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Kämpfe im Heiligen Land: Palästinenser feuern Raketen auf Israel

Eskalation der Gewalt im Gaza-Streifen: Palästinenser haben ihre Raketenangriffe auf Israel massiv verstärkt - mehr als 60 Kassam-Raketen und Granaten schlugen im Grenzgebiet ein. Israel sagte eine für Heiligabend angekündigte Öffnung der Grenzen ab, die Rechte fordert harte Gegenwehr.

Jerusalem - Die Ankündigung der israelischen Regierung, auf Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen mit militärischen Mitteln zu reagieren, hat sie nicht eingeschüchtert: Palästinenser haben am Mittwoch Dutzende Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Mehr als 60 Kassam-Raketen und Mörsergranaten seien im Grenzgebiet eingeschlagen, sagte ein Militärsprecher. Mehr als 20 Menschen erlitten nach Angaben von Sanitätern einen Schock, mehrere Gebäude wurden beschädigt. Betroffen waren vor allem die Städte Sderot, Netivot und Aschkelon, deren Einwohner Schutzräume aufsuchen mussten.

Diplomatische Bemühungen um eine Wiederbelebung der Ende vergangener Woche beendeten Waffenruhe wurden dadurch erschwert. Israel sagte eine für diesen Mittwoch angekündigte Öffnung mehrerer Grenzübergänge zum Gaza-Streifen ab. Zuvor hatte Verteidigungsminister Ehud Barak einer teilweisen Öffnung der Übergänge zugestimmt. Er wollte damit dem Drängen der internationalen Gemeinschaft nachkommen, die sich besorgt über die humanitäre Lage in dem von Hamas beherrschten Gaza-Streifen äußerte. Israel hat das Gebiet wegen der Raketenangriffe seit sieben Wochen fast durchgängig abgeriegelt.

Hamas-Kämpfer auf "heiliger Mission"

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert versammelte nach den Raketenangriffen sein Sicherheitskabinett zu einer Dringlichkeitssitzung. Dabei sollte über das weitere israelische Vorgehen entschieden werden. Barak stellte nach Rundfunkangaben mehrere Einsatzpläne der Armee vor. Rechtsorientierte Politiker forderten angesichts der neuen Raketenangriffe ein hartes Vorgehen im Gaza-Streifen.

Raketen schlugen unter anderem in der Stadt Aschkelon 17 Kilometer von der Grenze entfernt und der Ortschaft Beit Hagai ein. Die im Gaza-Streifen regierende Hamas erklärte, die Raketenangriffe seien eine Reaktion auf den Tod von dreien ihrer Kämpfer bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten am Dienstagabend.

Nach israelischen Angaben wollten die Männer Sprengsätze am Grenzzaun legen. Die Tötung der drei Kämpfer war der bislang blutigste Zwischenfall seit dem offiziellen Ende eines zuletzt ohnehin kaum noch eingehaltenen Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas am Freitag.

Zwei weitere Hamas-Kämpfer wurden nach Angaben der Organisation bei einer Explosion im Gaza-Streifen getötet. Sie seien auf einer "heiligen Mission" gewesen, hieß es am Mittwoch. Diese Umschreibung nutzt die Hamas für gewöhnlich, wenn zum Kampf gegen Israel bestimmte Sprengsätze unbeabsichtigt explodieren. In der Stadt Gaza und in Beit Lahija wurden drei Zivilpersonen verletzt. Auch sie wurden offenbar Opfer von Sprengsätzen.

Mubarak will vermitteln

Ägypten bemühte sich unterdessen um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sagte nach einem Treffen mit seinem ägyptischen Kollegen Husni Mubarak, man habe sich darauf geeinigt, die Versöhnungsgespräche zwischen der Hamas und der konkurrierenden Fatah voranzutreiben.

Am Donnerstag wird die israelische Außenministerin Zipi Livni zu einem Gespräch mit Mubarak in Kairo erwartet. Israel erwägt eine Militäraktion im Gaza-Streifen, um die Raketenangriffe zu stoppen. Nach der Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen vor 18 Monaten riegelten Israel und Ägypten das Gebiet von der Außenwelt ab. Nach einer Eskalation der Kämpfe Anfang November intensivierte Israel die Blockade noch.

jjc/AP/dpa

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