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Kämpfe in Libyen: Bombenhagel auf die Regimegegner

Der Weltsicherheitsrat tagt, die Diplomatie läuft auf Hochtouren - aber Muammar al-Gaddafi lässt weiter Bomben auf seine Gegner werfen. Die Rebellen in Libyen rechnen sich ohne eine Flugverbotszone kaum noch Chancen im Kampf gegen den Diktator aus.

Libyen: Kampf um Adschdabija Fotos
AFP

Tripolis/Paris - Hinter verschlossenen Türen berät der Weltsicherheitsrat, ob eine Flugverbotszone über Libyen Sinn macht. Seit Wochen wird darüber gestritten, und deshalb ist bei den Beratungen der Diplomaten nicht mit einer schnellen Einigung zu rechnen. Während Russland, China und Deutschland sich skeptisch äußerten, verlangte Frankreich "so schnell wie möglich" eine solche Zone, mit der die Bevölkerung vor Luftangriffen und Bomben der Soldaten von Muammar al-Gaddafi geschützt werden soll.

Der Diktator nutzt die Zeit des Verhandelns und drängt die Gegner seines Regimes weiter zurück: Flugzeuge bombardierten Adschdabija im Osten des nordafrikanischen Landes. Es ist die größte Stadt zwischen der Front und der Rebellenhochburg Bengasi. Dem Staatsfernsehen zufolge bot die Armee abtrünnigen Soldaten, die ihre Waffen niederlegten, eine Amnestie an.

Panzer der Regierungstruppen erreichten nach Augenzeugenberichten am Montag Nachmittag auch das Zentrum von Suwarah. Die Stadt im Westen Libyens ist ebenso wie die strategisch wichtige Öl-Stadt Brega im Osten umkämpft. Die Truppen Gaddafis dringen immer weiter nach Osten vor, in dem die Rebellen am stärksten sind. In den vergangenen sieben Tagen sollen sie rund 160 Kilometer vorgerückt sein.

Gaddafis Gegner hoffen deshalb umso mehr auf Hilfe von außen. "Jeder hier ist verblüfft, auf wie viele Opfer die internationale Gemeinschaft noch wartet, bevor sie hilft", sagte ein Sprecher einer Koalition von Aufständischen aus Bengasi der Nachrichtenagentur Reuters. Die Rebellen haben im Kampf gegen die Luftwaffe nur Pick-Up-Trucks mit aufmontierten schweren Maschinengewehren. Ohne eine Flugverbotszone rechnen sich die Aufständischen kaum noch Chancen gegen die anrückenden Truppen des Despoten aus. Im staatlichen Fernsehen tönten die Soldaten: "Wir sind uns des Sieges sicher, egal wie hoch der Preis ist".

Clinton trifft Rebellen-Führer

Doch der Uno-Sicherheitsrat ist bei der Frage einer Flugverbotszone nach wie vor zerstritten. Russland, China und Deutschland haben Bedenken, Frankreich forderte aber mit Nachdruck eine No-Fly-Zone. Unterstützer des Flugverbots kündigten an, bald eine entsprechende Resolution in dem Gremium einbringen zu wollen. Russlands Uno-Botschafter Witali Schurkin sagte nach dem Treffen, Moskau stehe dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, wolle aber vorher noch Antworten auf die Fragen haben, wie das Flugverbot umgesetzt werden solle und von wem.

Frankreichs Uno-Botschafter Gerard Araud sagte, es bestünden noch berechtigte Bedenken, aber angesichts des Vorrückens der Truppen Gaddafi sei Eile geboten. Es sei ein wenig bedauerlich, dass einige Ratsmitglieder es nicht so eilig hätten, sagte er.

Auch Großbritanniens Premier David Cameron rief zu einem schnelleren Handeln auf. "Die Internationale Gemeinschaft muss bei ihrer Reaktionsgeschwindigkeit deutlich zulegen", sagte Cameron in London nach seiner Rückkehr vom EU-Gipfel in Brüssel. "Jeden Tag geht Gaddafi brutaler gegen sein eigenes Volk vor. Es darf kein Nachlassen des Drucks geben, den wir auf ihn ausüben."

