Afghanistan Anschlag bei Rückkehr von Vizepräsident Dostum - etliche Tote

Eine Explosion hat am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul elf Menschen getötet. Wenige Minuten zuvor war Vizepräsident Abdul Raschid Dostum nach einem Jahr im Exil in Kabul gelandet.

Soldaten und Verletzer am Flughafen Kabul
REUTERS

Soldaten und Verletzer am Flughafen Kabul


Eine Explosion hat die Rückkehr des afghanischen Vizepräsidenten Abdul Raschid Dostum nach mehr als einem Jahr in der Türkei überschattet. Nach seiner Ankunft am Sonntag wurde das Flughafengelände in Kabul von einer Detonation erschüttert. Laut dem Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danisch, wurden am Flughafeneingang, wo sich Dostum-Anhänger versammelt hatten, mindestens elf Personen getötet. "Die Explosion ist wahrscheinlich auf einen Selbstmordattentäter zurückzuführen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Der frühere Milizenführer Dostum wurde bei seiner Ankunft von Regierungsvertretern und Anhängern feierlich in Empfang genommen. Der 63-Jährige wurde vom zweiten Vizepräsidenten Sarwar Danisch und Parlamentsmitgliedern offiziell empfangen und verließ den Flughafen in einem gepanzerten Konvoi, dann ertönte die Explosion. Mehrere Krankenwagen eilten zum Ort des Geschehens.

Dostum hatte im Mai des Vorjahres das Land Richtung Türkei verlassen, angeblich für ärztliche Behandlungen. Manche Beobachter sahen die Reise aber als eine Flucht vor Ermittlungen. Die Generalstaatsanwaltschaft erhob im Juni 2017 Anklage wegen Misshandlung, Entführung und Vergewaltigung eines Rivalen drohte. Er soll Ende 2016 seinen Leibwächtern befohlen haben, seinen Rivalen Ahmed Ischchi mehrere Tage lang zu verschleppen, zu foltern und gemeinschaftlich zu vergewaltigen.

Seine Rückkehr war lange Gegenstand von Spekulationen. Sie erfolgte nun inmitten gewalttätiger Proteste in mehreren Provinzen im Norden Afghanistans, Dostums traditioneller Machtbasis.

Beobachtern zufolge hatte Präsident Ashraf Ghani die Rückkehr seines Stellvertreters erlaubt, um den Norden zu stabilisieren und sich vor den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr die Unterstützung der usbekischen Minderheit zu sichern.

cpa/afp/dpa



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