Poker um Spitzenjobs: Juncker lehnt Vorsitz der Euro-Gruppe vorerst ab

Eigentlich waren sich alle Euro-Länder bei dieser wichtigen Personalentscheidung einig: Jean-Claude Juncker sollte für sechs weitere Monate die Euro-Gruppe führen. Doch nun sträubt sich der Luxemburger, weil ein Landsmann nicht in die EZB-Spitze rücken darf.

Euro-Gruppenchef Juncker auf EU-Gipfel in Brüssel: Verärgerten Verbleib abgelehntZur Großansicht
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Euro-Gruppenchef Juncker auf EU-Gipfel in Brüssel: Verärgerten Verbleib abgelehnt

Brüssel - In der Euro-Gruppe gibt es Streit um Posten und Personen: Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat verärgert abgelehnt, seinen Posten als Vorsitzender der Euro-Gruppe zu verlängern. Er begründete den überraschenden Schritt damit, dass seine Bedingungen nicht erfüllt worden seien.

Die Staats- und Regierungschefs der anderen 16 Staaten der Währungsunion seien nicht bereit gewesen, den Luxemburger Notenbankpräsidenten Yves Mersch zum Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ernennen, sagte Juncker am Freitag in Brüssel. Ohne die Ernennung Merschs werde aber auch er nicht an der Spitze der Euro-Gruppe weitermachen. Juncker wollte das Amt eigentlich Ende Juni abgeben.

Kurz vor Junckers Äußerung hatte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vor Journalisten eine andere Begründung dafür geliefert, dass die Entscheidung über den Euro-Gruppenvorsitz verschoben wurde. Der Gipfel habe nichts beschließen können, weil die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nach Berlin habe zurückkehren müssen: "Wir waren nicht vollständig als Euro-Zone am Ende des Treffens."

Juncker berichtete hingegen, er sei einstimmig gebeten worden, für weitere sechs Monate den Vorsitz der Euro-Gruppe zu führen. Dazu sei er aber nur bereit gewesen, wenn sein Landsmann Mersch ins EZB-Direktorium einzöge. Zudem habe er vorgeschlagen, den Deutschen Klaus Regling, bisher Leiter des vorläufigen Rettungsfonds EFSF, zum Generaldirektor des neuen ständigen Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (ESM) zu ernennen.

Juncker ist seit längerem amtsmüde

Seinem Ärger über die Kollegen machte Juncker mit deutlichen Worten Luft: "Ich lasse mich nicht aufs Eis führen, dass man mir jetzt mit Kusshand eine Weiterführung des Euro-Vorsitzes anbietet, um den ich mich nicht bemüht habe, und danach jemand anderem zu Frankfurter Glücksgefühlen verhilft", sagte Juncker mit Anspielung auf den Sitz der EZB in Frankfurt am Main. Er fügte hinzu: "Ich bin nicht blöder als die anderen. Erst muss ich die Bestätigung haben, dass Herr Mersch für mehrere Jahre dem Direktorium der Zentralbank angehört. Und dann bin ich bereit, sechs Monate weiterzumachen."

Offenbar setzt Juncker darauf, dass seine europäischen Kollegen in seinem Sinne reagieren: Er rechne mit einer Entscheidung über den Euro-Gruppenvorsitz spätestens am 9. Juli beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister, möglicherweise sogar schon früher, sagte Juncker.

Der Luxemburger hatte in der Vergangenheit des Öfteren seine Amtsmüdigkeit demonstriert. Um den Anforderungen des Euro-Krisenmanagements gerecht zu werden, müsse das Amt anders als er es könne vollberuflich ausgeübt werden, sagte er im März. Juncker steht der Euro-Gruppe seit der Schaffung eines Vorsitzendenpostens im Jahr 2005 vor.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte jedoch keinen Nachfolger finden können. Im Gespräch dafür war auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der aber von Frankreichs Präsident François Hollande abgelehnt wurde.

