EU-Sicherheitspolitik Juncker fordert Aufstellung einer europäischen Armee

In der Ukraine-Krise soll Europa eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gestalten und zusammen Verantwortung übernehmen. Das fordert EU-Kommissionschef Juncker - und plädiert für ein gemeinsames Militär.

Estnische Soldatin bei Nato-Parade: Europäische Armee soll keine Konkurrenz zum Verteidigungsbündnis sein
AP/dpa

Estnische Soldatin bei Nato-Parade: Europäische Armee soll keine Konkurrenz zum Verteidigungsbündnis sein


Berlin - EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat für die Gründung einer gemeinsamen Armee in Europa geworben. "Eine europäische Armee hat man nicht, um sie sofort einzusetzen", sagte er der Zeitung "Welt am Sonntag" und ergänzte mit Blick auf die Ukraine-Krise: "Aber eine gemeinsame Armee der Europäer würde Russland den Eindruck vermitteln, dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union."

"Eine solche Armee würde uns helfen, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu gestalten und gemeinsam die Verantwortung Europas in der Welt wahrzunehmen", sagte Juncker. Sie solle jedoch keine Konkurrenz zur Nato darstellen. Vielmehr würde eine europäische Armee zu einer intensiven Zusammenarbeit bei der Entwicklung und beim Kauf von militärischem Gerät führen und erhebliche Einsparungen bringen, so der ehemalige luxemburgische Premierminister.

Europa habe an Ansehen verloren, beklagte Juncker. "Auch außenpolitisch scheint man uns nicht ganz ernst zu nehmen." Dennoch seien militärische Antworten immer die falschen Antworten. "Sie sind ein Eingeständnis, dass Diplomatie und Politik versagt haben", so der EU-Kommissionschef.

Mit seinen Aussagen stärkt Juncker eine Position von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Auch sie wirbt für die Zukunftsvision einer europäischen Armee. Die Idee sei allerdings nicht kurzfristig zu erreichen, hatte die CDU-Politikerin im Februar betont. Aber so wie sie überzeugt davon sei, dass "vielleicht nicht meine Kinder, aber dann meine Enkelkinder die Vereinigten Staaten von Europa haben werden", so sei sie vom Ziel der europäischen Streitkräfte überzeugt.

vek/dpa



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insgesamt 269 Beiträge
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Seite 1
chris.peterson 08.03.2015
1. Top!
Endlich mal wieder eine zukunftsweisende Idee für Europa - im Gegensatz zu den vielen kleinkarierten Euro-buhuu-Themen die es sonst gibt.
warkeinnickmehrfrei 08.03.2015
2. Der gleiche Juncker, der eben noch ohne Not
von sich gab, es werde niemals und unter keinen Umständen einen "Grexit" geben und der den Griechen damit sämtliche Möglichkeiten an die Hand gab die EU vor sich her zu treiben ?
question2001 08.03.2015
3. Wenn es so billiger wird
Wenn es so billiger wird hat die Idee Charme. Wenn aber die Rüstungsindustrie dann, wie bei Airbus, den deutschen Weicheiern von den Franzosen abgenommen wird, ist es nicht so gut. Dann lieber einfach die Nato behalten, die reicht doch auch zum Nicht-Kämpfen. Was ja hoffentlich immer noch Sinn des Ganzen ist.
legoer 08.03.2015
4. Kalter Krieg 2.0
Das ist sie, die große Friedensbringerin Europa. Schockierend, welche Gedankenspiele ungewählte Politiker durchführen. So, bin ich nicht stolz, Europäer zu sein!
madtv 08.03.2015
5. Ach was?
Die paar tausend Toten nach dem Ukraine Abenteuer, (die EU zeigt Initiative in der Aussenpolitik, das hat die USA doch verlangt, oder?) haben ihm noch nicht gereicht? Jetzt will er also selber Truppen schicken, jemand der Sprüche wie: 'Wenn es ernst wird,muss man lügen' witzig findet und in seiner Heimat wegen seines Alkoholkonsums sehr umstritten ist? Brüssel verkommt immer mehr zur Karikatur eines gemeinsamen Europas.
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