Nach Anschlag in Kabul Demonstranten fordern Rücktritt der Regierung - Polizei gibt Warnschüsse ab

Nach dem Anschlag mit 90 Toten in Kabul fordern Afghanen bessere Sicherheitsvorkehrungen. Dutzende Bürger gingen gegen den Präsidenten auf die Straße - dabei kam es zu Zusammenstößen.

Protest in Kabul
REUTERS

Protest in Kabul


Als die Demonstranten zum Präsidentenpalast laufen wollten, gab die Polizei Warnschüsse ab und setzte Wasserwerfer ein: Nach dem verheerenden Anschlag in Kabul haben Dutzende Menschen in der afghanischen Hauptstadt den Rücktritt der Regierung gefordert. Die Gruppe versuchte dabei auch, eine Sicherheitsabsperrung zu umgehen, um auf das Gelände des Palastes zu gelangen.

"Tod den Taliban", riefen die Demonstranten. Auch regierungsfeindliche Slogans waren zu hören. "Unsere Brüder und Schwestern wurden bei dem blutigen Anschlag am Mittwoch geopfert, und unsere Führer tun nichts, um dieses Gemetzel zu stoppen", sagte die Aktivistin Rahila Dschafari. "Wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen, dass die Attentäter gehängt werden."

Während einige Agenturen von Dutzenden Demonstranten sprach, bezifferte die Nachrichtenagentur AP die Zahl auf etwa 500 Personen. Diese hätten demnach überwiegend friedlich für bessere Sicherheitsvorkehrungen in der afghanischen Hauptstadt demonstriert.

Bei dem Sprengstoffanschlag am Mittwoch waren in Kabul mindestens 90 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Der Angriff ereignete sich im hoch gesicherten Diplomatenviertel; auch die deutsche Botschaft wurde erheblich beschädigt.

Der afghanische Geheimdienst macht das mit den radikalislamischen Taliban verbündete Hakkani-Netzwerk für den Anschlag verantwortlich. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen erfuhr, wird erwartet, dass der afghanische Präsident Aschraf Ghani die Hinrichtung von elf inhaftierten Taliban- und Hakkani-Mitgliedern im Zusammenhang mit dem Anschlag anordnet. Die Taliban haben eine Beteiligung zurückgewiesen.

mho/dpa/AP



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