Polizei über Julian Assange "Wenn er rauskommt, nehmen wir ihn fest"

WikiLeaks-Gründer Julian Assange erwägt, am Freitag die ecuadorianische Botschaft in London zu verlassen - nach fast vier Jahren. Die britische Polizei steht schon bereit.

Polizisten vor der Botschaft Ecuadors: Lebenslange Haft droht
REUTERS

Polizisten vor der Botschaft Ecuadors: Lebenslange Haft droht


Seit Jahren harrt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London aus, jetzt spielt der WikiLeaks-Gründer mit dem Gedanken, sich zu stellen. Genau darauf wartet offenbar die britische Polizei: "Wenn er aus der Botschaft herauskommt, werden wir alles tun, um ihn festzunehmen", sagte ein Sprecher.

Der 44-jährige Australier hatte am Donnerstagmorgen erklärt, am Freitag das Gebäude verlassen zu wollen, sollte sich ein Uno-Gremium nicht auf seine Seite stellen. Assange lebt seit Juni 2012 in der Botschaft, um einer Festnahme durch Schweden und einer möglichen Auslieferung an die USA zu entgehen.

Der Aktivist hatte im September 2014 bei der Uno-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen eine Beschwerde gegen Großbritannien und Schweden eingereicht, weil sein Verbleib in der ecuadorianischen Botschaft einer illegalen Inhaftierung gleichkomme. Die Experten wollen am Freitag in Genf ihre Meinung zu dem Fall öffentlich bekannt geben. Wie der britische Sender BBC berichtet, soll das Uno-Gremium Assanges Beschwerde gegen seinen Haftbefehl stattgegeben haben. Diese ist allerdings rechtlich nicht bindend.

Vorwürfe zurückgewiesen

Wegen der Wikileaks-Enthüllungen befürchtet Assange in den Vereinigten Staaten eine lebenslange Haftstrafe. Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Nötigung gegen Assange erhoben. Abgesehen von dem Vergewaltigungsvorwurf sind die Fälle aber inzwischen verjährt. Assange hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Assanges Enthüllungsplattform kämpft mit der Veröffentlichung geheimer Unterlagen für Transparenz. Tausende Botschaftsdepeschen und Berichte der USA aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan landeten 2010 auf WikiLeaks. Die US-Soldatin Chelsea Manning musste dafür ins Gefängnis, sie gilt als Quelle der Dokumente. Die USA ermitteln auch gegen weitere WikiLeaks-Unterstützer.

Zuletzt hatte Ecuadors Präsident Rafael Correa im Januar bekannt gegeben, dass Assange bald in der Botschaft befragt werden solle. Im Dezember hatte Schweden ein Abkommen geschlossen, das den Weg für eine Befragung Assanges frei macht.

kev/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 87 Beiträge
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wi_hartmann@t-online.de 04.02.2016
1. Assange
Die englische Polizei gibt sich der Lächerlichkeit preis,wie beim Kasperletheater.
monolithos 04.02.2016
2.
Großbritannien hin, Schweden her: An Herr Assanges Stelle würde ich erstmal warten, bis Herr Sanders die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hat, bevor ich mich stelle.
Brillalein 04.02.2016
3. Am Rande:
Schweden hat in der Zeit, in der Assange in der Botschaft sitzt, ganz unkompliziert über 40 Befragungen von Zeugen und Personen gegen die Ermittlungen bestehen zu größeren und kleineren Strafsachen im Ausland durchgeführt. Allerdings hatten es die Befrager da geschafft, nicht plötzlich in den Uraub zu müssen, Formulare zu verbaseln etc.
Sharoun 04.02.2016
4.
Ja ja, der "freie" Westen ... wer den Herrschern in die Quere kommt bei ihren Machenschaften oder aufdeckt, wie sie gegen ihre eigenen, laut herausposaunten Regeln verstoßen, wird gejagt. Unerbittlich!
WwdW 04.02.2016
5. puhhh
Sollte UK ihn festnehmen und in die USA ausliefern oder auch Schweden falls er dorthin zurück kann, dann würde ich jegliches verbliebenes Rechtsstaatverständnis verlieren. Ein Unterschied zu Ländern wie zum Beispielt das Putin-Russland oder der Erdogan-Türkei wäre dann nicht mehr gegeben.
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