US-Außenministerin Hillary Clinton traf sich in Paris mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu Beratungen über die Lage in Libyen. Nach unbestätigten Berichten wollte sie in der französischen Hauptstadt auch mit Vertretern der libyschen Opposition zusammentreffen.

als/dpa/Reuters/DPAD

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Und die Weltgemeinschaft lässt sich
winnetou16 14.03.2011
Zitat von sysopDer Weltsicherheitsrat tagt, die Diplomatie läuft auf Hochtouren -*aber Muammar al-Gaddafi lässt weiter Bomben auf seine Gegner werfen. Die Rebellen in Libyen rechnen sich ohne eine Flugverbotszone kaum noch Chancen im Kampf gegen den Diktator aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750940,00.html
Zeit. Man möchte immer noch keine klare Stellung beziehen, könnte ja sein gadaffi gewinnt und wäre dann böse mit seinen (Ex)freunden.
2. Waffenlieferungen an die Rebellen
Axel1 14.03.2011
Was ist aus der Nachricht geworden, wonach die USA Saudi-Arabien gedrängt haben, Waffen (auch Kampfflugzeuge ?) an die Aufständischen zu liefern ? Wahrscheinlich überwiegt die Angst, die Waffen könnten "in falsche Hände" gelangen. Ich wundere mich, dass der Westen die Rebellen nicht vor dem Waffengang gewarnt hat bei diesem Ungleichgewicht der Kräfte. Stattdessen wurden diese zu ihrem aussichtslosen Kampf ermuntert durch Schnellschüsse "des Westens", wie die Ankündigung von Sanktionen bis hin zur Androhung des "Strafgerichts". Da muß sich niemand wundern, dass das Regime, in die Enge getrieben, brutal zurück schlägt.
3. Wie immer
hanspeter.b, 14.03.2011
Beim Bedenkentragen sind die deutschen wieder mal ganz vorne mit dabei. In der aktuellen Situation muss man entweder sofort handeln, oder man lässt es. In ein paar Wochen wenn alles in allen Gremien ausdiskutiert ist, braucht man auch nicht mehr anfangen. Dann müssen wir uns mit einem gestärkten Gaddafi-Land auseinandersetzen, der sicher tut was er kann um sich an den Europäern zu rächen. Die afrikanischen Boat-People werden dann vermutlich wohlwollend durch Libyen nach Europa durchgeschleust
4. Menschenverächter
sentinel1986 14.03.2011
Zitat von sysopDer Weltsicherheitsrat tagt, die Diplomatie läuft auf Hochtouren -*aber Muammar al-Gaddafi lässt weiter Bomben auf seine Gegner werfen. Die Rebellen in Libyen rechnen sich ohne eine Flugverbotszone kaum noch Chancen im Kampf gegen den Diktator aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750940,00.html
Wieder und immer wieder muss man den Kopf schütteln über die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft. Wenn Frankreich und das Vereinigte Königreich handeln alleine handeln würden wäre das eine Polizeiaktion, um die zudem die Vertretung der Gaddafi-Gegener in Libyen gebeten hat. Denn es geht gegen einen kriminellen Machthaber, der das libysche Volk als Geisel für seine Machenschaften genommen hat.
5. sie haben wohl lange keinen echten krieg
viceman 14.03.2011
Zitat von sentinel1986Wieder und immer wieder muss man den Kopf schütteln über die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft. Wenn Frankreich und das Vereinigte Königreich handeln alleine handeln würden wäre das eine Polizeiaktion, um die zudem die Vertretung der Gaddafi-Gegener in Libyen gebeten hat. Denn es geht gegen einen kriminellen Machthaber, der das libysche Volk als Geisel für seine Machenschaften genommen hat.
vor der haustür gehabt? was aus "polizeiaktionen" wird hat man schon oft genug erlebt. die sprüche von wegen diktator, volk als geisel usw. heben sie sich bitte für schlichte gemüter auf.in lybien ist es ein machtkampf , eigentlich ein stammeskrieg.und wer da "die guten" sind, daß ist noch lange nicht geklärt!
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Fotostrecke
Jugend von Bengasi: "Gaddafi? Game over!"

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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