisieren. Ein Widerspruch in sich.

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Spaniens künftiger König Felipe: Ein Leben als Thronfolger

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daridell 03.06.2014
1. Der Artikel ist so ein Blödsinn
Die Monarchie ist nicht nur ein integraler Teil der spanischen Gesellschaft - und darin eingebunden seit vielen Hundert Jahren, trotz aller Skandale, die es gibt, seit es Könige gibt. Aus Sicht dieser Kultur ist die Demokratie trotz all ihrer Vorzöge nur ein kurzes Phänomen in der Zeit, seit 1981, um genau zu sein. Es gibt gesellschaftlich überhaupt keine Veranlassung, an der Monarchie irgendwas zu ändern. Das wir Deutsche das nicht verstehen, dass Spanien eine grundsätzlich andere Kultur ist, ist typisch. Doch für die Spanier spiegelt die Monarchie immer noch einen Teil ihres Selbstverständnisses; wenn das nicht so wäre, wäre sie längst verschwunden ...
io_gbg 03.06.2014
2. qualificatio ex utero
Nun ja, die Qualifikation haben die schon und es ist nur eine einzige: Sie kommt automatisch durch die Geburt aus einem königlichen Uterus. Und politisch wichtig sind sie auch, denn sie sind bei einigermaßem guten Betragen dazu geeignet, national(istisch)e Gefühle abzufangen (oder auch die mindere Form dess, patriotische Gefühle). Ökonomisch gesehen befördern sie den Tourismus – auch gerade in Ländern, die sonst viel weniger Touristen hätten. Also, wer mag da noch gegen die Royals sein. :)
artusdanielhoerfeld 03.06.2014
3. Die Royals...
...haben (nicht nur in Spanien) die wichtige Funktion der Identifikationsfigur. Wer nichts ist kann sich durch sie für jemanden halten. Traurig aber wahr.
monolithos 03.06.2014
4. Im falschen Märchenbuch, oder was?
Könige? Sowas gehört doch ins Märchenbuch, aber nicht ins 3. Jahrtausend. Das können wir zwar keinem befehlen, aber ich würde alle europäischen Staaten vor die Wahl stellen, sich entweder ein Könighaus zu halten oder in der EU Mitglied zu sein. Oder nichts von beidem. Wie viele Könige (m/w) haben wir denn in der EU? Das ist doch nicht mehr zeitgemäß! Wir reden von Demokratie und gucken zu, wie in der EU Staatsoberhauptsposten vererbt werden. Und dann zeigen wir mit dem Finger auf Nordkorea?
NoTarget 03.06.2014
5. Da bin ich aber anderer Meinnung
Zitat von sysopAPSpaniens König hat abgedankt - die Monarchie sollte mit ihm gehen. Royals sind weder demokratisch legitimiert noch haben sie moralische Autorität. Stattdessen schwelgen sie auf Staatskosten im Luxus. Es lebe die Revolution! http://www.spiegel.de/politik/ausland/juan-carlos-spaniens-koenig-die-monarchie-abschaffen-a-973111.html
Eine Monarchin wie die britische Queen würde ich unseren Bundespräsidenten sofort vorziehen. Davon abgesehen dass letztere auch nicht vom Volk gewählt werden, kann man bei den Personalentscheidungen nach Roman Herzog hierzulande bestenfalls noch darüber streiten, ob man die Stelle überhaupt besetzen sollte.
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