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Kämpfe bei Kunduz: Drei Bundeswehrsoldaten sterben bei Gefecht in Afghanistan

Von , und Shoib Najafizada

Es sind die schwersten Gefechte seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan: Nahe Kunduz haben Taliban eine deutsche Patrouille angegriffen. Drei Soldaten wurden getötet. Es ist einer der schlimmsten Vorfälle seit Beginn der Mission am Hindukusch.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Heftige Gefechte mit den Taliban Zur Großansicht
REUTERS

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild): Heftige Gefechte mit den Taliban

Berlin/Kunduz/Kabul - Bei einem stundenlangen Feuergefecht und einem anschließenden Anschlag mit einer Sprengfalle sind bei Kunduz in Nordafghanistan am Freitag drei deutsche Soldaten getötet und mindestens fünf weitere schwer verletzt worden. In Chahar Darreh südwestlich des deutschen Camps in Kunduz kam es seit dem Vormittag zu heftigen Schusswechseln zwischen Taliban und der Bundeswehr. Am Abend (Ortszeit) endeten die Gefechte.

Bei dem Feuergefecht wurden die Deutschen während einer Patrouille nach afghanischen Polizeiangaben aus mehreren Richtungen angegriffen. Im Zuge der Schießerei wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet und mehrere weitere verletzt. Als die Deutschen den Angreifern schließlich ausweichen wollten, fuhr ein gepanzertes Fahrzeug auf eine an der Straße platzierte Bombe. Bei der Explosion wurden mehrere Soldaten schwer verletzt.

Helikopter transportierten die Schwerverletzten umgehend ins Camp in Kunduz. Ein SPIEGEL-ONLINE-Reporter ist im Camp vor Ort und wurde Zeuge des Geschehens. Vier der Verletzten sollen sich in kritischem Zustand befinden.

Bis zu diesem Angriff sind beim Einsatz in Afghanistan 36 Soldaten der Bundeswehr gefallen. Es ist der erste tödliche Zwischenfall für die deutschen Einsatzkräfte in diesem Jahr. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ sich seit dem frühen Freitagmorgen regelmäßig über die Lage informieren, er ist über Ostern in Südafrika im Urlaub. Vermutlich will er noch am Freitag nach Deutschland zurückfliegen, um sich in seinem Ministerium mit dem Fall zu beschäftigen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Ihr Sprecher Sabihullah Mudschahed sagte SPIEGEL ONLINE per Telefon, Taliban-Kämpfer hätten mehrere deutsche Fahrzeuge zerstört, es habe bis zu acht Tote gegeben. Die Angaben des Sprechers sind allerdings oft übertrieben.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte die Bundeswehr kürzlich einen neuen Vorposten in der Region errichtet, von dem aus die Soldaten den Unruheherd Chahar Darreh besser übersehen können. Schon bei Errichtung des Postens war es zu schweren Auseinandersetzungen mit den Taliban in der Region gekommen.

Der perfekte Ort für einen Hinterhalt - für die Taliban

Das Gebiet Chahar Darreh gilt seit Monaten als Rückzugszone für Taliban-Kämpfer und deren Anführer. Die lokale afghanische Polizei ist in dem von Lauf des Kunduz-Flusses durchzogenen Gebiet nicht präsent. Die Bundeswehr hat im vorigen Jahr die alte Polizeiwache in Chahar Darreh festungsartig ausgebaut, Infanterie-Einheiten operieren aus der Station heraus und verbringen die Nächte häufig dort.

Unter Kontrolle ist das Gebiet jedoch keineswegs, immer wieder kommt es hier zu Gefechten und Schusswechseln zwischen den Aufständischen auf der einen Seite und den Sicherheitskräften und der deutschen Armee auf der anderen. Zwar haben US-Einheiten in den vergangenen Monaten mehrere hochrangige Taliban-Führer entweder festgenommen oder getötet, die Aufständischen verfügen aber nach Einschätzung der Bundeswehr und der Geheimdienste weiterhin über funktionierende Kommandostrukturen in der Region, auch an Waffen mangelt es ihnen nicht.

