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Kaczynski in Rage: Polens Präsident droht Journalistin - und schickt Rosen

Wegen unangenehmer Fragen zu Lech Walesa verlor der polnische Staatspräsident die Contenance: Lech Kaczynski brüllte eine Fernsehjournalistin nach einem Interview an und drohte ihr mit dem Karriereende. Später sandte er zur Versöhnung elf rote Rosen.

Warschau - Der polnische Staatspräsident ist für sein cholerisches Temperament bekannt - und die polnische TV-Journalistin Monika Olejnik für ihre kritischen Fragen. Mit ihr geriet Lech Kaczynski während des jüngsten EU-Gipfels in Brüssel aneinander und drohte ihr auch mit dem Ende der Karriere.

Lech Kaczynski beim EU-Gipfel: Bitte recht freundlich
REUTERS

Lech Kaczynski beim EU-Gipfel: Bitte recht freundlich

Wie die Zeitung "Gazeta Wyborcza" berichtete, schrie das Staatsoberhaupt die Journalistin vom Sender TVN vor anderen Kollegen an: Sie werde es bereuen, er werde sie erledigen, nicht einmal die Geheimagenten würden sie schützen können. Der Journalistin zufolge sagte Kaczynski nach dem Interview wörtlich: "Mädchen, Mädchen, Sie sind schon auf meiner schwarzen Liste. Sie werden es bereuen. Ich werde Sie fertigmachen." Nach Angaben der Zeitung gibt es Zeugen des Zwischenfalls - ein Dutzend polnischer und belgischer Journalisten war am Mittwochabend dabei.

Monika Olejnik gehört als hartnäckige Fragestellerin zu den prominentesten polnischen Journalisten. Den Zorn des Präsidenten zog sie mit Fragen nach Lech Walesa auf sich. Kaczynski, seit zwei Jahrzehnten mit dem früheren Arbeiterhelden und Ex-Präsidenten heillos zerstritten, hält Walesa für einen kommunistischen Geheimdienstagenten und lehnte seine Einberufung in den "Rat der Weisen" der EU ab, eine Arbeitsgruppe zur Zukunft Europas. Der Präsident habe Walesa zudem beschuldigt, seinen Bruder, den früheren Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, beleidigt zu haben, berichtete die Zeitung weiter.

Kaczynskis Büroleiter Piotr Kownacki bestätigte, dass es einen "unangenehmen Wortwechsel" zwischen dem Präsidenten und der Journalistin gegeben habe: "Frau Monika Olejnik hat durchblicken lassen, dass es hinnehmbar sei, den Bruder des Präsidenten zu beleidigen." Laut "Gazeta Wyborcza" rief Kaczynski die Journalistin am Freitag an und entschuldigte sich bei ihr. Er sei beim Interview verärgert gewesen, weil Ministerpräsident Donald Tusk versucht habe, ihm die Teilnahme am EU-Gipfel unmöglich zu machen, erklärte ein Präsidentensprecher.

Als Zeichen der Versöhnung schickte der Staatspräsident der Journalistin elf rote Rosen. Olejnik nahm die Entschuldigung an. Der Sender zog daraufhin ein beim Rundfunkrat eingereichtes Protestschreiben zurück.

jol/dpa/AP

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