Neue Umfrage: Junge Briten finden EU klasse

Von , London

Premier Cameron will das Verhältnis Großbritanniens zur EU lockern, er steht unter massivem Druck seiner konservativen Partei. Immer noch überwiegen auch bei den Bürgern Europa-Skeptiker. Das ändert sich gerade: Junge Briten sehen die Gemeinschaft ausgesprochen positiv.

Cameron: Er will einen "neuen Deal" mit den EU-Partnern aushandeln Zur Großansicht
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Cameron: Er will einen "neuen Deal" mit den EU-Partnern aushandeln

Junge Briten sind deutlich EU-freundlicher eingestellt als ihre Eltern. Zwei Drittel der 18-34-Jährigen würden bei einem Referendum für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmen. Bei den über 60-Jährigen hingegen ist es genau umgekehrt: Hier würden nahezu zwei Drittel für den Austritt aus der EU stimmen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung und der britischen Fabian Society.

Der Grund für die unterschiedliche Wertschätzung der EU dürfte in der persönlichen Erfahrung liegen. Nur 19 Prozent der jüngeren Briten geben an, nicht persönlich von der EU zu profitieren. Bei den über 60-Jährigen hingegen sind es 51 Prozent.

Auch in der Frage, ob große Herausforderungen wie der Klimawandel oder die Finanzkrise am besten in Zusammenarbeit der EU-Länder angegangen werden, gibt es einen großen Unterschied zwischen den Generationen. 59 Prozent der jungen Briten fanden dieses Argument überzeugend, aber nur 43 Prozent der über 60-Jährigen.

"Ein isoliertes Großbritannien gehört der Vergangenheit an"

Die Umfrage gibt den EU-Befürwortern in Großbritannien neue Hoffnung. "Die 18- bis 34-Jährigen sind mit der Globalisierung aufgewachsen und wissen, dass die Idee eines isolierten Großbritanniens außerhalb der EU in die Vergangenheit gehört", sagte die europapolitische Sprecherin der Labour-Partei, Emma Reynolds.

In der öffentlichen Debatte dominieren hingegen seit Jahren die EU-Gegner. Auf Druck seiner konservativen Partei wollte der britische Premierminister David Cameron am Freitag eine Europa-Grundsatzrede in Amsterdam halten - wegen der Geiselnahme in Algerien sagte er diesen Auftritt jedoch ab. Klar ist: Er will Machtbefugnisse von Brüssel zurückfordern, einen "neuen Deal" mit den 26 EU-Partnern aushandeln und die britische Bevölkerung über das Ergebnis abstimmen lassen. So hofft er, die weit verbreitete Unzufriedenheit über den Status Quo in Brüssel einzudämmen.

Die Debatte über das Für und Wider der EU-Mitgliedschaft hat in den vergangenen Wochen bereits zu einem spürbaren Stimmungsumschwung auf der Insel geführt. Im vergangenen Mai seien noch 51 Prozent der Briten für einen EU-Austritt gewesen, schrieb YouGov-Chef Peter Kellner diese Woche auf der YouGov-Website. Nur 28 Prozent der Briten hätten sich damals für den Verbleib in der Union ausgesprochen.

Inzwischen, so Kellner, hätten sich diese Werte deutlich angenähert. Nur noch 42 Prozent der Briten sprachen sich in seiner jüngsten Umfrage für einen EU-Austritt aus, 36 Prozent hingegen wollten Mitglied bleiben. Dieser Trend werde anhalten, prognostizierte Kellner. Sollte es in den kommenden Jahren zu einem Referendum über den Verbleib in der EU kommen, so würde wahrscheinlich eine Mehrheit mit Ja stimmen.

Als Grund führt der Meinungsforscher den Angst-Faktor an: Die Warnungen von pro-europäischen Politikern und Unternehmerverbänden, dass ein EU-Austritt Investoren abschrecken und britische Jobs kosten würde, zeigten Wirkung. Und wenn die Regierung den Wählern obendrein einen "neuen Deal" zur EU anbieten könnte, so Kellner, sei eine satte Mehrheit für die EU-Mitgliedschaft gesichert. 50 Prozent würden unter diesen Bedingungen für den Verbleib in der Union stimmen - und nur 25 Prozent dagegen.

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insgesamt 193 Beiträge
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1. Eine Umfrage?
Niamey 18.01.2013
Zitat von sysopAPPremier Cameron will das Verhältnis Großbritanniens zur EU lockern, er steht unter massivem Druck seiner konservativen Partei. Immer noch überwiegen auch bei den Bürgern Europa-Skeptiker. Das ändert sich gerade: Junge Briten sehen die Gemeinschaft ausgesprochen positiv. http://www.spiegel.de/politik/ausland/junge-briten-wollen-laut-umfrage-in-der-eu-bleiben-a-878251.html
Erst wollte ich fragen, vom wem die Umfrage gemacht worden ist. Aber dann laß ich weiter und fand die Friedrich-Ebert-Stiftung dahinter. Da muss man dann natürlich weiterfragen und sehen, woher bekommen diesenStiftungen ihr Geld (und wieviel) und welches ist ihre Daseinsberechtigung? Vor allem, was hat eine deutsche Stiftung mit parteipolitischer Couleur in einem anderen Land Umfragen zu machen und zu finanzieren? Ganz zum Schluss noch die Frage, wer wurde befragt und wieviele Menschen wurden befragt. Denn Fragen wie, magst du lieber Nutella oder Hühnermist, ergeben kein repräsentatives Bild. Politische Stiftungen gpehören sofort abgeschafft, denn die verschleudern Steuergelder die sie aus dem Haushalt unseres Aussenministeriums bekommen! Und mit diesem Geld mischen sie sich weltweit ein, bis der betreffende Staat sie rausschmeisst.
2.
britneyspierss 18.01.2013
Konservatismus und Protektionismus sind Relikte des 19.Jh.
3. Weiter so Cameron!
Niamey 18.01.2013
Zitat von sysopAPPremier Cameron will das Verhältnis Großbritanniens zur EU lockern, er steht unter massivem Druck seiner konservativen Partei. Immer noch überwiegen auch bei den Bürgern Europa-Skeptiker. Das ändert sich gerade: Junge Briten sehen die Gemeinschaft ausgesprochen positiv. http://www.spiegel.de/politik/ausland/junge-briten-wollen-laut-umfrage-in-der-eu-bleiben-a-878251.html
Macht ihr den ersten Schritt und die anderen werden folgen! Der Wille der Wähler wird in Europa mit Füßen getreten. Aber die nächste Wahl kommt bestimmt!
4. Keine Sonderkonditionen für die Briten
hd1954 18.01.2013
Die aus der Zeit der eisernen Lady stammenden Sonderregelungen gehören abgeschafft. Die Gemeinschaft ist seitdem gewachsen und die Welt hat sich verändert. Wenn die Europaskeptiker glauben ein einzelnes Land hätte in der zunehmend globalisierten Welt eine Chance auf angemessene Teilhabe hat die Veränderungen nicht mitbekommen. Dies gilt übrigens auch für den wirtschaftlichen Musterschüler Deutschland.
5. Und warum,
dēmosthénēs 18.01.2013
können wir nicht abstimmen ob wir die Briten behalten möchten? Nix ausser Probleme, schlechtes essen, genörgel, und ein eskalierender finanzmarkt der früher oder später auch dem europäischen steuerzahler auf der Tasche liegen wird.
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