Kabinettsumbau in Frankreich: Sarkozys neue Regierung steht
Die neue französische Regierung steht: Nach dem Rücktritt ernannte Präsident Sarkozy den bisherigen Premierminister Fillon erneut zum Regierungschef. Dessen Rivale, Umweltminister Borloo, verlässt das Kabinett. Das Außenministerium übernimmt die bisherige Justizministerin Alliot-Marie.
Paris - Die Regierungsumbildung in Frankreich ist abgeschlossen, der bisherige und neue Ministerpräsident François Fillon ließ am Sonntag im Elysée-Palast sein Kabinett vorstellen. Es hat erwartungsgemäß weniger Ministerposten als seine vorherige Regierung, die am Samstag im Rahmen einer angekündigten Neubildung zurückgetreten war.
Zu den neuen Gesichtern auf der Regierungsbank zählt der ehemalige Ministerpräsident, Außenminister und heutige Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé; er wurde neuer Verteidigungsminister und zugleich die offizielle Nummer zwei der Regierung.
Juppé hatte 2007 sein Ministeramt niedergelegt, nachdem er bei der Parlamentswahl keinen Sitz in der Nationalversammlung gewonnen hatte. Vor der Einigung gab es harsche Kritik aus den eigenen Reihen: Der bisherige Verteidigungsminister Hervé Morin von der zentristischen Union für die französische Demokratie sagte, er habe eine "Geste der Einheit" erwartet. Stattdessen habe er "ein Wahlkampfteam" von Sarkozys konservativen Partei UMP für die Präsidentenwahl 2012 gesehen. "Ich bedauere das."
Barloo verzichtet auf Regierungssitz, Alliot-Marie löst Kouchner ab
Einen Schritt weiter ging der bisherige Umweltminister Jean-Louis Boorloo, der einst selbst als möglicher Kandidat für das Ministerpräsidentenamt galt. Er habe sich dazu entschieden, der neuen Regierung nicht mehr anzugehören, teilte er in einer Erklärung mit. So könne er sich besser für seine Werte einsetzen.
Neue Außenministerin wird Michèle Alliot-Marie; sie löst Bernard Kouchner ab. Die bisherigen Minister der Ressorts Inneres und Wirtschaft, Brice Hortefeux und Christine Lagarde, wurden ebenso wie Budgetminister François Baroin im Amt bestätigt.
Erwartungsgemäß trennt Sarkozy sich von seinem Arbeitsminister Eric Woerth, der in der Parteispendenaffäre um L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt in Verdacht geraten war. Insgesamt wird die Regierung unter Fillon von bisher 37 auf 30 Posten verkleinert.
Fillon hatte nach seiner erneuten Berufung angekündig, er werde die "neue Etappe" nach dreieinhalb Jahren "mutiger Reformen" in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise entschlossen angehen. Als Ziele nannte er, das Wirtschaftswachstum zu stärken, die Solidarität zu fördern und die Sicherheit der Franzosen zu garantieren.
Über die vierte Regierungsumbildung in Sarkozys Amtszeit war bereits seit Monaten spekuliert worden. Vor dem Hintergrund seiner stark gesunkenen Popularität nach der umstrittenen Rentenreform wird die Umbesetzung auch als Weichenstellung für die Präsidentenwahl 2012 gesehen.
luk/dpa/apn
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- Sonntag, 14.11.2010 – 21:14 Uhr
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| Die neue französische Regierung im Überblick | ||
| Name | Funktion | |
| Alain Juppé | Staatsminister, Minister für Verteidigung und Veteranen | |
| Michèle Alliot-Marie | Staatsministerin, Ministerin für auswärtige und europäische Angelegenheiten | |
| Nathalie Kosciusko-Morizet | Ministerin für Umwelt, nachhaltige Entwicklung, Transport und Wohnen | |
| Michel Mercier | Minister für Justiz und Siegelbewahrer | |
| Brice Hortefeux | Minister für Inneres, die Überseegebiete, Gebietskörperschaften und Immigration | |
| Christine Lagarde | Ministerin für Wirtschaft, Finanzen und Industrie | |
| Xavier Bertrand | Minister für Arbeit, Beschäftigung und Gesundheit | |
| Luc Chatel | Minister für Bildung, Jugend und Vereinswesen | |
| François Baroin | Minister für Haushalt, öffentliche Finanzen, den öffentlichen Dienst und die Reform des Staats, Regierungssprecher | |
| Valérie Pécresse | Ministerin für Hochschulen und Forschung | |
| Bruno Le Maire | Minister für Landwirtschaft, Ernährung, Fischfang, ländliche Gebiete und Raumordnung | |
| Frédéric Mitterrand | Minister für Kultur und Kommunikation | |
| Roselyne Bachelot-Narquin | Ministerin für Solidarität und Sozialpartnerschaft | |
| Maurice Leroy | Minister für Städte | |
| Chantal Jouanno | Ministerin für Sport | |
| Patrick Ollier | dem Premierminister beigeordneter Minister, zuständig für Beziehungen zum Parlament | |
| Eric Besson | der Wirtschaftsministerin beigeordnet, zuständig für Industrie, Energie und Netzwelt | |
| Henri de Raincourt | dem Außenminister beigeordneter Minister, zuständig für Entwicklungszusammenarbeit | |
| Philippe Richert | dem Innenminister zugeordneter Minister, zuständig für Gebietskörperschaften | |
| Laurent Wauquiez | dem Außenminister zugeordneter Minister, zuständig für europäische Angelegenheiten | |
| Nadine Morano | dem Arbeitsminister zugeordnete Ministerin, zuständig für Ausbildung und berufliche Bildung | |
| Marie-Luce Penchard | dem Innenminister zugeordnete Ministerin, zuständig für Überseegebiete | |
| Pierre Lellouche | Staatssekretär für Außenhandel | |
| Nora Berra | Staatssekretärin für Gesundheit | |
| Benoist Apparu | Staatssekretär für Wohnungsbau | |
| Georges Tron | Staatssekretär für öffentlichen Dienst | |
| Marie-Anne Montchamp | der Ministerin für Solidarität beigeordnete Staatssekretärin | |
| Thierry Mariani | Staatssekretär für Transport | |
| Frédéric Lefèbvre | Staatssekretär für Handel, Handwerk, kleine und mittlere Unternehmen, Tourismus, Dienstleistung, freie Berufe und Konsum | |
| Jeannette Bougrab | Staatssekretärin für Jugend und Vereinswesen | |
| Quelle: dpa | ||
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