Jugendliche in Europa Angst vor dem nächsten Knall

Gewaltsame Ausschreitungen wie in London sind ein Alarmsignal für die Politik - auch in anderen Ländern Europas herrscht bei Teenagern Frust über die eigene Situation. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Wo droht die nächste Explosion der Gewalt?

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dapd

Berlin/London - Seit Tagen ziehen Jugendliche durch englische Innenstädte, randalieren und marodieren. In London, Liverpool, Leeds. Premier David Cameron hat deshalb seinen Urlaub abgebrochen, auch die Parlamentarier wurden aus den Ferien zurückgerufen.

Camerons Regierung spricht von Kriminellen, die das Land ins Chaos stürzen wollen. Aber das ist wohl nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich macht eine aktuelle Studie der OECD deutlich, dass in der EU nur Portugal eine noch ungleichere Wohlstandverteilung aufweist als Großbritannien.

Es ist ein englisches Problem. Noch. Denn die Schere zwischen Arm und Reich wächst überall in Europa. Das bringen schon allein die Sparanstrengungen der Euro-Länder mit sich, insbesondere der größten Sorgenkinder wie Griechenland, Spanien und Italien. Gekürzt wird nicht nur bei den Sozialleistungen, sondern auch im Schulwesen oder dem Gesundheitsbereich. Fast in jedem europäischen Staat gibt es Problemviertel, vor allem Jugendliche sehen dort keine Perspektive für ihr Leben.

Auch in Deutschland sind die Sparfolgen spürbar. Die Nationale Armutskonferenz weist auf eine zunehmende Perspektivlosigkeit unter jungen Menschen hin. So würden Jugendhilfemaßnahmen gestrichen, zugleich verzeichneten soziale Anlaufstellen wie Bahnhofsmissionen immer mehr junge Bedürftige. Und dass hierzulande eine latente Gewaltbereitschaft vorhanden ist, zeigt alljährlich der Abend des 1. Mai in Berlin-Kreuzberg oder im Hamburger Schanzenviertel.

Der "Aufstand der Verlierer", wie die "FAZ" schrieb, könnte also auch außerhalb der Insel drohen. In vielen EU-Staaten geht die Angst vor englischen Verhältnissen um. Dem Kontinent droht ein heißer Herbst, manche sprechen schon von einer Krise des europäischen Demokratiemodells.

Europas Jugend in Aufruhr. Ein Überblick:



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 183 Beiträge
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Seite 1
sir.viver 11.08.2011
1. Quatsch
Zitat von sysopGewaltsame Ausschreitungen wie in London sind ein Alarmsignal für die Politik - auch in anderen Ländern Europas herrscht bei Teenagern der Frust über die eigene Situation. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Wo droht die nächste Explosion der Gewalt? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779533,00.html
Saure-Gurken-Zeit oder Paanikmache? Chaoten in GB facken Haeuser ab und pluendern und nun entdeckt SPON ploetzlich, das Problem Jugendarbeitslosigkeit. Whow! Waren die Redakteure die letzen jahre im Urlaub oder wird nun auf den Bedauerungs-Zug aufgesprungen, der seit den Krawallen in der Medienlandschaft rumtuckert? Ende der 70er Jahre gab es auch eine grosse Jugendarbeitslosigkeit und enorme Lehrstellenknappheit. Solche Schwankungen gibt es immer wieder. Damals waren es die geburtenstarken Jahrgaenge, die auf den Arbeitsmarkt stroemten, heute hat es andere Ursachen. Ggf. koennten auch in D der gleichzeitige Abgang der Abiturklassen nach 13 und 12 Schuljahren einen erhoehten Bedarf an Srudienplaetzen und Ausbildungsstellen hervorrufen. Immer mal was anderes. Aber von einer "Jugend Europas ohne Zukunft " zu quatschen ist Bloedsinn.
uli67 11.08.2011
2. ...
Zitat von sysopGewaltsame Ausschreitungen wie in London sind ein Alarmsignal für die Politik - auch in anderen Ländern Europas herrscht bei Teenagern der Frust über die eigene Situation. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Wo droht die nächste Explosion der Gewalt? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779533,00.html
"Kluft zwischen arm und reich" - dieses dumme Gewäsch zu Rechtfertigung eingfacher krimineller Handlungen scheint ja momentan zu sein. Ich sehe die Kluft eher zwischen "dumm und intelligent" bzw. zwischen "faul und fleissig". Ebenfalls sehe ich eine zunehmende Kluft bei der Beurteilung von ethischen Verhalten - was hier zum Teil für Rechtfertigungen und Heroisierung krimineller Schläger und Diebe vom Stapel gelassen wird, ist unterirdisch.
maemo 11.08.2011
3. ---
Zitat von uli67"Kluft zwischen arm und reich" - dieses dumme Gewäsch zu Rechtfertigung eingfacher krimineller Handlungen scheint ja momentan zu sein. Ich sehe die Kluft eher zwischen "dumm und intelligent" bzw. zwischen "faul und fleissig". Ebenfalls sehe ich eine zunehmende Kluft bei der Beurteilung von ethischen Verhalten - was hier zum Teil für Rechtfertigungen und Heroisierung krimineller Schläger und Diebe vom Stapel gelassen wird, ist unterirdisch.
Auch Sie werden sehr bald feststellen, wie der Hase läuft. Der Graben wird aufgrund einer neuen Rechten immer größer, das Volksvermögen sammelt sich bei immer weniger Menschen. Und das kann überall zu Unruhen führen. Lesen Sie mal bitte folgenden Artikel: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-rechte-Abschied-von-der-Politik/story/22710602 Dann sehen Sie, in welcher undemokratischer Entwicklung wir alle - auch Sie - stecken.
antoniox 11.08.2011
4. CIA wird recht behalten
Der CIA-Geheimdienst hatte bereits vor einem Jahr vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Europa gewarnt... und wird wohl Recht behalten. Mehr dazu siehe hier: http://brainlux-contor.blogspot.com/2010/10/cia-prophezeit-burgerkrieg-in.html
wilam 11.08.2011
5. man sieht, unter der gegenwärtigen Konzentration
(von allem) braucht es weder Ressourcenschwund noch Seuchen, um den Krieg zu generieren. Er ist unter den Bedingungen dder Verdichtung eine Sel bstverständlichkeit. Auch bei uns wird die Gelegenheit nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wo die Bevölkerung nicht wächst, tut es das Kapital - das wirkt auf die Dauer genau so gut.
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