fdi/dpa/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
ActiveO2 29.06.2012
So Amtsmüde wie der ist, sollte Juncker am besten direkt abtreten und den Weg frei machen. Da Deutschland sowieso mehrheitlich das Geld in EFSF und ESM stellt, sollte auch ein Deutscher den Vorsitz übernehmen. Am ehesten denke ich [...]
So Amtsmüde wie der ist, sollte Juncker am besten direkt abtreten und den Weg frei machen. Da Deutschland sowieso mehrheitlich das Geld in EFSF und ESM stellt, sollte auch ein Deutscher den Vorsitz übernehmen. Am ehesten denke ich dabei an Peer Steinbrück. Von der CDU kann ja ausser Schäuble ja nix gescheites kommen, aber der wurde ja von Hollande abgelehnt...
Theodor Reinhard 29.06.2012
So langsam nerven mich die geradezu frechen Forderungen des franz. Präsidenten. Schäuble wird abgelehnt, aber wir hatten sowohl Strauss-Kahn als auch Mde. Legarde zu unterstützen. Das Diktat des Herrn Hollande ist in keinster [...]
So langsam nerven mich die geradezu frechen Forderungen des franz. Präsidenten. Schäuble wird abgelehnt, aber wir hatten sowohl Strauss-Kahn als auch Mde. Legarde zu unterstützen. Das Diktat des Herrn Hollande ist in keinster Weise zu akzeptieren. Möglicherweise sollte Deutschland seinerseits einen Austritt aus der EURO-Gemeinschaft überlegen, als Partner stände mit Großbritannien ein ebenfalls starker Partner zur Verfügung. Merkel wird sich jedenfalls, trotz größter Bemühungen den "Partnern" im Euroraum nicht erfolgreich widersetzen können, die sich zum ganz großen Teil ihre Schulden der Vergangenheit von den "Partnern" bezahlen lassen wollen. Darüberhinaus werden alle Euroländer künftig sich hüten, sparsam zu haushalten und damit anderen, wesentlich ausgabefreudigeren Sparsündern größere Spielräume zu gewähren. Ich bewundere bis heute die Durchsetzungskraft von Frau Merkel, aber wie lange wird sie diese, vor allem bei der "konstruktiven" Opposition in Deutschland selbst, noch einsetzen können? Trotzdem wünsche ich ihr viel, viel Glück.
acre 29.06.2012
@ 1. Active02 Was hat die SPD-Troika mit F. Hollande besprochen? Feancois Hollande will die Eurobonds. Die SPD ebenfalls! Ergo verbündet man sich diesbezüglich und lässt die Schulden der anderen Staaten vom deutschen [...]
@ 1. Active02 Was hat die SPD-Troika mit F. Hollande besprochen? Feancois Hollande will die Eurobonds. Die SPD ebenfalls! Ergo verbündet man sich diesbezüglich und lässt die Schulden der anderen Staaten vom deutschen Steuerzahler bezahlen. Wie würde die Eurozone heute dastehen, wenn n i c h t rot/grün durch die Hintertür Griechenland in die Eurozone geholt und FM Eichel dafür gesorgt hätte, dass der Stabilitätspakzt aufgelöst wurde.
Marenga 29.06.2012
Schön langsam gehen mir die Attacken gegen Eurobonds auf den Keks. Die hätte man schon von 2-3 Jahren einführen müssen, spätestens jedoch zu einem Zeitpunkt, als abzusehen war, dass einigen Ländern die Totalpleite droht. Das [...]
Zitat von acreFeancois Hollande will die Eurobonds. Die SPD ebenfalls! Ergo verbündet man sich diesbezüglich und lässt die Schulden der anderen Staaten vom deutschen Steuerzahler bezahlen.
Schön langsam gehen mir die Attacken gegen Eurobonds auf den Keks. Die hätte man schon von 2-3 Jahren einführen müssen, spätestens jedoch zu einem Zeitpunkt, als abzusehen war, dass einigen Ländern die Totalpleite droht. Das sind doch arme Argumente, die man hier vorträgt, wenn es um Eurobonds geht. Ich will natürlich NICHT, dass Deutschland in immer größerem Ausmaß zur Kasse gebeten wird, und genau deshalb müssen Krisenländer die Möglichkeit erhalten, sich entweder über die EZB oder sonstige Schirme zu gleichen Konditionen zu refinanzieren, wie Deutschland selbst. Also, egal auf welchem Wege (Eurobonds, Zentralbank oder Rettungsschirm) --> Jedes Land soll sich zu z. B. 1 - 2 % refinanzieren können, anstatt von den Gierbanken mit 6-7 % erpresst zu werden. Es kann doch nicht in unserem Interesse liegen, dass die schwachen Länder hierdurch noch mehr in die Krise geraten, und irgendwann später garnichts mehr zahlen können. In welchem Zusammenhang Eurobonds mit der immer wieder geäußerten Vermutung stehen, dass das uns nur immer mehr kosten würde, weil die Staaten dann keinen Anreiz mehr hätten, zu sparen, ist mir nicht klar. Drum nochmals für ganz verbohrte: *Keine Finanzierung über Banken zu Wucherzinsen mehr.