Julija Skripal zu Nervengiftangriff "Die Genesung verlief langsam und extrem schmerzhaft"

20 Tage lag Julija Skripal im Koma. Sie und ihr Vater wurden Opfer eines Angriffs mit Nervengift. Jetzt gibt sie Einblicke in die vergangenen Wochen.

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Der Vorfall hatte zwei Menschen fast das Leben gekostet und eine schwere diplomatische Krise ausgelöst: Mehr als zwei Monate nach dem Nervengiftangriff auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter hat sich Julija Skripal erstmals ausführlich öffentlich zu dem Fall geäußert. "Unsere Genesung ist langsam und extrem schmerzhaft verlaufen", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir haben so viel Glück, dass wir beide den Mordversuch überlebt haben."

Sergej und Julija Skripal waren am 4. März in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Sie wurden Untersuchungen zufolge mit einer geringen Menge des Nervengifts Nowitschok in flüssiger Form vergiftet. Spuren davon wurden an Orten entdeckt, die sie besucht hatten. Die höchste Konzentration stellten Experten an einer Türklinke am Wohnhaus des Ex-Spions fest.

Julija Skripal wurde Anfang April aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich nach Angaben der britischen Behörden an einem sicheren Ort. "Nach 20 Tagen im Koma bin ich aufgewacht und habe erfahren, dass wir beide vergiftet worden sind", sagt Julija Skripal. Sie sei schockiert darüber, dass ein Nervengift verwendet worden sei.

Julija Skripal will langfristig zurück nach Russland

Julija Skripal wird auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiter medizinisch behandelt. "Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt", sagt sie. Ihr Vater hat die Klinik erst vor wenigen Tagen verlassen. Sie wolle irgendwann in ihre Heimat Russland zurückkehren, sagte Julija Skripal. Zunächst wolle sie aber ihren Vater unterstützen, bis dieser gänzlich genesen sei.

Das verwendete Gift Nowitschok war einst in der Sowjetunion produziert worden. Der Stoff war aber auch im Westen bekannt. London bezichtigt Moskau, hinter dem Angriff zu stecken. Der Kreml weist das zurück. Zahlreiche Diplomaten wurden auf beiden Seiten ausgewiesen. Großbritannien lässt nun mehr als ein Dutzend Todesfälle von Kreml-Kritikern und Ex-Spionen im Land erneut untersuchen.

Sergej Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

aev/dpa/Reuters

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