Das Gebiet eignet sich durch starke Bewaldung und ein Netz von Kanälen geradezu perfekt für Hinterhalte durch die Taliban. Trotz der modernen Technik der Bundeswehr sind die Angreifer nur sehr schwer zu entdecken. Die Bundeswehr hingegen fällt mit ihren schweren gepanzerten Fahrzeugen, die nur auf befestigten Straßen fahren können, sehr leicht auf.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 157 Beiträge
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1. Krieg... was ist das?
christiane006, 02.04.2010
Zitat von sysopEs sind die schwersten Gefechte seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan: Nahe Kunduz haben Taliban eine deutsche Patrouille angegriffen. Drei Soldaten wurden getötet, mehrere verletzt. Ein SPIEGEL-ONLINE-Reporter wurde im Camp Augenzeuge. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687122,00.html
nein... es ist kein Krieg in Afghanistan, man nennt es kriegsähnliche Zustände.
2. ...
frozenplasma 02.04.2010
Zitat von sysopEs sind die schwersten Gefechte seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan: Nahe Kunduz haben Taliban eine deutsche Patrouille angegriffen. Drei Soldaten wurden getötet, mehrere verletzt. Ein SPIEGEL-ONLINE-Reporter wurde im Camp Augenzeuge. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687122,00.html
vorweg: mein beileid allen angehörigen! und ich hoffe dass unsere schönwetter-politiker nun endlich begreifen, dass es "krieg" ist...
3. Kämpfe im Kunduz
michaelmellenthin 02.04.2010
Ich kann mir vorstellen was das für ein Gefühl sein muß so verheizt zu werden. Ich empfinde große Hochachtung vor dem Mut dieser Soldaten sich dem auszussetzen. Aber es geht nicht so weiter, Deutschland muss da aus dieser Militär-Geschichte raus und nur humanitär sich angagieren. es sind schon zu viele Soldaten gestorben. Man sollte jeden Sarg vor der Beerdigung vor das Kanzleramt stellen, damit sich Madam Merkel aus ihrem Hohsicherheitstrackt aus dem Fenster das anscheuen kann.
4. Untersuchungsausschuss
auchegal 02.04.2010
Zitat von sysopEs sind die schwersten Gefechte seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan: Nahe Kunduz haben Taliban eine deutsche Patrouille angegriffen. Drei Soldaten wurden getötet, mehrere verletzt. Ein SPIEGEL-ONLINE-Reporter wurde im Camp Augenzeuge. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687122,00.html
Ich nehme an, die Taliban werden jetzt einen Untersuchungsauschuss einsetzen und den Opfern und deren Hinterbliebenen eine Entschädigung in Aussicht stellen.
5. krieg!
Tonimahoni 02.04.2010
.. es war nur eine frage der zeit das es (wieder) zu solchen nachrichten in der mainstreampresse kommen würde.. mein tief emfundenes mitgefühl gilt den angehörigen.. aber ich bleibe dabei.. kein deutscher soldat solte in afganistan sein leben riskieren.. ..eines fallt mir bei diesem bericht doch auf: zitat: "Das Gebiet eignet sich durch starke Bewaldung und ein Netz von Kanälen geradezu perfekt für Hinterhalte durch die Taliban. Trotz der modernen Technik der Bundeswehr sind die Angreifer nur sehr schwer zu entdecken. Die Bundeswehr hingegen fällt mit ihren schweren gepanzerten Fahrzeugen, die nur auf befestigten Straßen fahren können, sehr leicht auf." ... es fällt mir sehr schwer in zeiten von satelitenüberwachung.. drohneneinsätzen.. wärmekameras. infrarottechnik und damit einhergehender luft und artillerieunterstützung an die oben genannten örtlichen widrigen umstände zu glauben.. "Jeder Krieg ist eine Niederlage des menschlichen Geistes." Henry Miller
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Fotostrecke
25 deutsche Kriegsbilder: Gefangen in der Gefechtszone
Der Bundeswehreinsatz in Kunduz
Die Mission der Bundeswehr
AP
Die Bundeswehr engagiert sich seit 2003 in der nordafghanischen Provinz Kunduz. Im Rahmen der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf soll sie für ein stabiles Umfeld sorgen.

Kunduz war der erste Einsatzort der Bundeswehr in Nordafghanistan, wo inzwischen der deutsche Einsatzschwerpunkt liegt. Im Vergleich zum umkämpften Süden des Landes galt die Region lange als eher ruhig. Mittlerweile kommt es aber auch dort immer wieder zu schweren Anschlägen der radikal-islamischen Taliban.
Die Provinz Kunduz
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Die Provinz ist mit rund 8000 Quadratkilometern halb so groß wie Schleswig-Holstein. Über die Einwohnerzahl gibt es keine genauen Angaben. Nach Schätzungen liegt sie etwa bei 850.000. Wegen seiner fruchtbaren Böden wird die Region Brotkorb Afghanistans genannt. In Kunduz werden unter anderem Baumwolle, Reis und Weizen geerntet. Der Anbau von Schlafmohn, der Basis von Heroin, ist zurückgegangen.
Die Unruhe-Region Chahar Darreh
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Als gefährlichster der sechs Distrikte, die einen Ring um die Provinzhauptstadt Kundus bilden, gilt Chahar Darreh. Die Taliban haben Teile des Gebietes unter Kontrolle. Immer wieder greifen sie Patrouillen der Bundeswehr an, mehrere deutsche Soldaten haben bereits ihr Leben in dem Distrikt verloren. Von Chahar Darreh aus wurden in der Vergangenheit auch mehrfach Raketen auf das Bundeswehrfeldlager in Kunduz abgefeuert.
Die Kunduz-Affäre
AP
Seit 2009 wird der Name Kunduz auch mit einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Verbindung gebracht. Dabei wurden am 4. September bis zu 142 Menschen verletzt oder getötet. Der Vorfall ist bis heute nicht aufgeklärt. Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, die Bundesanwaltschaft ermittelte gegen den Bundeswehroberst Georg Klein und seinen Flugleitoffizier wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Völkerstrafgesetzbuch.
Tod afghanischer Zivilisten
AFP
Für den Tod afghanischer Zivilisten war die Bundeswehr nach offiziellen Angaben erstmals am 28. August 2008 verantwortlich. Damals erschoss ein Soldat an einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutscher Isaf-Soldaten eine Frau und zwei Kinder. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Dem damaligen Unglück ging ein Angriff voraus: Am 27. August 2008 war eine Patrouille der Bundeswehr nahe Kunduz in eine Sprengfalle geraten, ein Soldat starb.

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.


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