Jüdisches Neujahrsfest und Ramadan-Ende: "Ein süßes neues Jahr"

Von Dominik Peters

Juden feiern am Mittwochabend ein neues Jahr: US-Präsident Barack Obama hat diesen symbolischen Tag zu einer Videoansprache genutzt, um zu engagierten Friedensgespräche aufzurufen. Jetzt sei man die Gelegenheit zu einem wirklichen Neuanfang gekommen.

Feiertage: Das jüdische Neujahrsfest und das Ende des Ramadan fallen auf den selben Tag Fotos
AP

Berlin - "Ein süßes neues Jahr voller Gesundheit und Wohlstand" - das wünscht US-Präsident Barack Obama Juden in aller Welt anlässlich des religiösen Neujahrsfestes "Rosch HaSchana" (zu Deutsch: "Kopf des Jahres"). In einer am Mittwoch veröffentlichten Videobotschaft nahm Obama die bevorstehenden Feiertage auch zum Anlass, um auf den Neubeginn der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern einzugehen.

Der Fortschritt werde nicht schnell kommen, sagte er. Aber: "Jetzt haben wir die Gelegenheit voranzuschreiten, einem Ziel entgegen, das wir alle teilen: zwei Staaten, Israel und Palästina, die Seite an Seite und in Frieden und Sicherheit leben."

Bei einem gemeinsamen Treffen in Washington hatten Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserchef Mahmud Abbas in der vergangenen Woche vereinbart, sich regelmäßig zu treffen. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres die Voraussetzungen für einen dauerhafte Frieden zu schaffen.

Juden feiern das Jahr 5771

Der US-Präsident wählte für seine Ansprache einen symbolischen Tag: Gemäß des jüdischen Kalenders, der sich an den Mondphasen orientiert, beginnt das neue Jahr am Mittwochabend nach Sonnenuntergang. Es ist das Jahr 5771. Der Sinn des Neujahrsfestes liegt in der Erinnerung an den Bund, der gemäß der biblischen Überlieferung zwischen Gott und dem Volk Israel auf dem Berg Sinai geschlossen wurde.

An "Rosch HaSchana" wird traditionell das "Schofar" geblasen: Der Klang des Widderhorns soll die Menschen aufrütteln und zum Nachdenken anregen. An diesem Feiertag bitten Juden außerdem darum, auch für das neue Jahr in das symbolische "Buch des Lebens" eingetragen zu werden. Besonders Gläubige befolgen einen alten Brauch: Sie werfen einen Stein, manchmal auch ein Stück Brot, hinter sich ins Wasser. Ein symbolischer Akt dafür, dass man das Schlechte und die Sünden des vergangenen Jahres hinter sich zurücklässt.

Auch Obama regte in seiner Rede zum Neuanfang an. "Lasst uns in dieser Zeit der Buße und Erneuerung eine Verpflichtung zu einer hoffnungsvolleren Zukunft eingehen", sagte der US-Präsident.

Ramadan-Ende und Jahrestag der "Al-Aksa-Intifada"

Er hatte sich auch zu Beginn des heiligen Fastenmonats Ramadan, am 11. August, mit einer Grußbotschaft an die islamische Welt gewandt. Am Donnerstag werden auch die Moslems süße Speisen essen - und das Fest "Eid al-Fitr" feiern, das traditionelle Fastenbrechen am Ende Ramadan. Dieses Jahr fallen die beiden Feiertage auf den selben Tag.

Außerdem jährt sich der Beginn der sogenannten "Al-Aksa-Intifada" zum zehnten Mal. Der bewaffnete Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis dauerte fünf Jahre und wurde mit einem Waffenstillstandsabkommen zwischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem heute im Koma liegenden, damaligen israelischen Ministerpräsidenten Israels Ariel Scharon im Februar 2005 beendet. Aus Angst vor möglichen Ausschreitungen oder Anschlägen im Laufe der Feiertage riegelte Israel die palästinensische Westbank ab, wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Mittwoch berichtete.

Es soll kein Schuss fallen, auch keine Feuerwerke sollen gezündet werden.

Die sind nämlich am jüdischen Neujahrsfest, im Gegensatz zum weltlichen Jahreswechsel, nicht gebräuchlich. Eine Ähnlichkeit zum deutschen Silvester gibt es aber dennoch - die Verballhornung des Namens "Rosch HaSchana" findet sich auch hier zu Lande wieder: der "gute Rutsch", den man sich in der Silvesternacht wünscht, wurde aus dem Jiddischen ins Deutsche übertragen.

Um aber trotzdem Spaß zu haben, wird an dem religiösen Fest der Esstisch mit symbolischen Speisen gedeckt: mit in Honig getunkten Granatäpfel, auf dass das neue Jahr genauso süß werde.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. bundesschluss & granatäpfel
hh10 08.09.2010
nicht, dass rosh hashanah nicht auch der bundesschluss am sinai ein thema wäre, aber neujahr erinnert zunächst an den symbolischen "geburtstag der welt". so beginnt demnach heute abend das jahr 5771 nach der schöpfung. es ist in der tat bestimmt ein spaß granatäpfel in honig zu tauchen, aber gewöhnlich tuns auch ganz normale äpfel. granatäpfel werden allerdings, nebst anderen symbolischen speisen, auch gegessen, allerdings ohne honig: die vielen kleinen segmente sollen den für das neue jahr erhofften wirtschaftlichen gewinn symbolisieren. rosh hashanah ist auch als "yom ha'din" - tag des gerichts - bekannt, an dem entschieden wird, wer ins "buch des lebens" eingeschrieben wird. das shofar wird bereits einen ganzen monat vor rosh hashanah geblasen, um zur introspektion und umkehr aufzurufen. die tage der umkehr und des gerichts enden am yom kippur, dem versöhnungstag.
2. Is ja
Marlin 08.09.2010
toll. Mit einem zu verhandeln, der keine Zugeständnisse machen will ist sicher sinnvoll. Das Geld, um den zu mästen kann man für was sinnvolleres einsetzen. Und die Zeit und den Atem auch. http://www.jpost.com/MiddleEast/Article.aspx?ID=187364&R=R1&utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter "Abbas stressed that he would not make any concessions to Israel. “If they demand concessions on the rights of the refugees or the 1967 borders, I will quit. I can’t allow myself to make even one concession,” he said." Super Sache, Mr. President.
3. Schana Tova
Caroline 09.09.2010
Allen Juden in Israel und auf der Welt ein gutes und gesegnetes Jahr 5771 !
4. Besser recherchieren
schoo27 09.09.2010
Eid al-Fitr findet tatsächlich am Freitag statt, nach einer entscheidung des Saudi-Arabischen Supreme Courts. Aber die Idee, dass beide Feiertage auf den gleichen Tag fallen war eine nette Prämisse für diesen Artikel...
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