Jüdischer Weltkongress Bronfman erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Chef Singer

Eine delikate Finanzaffäre belastet den Jüdischen Weltkongress: Präsident Edgar Bronfman behauptet, der langjährige Vorsitzende des Verbands, Israel Singer, habe sich jahrelang unrechtmäßig aus der Kasse der Organisation bedient.


Jerusalem - Singer habe sich über lange Zeit aus der Kasse des Jüdischen Weltkongresses (WJC) bedient, "meines Geldes", schrieb Bronfman in einem heute in israelischen Medien veröffentlichten Schreiben an eine europäische Mitgliedsorganisation. Die Entlassung sei ihm sehr schwer gefallen, erklärte Bronfman. Er bezeichnete das Finanzgebaren seines engsten Mitarbeiters als "Krankheit".

Singer: Den Weltkongress betrogen?
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Singer: Den Weltkongress betrogen?

Jüdische Vertreter aus Europa und Israel hatten Unregelmäßigkeiten bei der Entlassung beklagt und als Reaktion auf die Entscheidung mit einem Austritt aus dem Weltkongress, der jüdische Gemeinden in mehr als 80 Staaten repräsentiert, gedroht. Singer hat drei Jahrzehnte für jüdische Organisationen gearbeitet. Zur Entlassung wurden seine Verdienste bei der Auswanderung von Juden aus der früheren Sowjetunion und der Sicherung von Entschädigungsansprüchen nach dem Holocaust gewürdigt.

Er habe Singer als seinen Partner betrachtet und Briefe an ihn stets mit "Love, Edgar" gezeichnet, zitiert die "Neue Zürcher Zeitung" aus dem Schreiben von Bronfman. Er habe viele Wochen lang darüber geweint, dass ihn ein Mann, den er geliebt habe, schändlich ausgenutzt habe, so Bronfman weiter. Singer habe sich daran gewöhnt, sich aus der WJC-Kasse in Genf zu bedienen, und für diese Gelder auch niemals Steuern bezahlt. Singer hat sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

als/dpa



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