* Es kann doch nicht mein Problem sein, wenn Millionäre weinen, weil ihnen die Anlagemöglichkeiten zur Vermehrung ihres Vermögens ausgehen, weil sie keine Staatsanleihen mehr kaufen können. *Wenn Staaten dennoch Staatsanleihen auf dem freien Markt emittieren, entziehen wir ihnen sämtliche weitere Hilfen.* Schwachsinniges Geschwafel. - Kann es sein, dass Sie übersehen, dass D die nicht unerhebliche Summe von 2 Billionen für die Deutsche Einheit stemmen musste? Meines Wissens wurde D von den anderen EU-Staaten eine Überziehung der Neuverschuldung eben wegen dieser außerordentlichen Zusatzbelastungen gestattet. So ganz nebenbei ist mir nicht klar, was Ihr Geschwurbel mit den augenblicklichen Problemen der Rettung der Südländer zu tun hat.
Theodor Reinhard 30.06.2012
Auch ich kann in dem Geplapper keinerlei Sinn bzw. keine treffenden Argumente erkennen. Sichtbar ist lediglich, welcher Partei der Verfasser nahesteht. Nicht den Banken hülfen Eurobonds sondern Pleitestaaten wie Spanien [...]
Zitat von MarengaSchön langsam gehen mir die Attacken gegen Eurobonds auf den Keks. Die hätte man schon von 2-3 Jahren einführen müssen, spätestens jedoch zu einem Zeitpunkt, als abzusehen war, dass einigen Ländern die Totalpleite droht. ... Kann es sein, dass Sie übersehen, dass D die nicht unerhebliche Summe von 2 Billionen für die Deutsche Einheit stemmen musste? Meines Wissens wurde D von den anderen EU-Staaten eine Überziehung der Neuverschuldung eben wegen dieser außerordentlichen Zusatzbelastungen gestattet. So ganz nebenbei ist mir nicht klar, was Ihr Geschwurbel mit den augenblicklichen Problemen der Rettung der Südländer zu tun hat.
Auch ich kann in dem Geplapper keinerlei Sinn bzw. keine treffenden Argumente erkennen. Sichtbar ist lediglich, welcher Partei der Verfasser nahesteht. Nicht den Banken hülfen Eurobonds sondern Pleitestaaten wie Spanien oder Italien bzw. in naher Zukunft auch Frankreich. Es gibt nur noch wenige "sparsam" agierende Euroländer, die deswegen ja auch nur als Bürgen infrage kommen. Im günstigsten Falle könnten sich Spanien, Italien, Griechenland, Cypern, Portugal, Irland oder eben auch Frankreich Vorteile durch günstigere Zinsen erheischen. Dafür müsste Deutschland zunächst einen mindestens dreifach höheren Zinssatz und damit Verluste in zig-Milliarden-Höhe hinnehmen. Die vorgenannten Länder hätten dann die Möglichkeit, zu einem für sie relativ günstigen Zinssatz neue Schulden zu machen, die in der Zukunft wohl von Deutschland und anderen Sparländern wegen derer Bürgschaft ebenfalls zu bezahlen wären. Also bitte nicht parteipolitisch argumentieren - fundierte Fakten sind das einzig richtige Mittel.
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  • Freitag, 29.06.2012 – 17:35 Uhr
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Die Gipfelbeschlüsse im Überblick
Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachkommen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie lediglich die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt fristgerecht erfüllen. Diese Regelung scheint wie auf Italien zugeschnitten. Premier Mario Monti hatte vehement für die Aufweichung der Hilfsbedingungen gekämpft - auch wenn die Regierung in Rom bisher keine Hilfen beantragt hat.

Entscheidende Tage: Der Weg zur Euro-Rettung
9.00 Uhr: Bundestagssitzung: unter anderem erste Lesung zum Betreuungsgeld

Vormittags: Die Kanzlerin fliegt von Paris nach Brüssel

13.00 Uhr: Merkel trifft die Fraktion der konservativen Europäischen Volkspartei in Brüssel

15.00 Uhr: Beginn Europäischer Rat in Brüssel: Themen sind vor allem die Schuldenkrise und der EU-Finanzrahmen. Ende offen.

Interaktive Zeitleiste
Gedränge unter dem Rettungsschirm
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.



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