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Kämpfe in Libyen: Gaddafi-Sohn verhöhnt Vereinte Nationen

"In 48 Stunden ist alles vorbei": Gaddafi-Sohn Saif al-Islam triumphiert im Fernsehen - die Soldaten seines Vaters stünden kurz vor der Einnahme Bengasis. Frankreichs Staatschef Sarkozy nannte er einen "Clown".

REUTERS/ Euronews

Tripolis/Sanaa - Gaddafi-Truppen und libysche Rebellen liefern sich anhaltend erbitterte Kämpfe - und beide Seiten reklamieren Teilsiege für sich. Auf den Websites der Aufständischen hieß es, eine Einheit der Regierungstruppen habe sich in der Stadt Tobruk den Rebellen ergeben. Die Soldaten hätten den Befehl gehabt, die libysch-ägyptische Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen. Die westliche Stadt Misurata werde zwar inzwischen von drei Seiten mit Panzern und Artillerie beschossen. Den Truppen von Staatschef Muammar al-Gaddafi sei es aber bislang nicht gelungen, in die Stadt einzudringen.

Misurata ist die letzte von den Aufständischen gehaltene Stadt in der westlichen Hälfte Libyens. Nach Berichten wurde die Stadt am Mittag massiv bombardiert. Mindestens fünf Menschen seien getötet worden, hieß es aus dem örtlichen Krankenhaus. Gaddafi-Truppen würden die Stadt Stück für Stück umschließen. Auch die Stadt Adschdabija im Osten wurden pausenlos beschossen, um die Rebellen von dort zu vertreiben. Mit der Eroberung der Stadt wäre der Weg für Gaddafis Truppen frei in den von den Rebellen beherrschten Osten des Landes.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam behauptete in einem Interview mit dem TV-Sender Euronews, die Regierungstruppen stünden kurz davor, das gesamte Land wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, der Sturm auf die Stadt Bengasi stehe bald bevor: "In 48 Stunden ist alles vorüber", drohte al-Islam. Den Regimegegnern, die er "Verräter" nannte, riet er, mit ihren Familien nach Ägypten auszuwandern: "Wir wollen niemanden töten, wir wollen keine Rache, sie sollen gehen."

Das Ringen der Uno um eine Einigung auf eine militärische Intervention verhöhnte er offen. "Die Militär-Offensive ist so gut wie beendet." Welche Entscheidung auch immer gefällt werde, dafür sei es nun zu spät. Der Sohn von Oberst Gaddafi schimpfte auch auf den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Er nannte ihn "einen Clown, dessen Wahlkampf Libyen finanziert hat". Gaddafi selbst sagte in der Nacht vor Anhängern in Tripolis, er werde die libyschen Öl-Reserven gegen Frankreich, Großbritannien und die USA verteidigen. Diese Länder wollten Libyen ausbeuten, so wie einst die Kolonialmächte.

Ringen um Flugverbot

Großbritannien, Frankreich und die arabischen Staaten drängen unterdessen im Uno-Sicherheitsrat weiter auf eine Flugverbotszone über Libyen. Im Laufe des Tages berät das Gremium über einen neuen Resolutionsentwurf der beiden europäischen Staaten und des Libanon, der nach Angaben von Diplomaten "alle Flüge" über Libyen verbieten und "alle notwendigen Mittel, um dies durchzusetzen" erlauben sollte.

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Unruhen in Arabien: Mit Macht gegen den Aufstand
Nach Angaben des britischen Uno-Botschafters Mark Lyall Grant sollte am Mittwoch die Resolution "Paragraf nach Paragraf" beraten werden, Diplomaten rechneten aber nicht vor Donnerstag mit einer Abstimmung.

Der erste Teil des Resolutionsentwurfs, in dem die Flugverbotszone gefordert wird, stammt vom Libanon. Das Land agiert im Uno-Sicherheitsrat als Vertreter der Arabischen Liga, die bereits am Samstag eine Flugverbotszone über Libyen gefordert hatte. Der zweite Teil des Resolutionsentwurfs wurde von Großbritannien und Frankreich geschrieben, dabei geht es um härtere Sanktionen gegen Gaddafi und sein Umfeld.

Im Uno-Sicherheitsrat gelten vor allem China und Russland als Gegner einer Flugverbotszone. Aber auch die USA und Deutschland haben sich skeptisch gezeigt. Die Außenminister der größten Industriestaaten hatten sich bei einem Treffen in Paris nicht auf eine Luftraumsperrung einigen können.

