Kämpfe in der Ostukraine Regierungstruppen nehmen Donezk unter Dauerbeschuss

Die Separatisten in Donezk hatten eine Feuerpause angeboten - doch ukrainische Regierungstruppen feuern weiter auf die Rebellenhochburg. Auch um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch gibt es schwere Kämpfe.

REUTERS

Donezk - Die Streitkräfte der ukrainischen Regierung haben ihre Offensive in Donezk trotz eines Waffenstillstandsangebots der Separatisten fortgesetzt. Die Truppen hätten die östliche Rebellenhochburg am Morgen unter heftigen Beschuss genommen, teilten die Truppen mit. Die Angriffe seien auf Stützpunkte der Aufständischen gerichtet gewesen. So sollten die prorussischen Kräfte in die Enge getrieben werden.

Separatistenführer Alexander Sachartschenko rief die Führung in Kiew erneut zu einer Feuerpause auf. "Wir sind zur Waffenruhe bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", erklärte Sachartschenko. Sollten die Regierungskräfte aber einmarschieren, würden sie ihr "Stalingrad" erleben.

Zu einem Einmarsch sind die ukrainischen Truppen nach eigenen Angaben bereit. Vor den Kämpfen lebten in der Industriestadt Donezk eine Million Menschen, inzwischen sind viele geflohen. Während der vergangenen Tage hatte die Armee die Stadt zunehmend unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Aufständischen kamen bei Gefechten am Stadtrand von Donezk mindestens zwei Zivilisten ums Leben.

Kämpfe um Krasny Lutsch und Luhansk

Erbitterte Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungstruppen hat es auch um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch gegeben. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach der Ort bereits in den Händen der Armee sei. "Die Kämpfe dauern unvermindert an", sagte ein Sprecher. Krasny Lutsch liegt zwischen Donezk und Luhansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze.

Die Armee versucht zeitgleich, die Großstadt Luhansk zurückzuerobern. Auf einer Landkarte, die vom ukrainischen Militär veröffentlicht wurde, bewegen sich ukrainische Truppen von drei Seiten auf die Stadt zu. Nur in Richtung Süden gibt es demnach noch eine Verbindung zu Separatistengebieten. Die humanitäre Lage in Luhansk hat sich zuletzt immer mehr verschlechtert.

vks/AFP/dpa



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insgesamt 117 Beiträge
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Leser1000 10.08.2014
1. Auf jeden Fall Friedenschancen ausloten!
...einmal abgesehen davon, dass ohne irgenwelche positiven Signale Russland auf den Plan gerufen werden könnte; sollte Kiew auch an die Nachkriegszeit denken. Denn wie soll mit den Bezirken Donezk und Luhansk jemals wieder ein miteinander möglich werden, wenn nicht auch friedliche Signale gesendet werden? Das ist doch das Ziel oder? M.E. sollten daher zumindest Friedenschancen ernsthaft geprüft werden.
Zirkonium 10.08.2014
2.
Die Stadt steht schon seit Wochen unter Dauerbeschuss. Man zerstört einfach Fabriken, Lagerhallen, städ. Einrichtungen, Verkehrspunkte etc. (hin und wieder trift es auch normale Wohnviertel). So macht man das Leben in der Stadt unmöglich. Letzte Woche hat Kiew Boden-Boden Raketen Raketen eingesetzt (das hat CNN berichtet). Das hat nichts mehr mit präzisen Angriffen zu tun. Was ich mich frage ist: Wenn das alles vorbei ist...was passiert dann? Glaubt man wirklich die Menschen kommen einfach so wieder zurück, bauen alles wieder auf? Woher soll das Geld kommen? Die Ukraine zerballert sich gerade ihr wirtschaflich wichtigste Region. Das kann nur in einem Desaster enden.
bernd.o 10.08.2014
3. Rebellen
Jetzt ist es an der Zeit, die weißen Fahnen zu hissen. Sonst gehen noch mehr Unschuldige drauf.
drittaccount 10.08.2014
4.
Zitat von bernd.oJetzt ist es an der Zeit, die weißen Fahnen zu hissen. Sonst gehen noch mehr Unschuldige drauf.
Hab ich was falsch verstanden? - Die Donezk-Rebellen haben sich gerade zu einem Waffenstilstand bereit erklärt ... die Maidan-Rebellen schießen aber lieber weiter! Wer ist also für den wahrscheinlichen Tod der Unschuldigen verantwortlich?
Sponposter2 10.08.2014
5. Die Ukraine handelt richtig
Warum jetzt ein Verhandlungsangebot der Separatisten, wo eine Niederlage droht? Zeit für Verhandlungen hätte es schon lange vorher gegeben. Nachvollziehbar von der ukrainischen Armee, jetzt den Angriff fortzusetzen. Und wenn die Separatisten von einer "humanitären Katastrophe" sprechen, dann doch nur, um Gründe für einen Einmarsch der russischen Armee zu suchen. Wenn Russland wirklich was für die Menschen in den umkämpften Gebieten tun will, dann sollten sie den Spuk mit der Unterstützung der bewaffneten Separatisten im souveränen Nachbarland Ukraine beenden. Ein Hilfskorridor des Roten Kreuzes ist im Übrigen bereits durch westliche Politiker angeregt worden, die Regierung in Kiew stimmt dem zu - das ist tatsächlich die Art, wie geholfen werden kann. Nicht durch einen Einmarsch. Und Russland sollte sich mal an der eigenen Nase fassen - wie würde Putin mit bewaffneten Separatisten in Machatschkala oder Blagoweschtschensk machen, die Regierungsgebäude und Polizeistationen besetzen? Oder wie würde Russland reagieren, wenn ein Nachbarstaat einen russischen Landesteil annektieren würde? Eben. Aber was man selber nicht haben will, mutet man dem Nachbarstaat, dem Brüdervolk, zu. Schändlich.
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