Kämpfe in Afghanistan Taliban töten zehn französische Soldaten

Die radikal-islamischen Taliban haben in Afghanistan eine blutige Offensive gegen die Schutztruppe Isaf gestartet. Bei Gefechten östlich von Kabul wurden zehn französische Soldaten getötet, mehr als 20 wurden verletzt. Im Osten des Landes griffen Selbstmordattentäter einen Nato-Stützpunkt an.


Paris/Kabul - Es war der schwerste Verlust der französischen Armee seit einem 1983 verübten Anschlag auf den Stützpunkt Drakkar in Beirut, bei dem damals 58 Fallschirmjäger getötet wurden: Zehn französische Nato-Soldaten sind bei schweren Gefechten rund 50 Kilometer östlich der Hauptstadt Kabul getötet worden. Nach Angaben des französischen Rundfunks handelt es sich bei den Opfern um Fallschirmspringer.

Französische Soldaten in Kabul (Archivbild): "Wir mussten die Nacht durchkämpfen, und es geht weiter"
AFP

Französische Soldaten in Kabul (Archivbild): "Wir mussten die Nacht durchkämpfen, und es geht weiter"

Die Männer seien in einen Hinterhalt der Taliban geraten. 21 weitere Soldaten seien verletzt worden, teilte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit. Er kündigte an, noch am Abend nach Kabul aufzubrechen, um seine Unterstützung für die dort stationierten Streitkräfte zu zeigen. Seine Entschlossenheit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus werde durch den "harten Schlag für Frankreich" nicht erschüttert, erklärte Sarkozy.

Auch mindestens 27 Aufständische seien getötet worden, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. Die Taliban bekannten sich im Internet zu dem Angriff.

Die Pressestelle der Nato-geführten internationalen Schutztruppe Isaf teilte in Kabul mit, die Kämpfe hätten bereits am Montag begonnen. "Wir mussten die Nacht durchkämpfen, und es geht weiter", sagte ein Isaf-Offizier, der namentlich nicht genannt werden wollte. Frankreich hat rund 3000 Soldaten in Afghanistan stationiert, die meisten davon in der Provinz Kabul, wo auch Sarobi liegt, und in der Provinz Kapisa nordöstlich der Hauptstadt.

Selbstmordanschlag auf Isaf-Stützpunkt

Zuvor hatten Kämpfer der radikal-islamischen Taliban im Osten Afghanistans einen weiteren Isaf-Stützpunkt angegriffen. Offiziellen Angaben zufolge wurden bei dem Zwischenfall am Vortag sieben Aufständische getötet. Mindestens drei von ihnen hätten Sprengstoffwesten getragen und sich selbst in die Luft gesprengt. Vier weitere seien erschossen worden. Der Gouverneur der Provinz Chost sagte, bei den Kämpfen seien zudem vier afghanische Soldaten verletzt worden.

Nach Angaben der Isaf schlugen die Sicherheitskräfte den Angriff mehrere hundert Meter vor der von US-Truppen unter Nato-Kommando gehaltenen Basis zurück. Dabei seien auch Hubschrauber zum Einsatz gekommen.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Ein Sprecher sagte, 15 Kämpfer hätten eine "große Zahl" von Soldaten getötet oder verletzt. Angaben der Taliban zu Opferzahlen gelten allgemein als stark übertrieben. Vor demselben Stützpunkt hatte ein Selbstmordattentäter wenige Stunden zuvor neun Zivilisten mit in den Tod gerissen.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag auf Isaf-Soldaten in der südafghanischen Provinz Kandahar starb am Dienstag ein afghanischer Übersetzer. Nach Polizeiangaben wurden ein kanadischer Soldat sowie ein Kind verletzt, als sich der Attentäter neben der Fußpatrouille in die Luft sprengte.

In von Dschihadisten frequentierten Internetdiskussionsforen löste der Anschlag Jubel aus. "Damit haben die Taliban Frankreich den Rücken gebrochen", schrieb ein Diskutant. Andere posteten Smileys oder Rosenbilder.

ffr/yas/AFP/Reuters/dpa/AP

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