Blutige Proteste im Jemen und in Bahrain

Im Jemen flammten die heftigen Proteste wieder auf. Mindestens 120 Menschen wurden verletzt, als Polizei und Regierungsanhänger mit Tränengas, Gummigeschossen und Dolchen gewaltsam versuchten, eine regimekritische Demonstration aufzulösen.

In Bahrain räumten Sicherheitskräfte den von Demonstranten besetzten Perlenplatz im Zentrum der Hauptstadt Manama. Dabei sollen vier Menschen ums Leben gekommen sein. Demonstranten sagten, zwei Zivilisten seien getötet worden. Das Staatsfernsehen berichtete zudem, zwei Polizisten seien ums Leben gekommen, nachdem sie von einem Fahrzeug angefahren worden seien.

Polizisten und Militäreinheiten rückten kurz nach Tagesanbruch mit Tränengas auf den von Hunderten Demonstranten besetzten Perlenplatz vor. Es waren auch Schüsse zu hören, schwarzer Rauch stieg auf. Hubschrauber kreisten über dem Geschehen. Unklar war, ob an dem Einsatz Soldaten aus anderen Golfstaaten beteiligt waren, die zur Unterstützung der sunnitischen Monarchie nach Bahrain entsandt worden waren. Unter der Führung Saudi-Arabiens waren auf Bitten der Regierung rund tausend Soldaten nach Bahrain entsandt worden.

"So viele Schüsse"

Die Bereitschaftspolizei sei zu Beginn der Räumungsaktion zu Fuß durch einen Nebel aus Tränengas auf den Platz gekommen, sagte der 32-jährige Demonstrant Hamid Suher, der die Nacht auf dem Perlenplatz verbracht hatte. "Sie schossen mit Tränengas und eröffneten dann das Feuer", sagte er. "Wir hoben unsere Arme und fingen an, 'Friedlich, Friedlich' zu rufen. Dann mussten wir wegrennen. Es war so viel Tränengas und so viele Schüsse."

Ende vergangenen Monats hatten die Sicherheitskräfte den Perlenplatz schon einmal geräumt. Nach tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Militäreinheiten wurde der Platz wieder besetzt.

Wegen der andauernden Proteste hatte der König von Bahrain am Dienstag einen dreimonatigen Notstand ausgerufen. Die Demonstranten fordern größere politische Freiheiten von den sunnitischen Herrschern des Staats. Angeführt wird die Protestbewegung von Schiiten, die in Bahrain die Mehrheit bilden.

amz/dpa/Reuters

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insgesamt 135 Beiträge
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1. Die Machthaber...
systembolaget 16.03.2011
...in Libyen nutzen die Situation in Japan, um vollendete Tatsachen zu schaffen, und der Westen schläft. Eine ganz armselige Haltung.
2. Flugverbotszone
guesei 16.03.2011
Wer gegen die Flugverbotszone ist der ist fuer den Terroristen Gadaffi,den Flugverbot hilft dem Lybischen Volk,apropo Volk, das interessiert doch keinen Politiker.
3. Deutsche Regierung hilft Gaddafi
Schroekel 16.03.2011
Zitat von sysop"In 48 Stunden ist alles vorbei": Gaddafi-Sohn Saif al-Islam triumphiert im Fernsehen - die Soldaten seines Vaters stünden*kurz vor der Einnahme Bengasis.*Frankreichs Staatschef Sarkozy nannte er einen "Clown". Im Jemen und im Königreich Bahrain eskaliert die Gewalt auf den Straßen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,751257,00.html
Ganz reizend, diese deutsche Aussenpolitik. Interessant wird sein, wie Westerwelle, Merkel und Konsorten damit umgehen werden, wenn die libysche Tyrannenfamilie nach dem Sieg über die Aufständischen erst deren versprengte Reste hinrichten lässt und danach wieder zur Tagesordnung des Ölgeschäfts auf eigene familiäre Rechnung übergeht. Diese Regierung ist einfach erbärmlich.
4. UNO verhöhnte sich selber
aronsperber 16.03.2011
die Vereinten Nationen haben sich selbst verhöhnt, indem sie Gaddafi in den UN-Menschnrechtsrat gewählt haben. Die Welt hat nicht die Eier gehabt gegen Gaddafi vorzugehen, aber das ist leider nichts neues. Mit seinem bald zurückeroberteb Öl wird sich Gaddafi bestimmt bald wieder neue gute Freunde kaufen: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/11/gaddafis-treue-freunde/
5. das Volk tut mir Leid
earl grey 16.03.2011
Das lybische Volk tut mir jetzt schon Leid, Gaddafis Rache wird fürchterlich sein. Und die Welt schaut zu...
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Fotostrecke
Jugend von Bengasi: "Gaddafi? Game over!"

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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