Brega - Libysche Regierungstruppen sind am Freitag nach Rebellenangaben in die umkämpfte Hafenstadt Ras Lanuf eingerückt. Im Stadtzentrum seien Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi zu sehen, sagte ein Sprecher der Rebellen. Es seien mehrere Boote mit Dutzenden Soldaten angekommen. In die Innenstadt seien rund 150 Regime-Getreue mit drei Panzern eingerückt. In den Straßen werde gekämpft.
Bereits am Donnerstag bombardierte die libysche Luftwaffe Stellungen der Rebellen in Ras Lanuf. Regimegegner hatten auch von Angriffen auf die 90 Kilometer östlich gelegene Hafenstadt Brega berichtet.
Die Stadt Sawija ist von den tagelangen heftigen Kämpfen offenbar verwüstet und inzwischen wohl in der Hand der Gaddafi-Truppen. Der britische Sender ITV News berichtet von zahlreichen Toten und Verletzten dort. Die Straßen seien fast ausgestorben, sagte ein Reporter des Senders, der nach eigenen Angaben der erste Journalist nach dem Ende der Kämpfe in der Stadt war.
Hilferuf der Rebellen
Der Vorsitzende des von den Aufständischen gegründeten Nationalrats, Mustafa Abdel Dschalil, sagte dem britischen Sender BBC, die Libyer würden von Gaddafis Luftwaffe "vernichtet". "Wir haben vom ersten Tag an eine Flugverbotszone gefordert. Wir brauchen dringend Waffen, und wir brauchen humanitäre Hilfe sowie Ärzte in den von Gaddafis Anhängern belagerten Städten", sagte Dschalil.
Gaddafi-Sohn Saif al-Islam kündigte an, die Offensive werde fortgesetzt. "Wir kommen", sagte er vor Anhängern in Tripolis mit Blick auf die Richtung Bengasi vorrückenden Truppen. Die zweitgrößte Stadt des Landes war gleich zu Beginn des Volksaufstands von den Rebellen eingenommen worden.
An diesem Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder bei einem Sondergipfel in Brüssel über die Krise in Libyen. Die EU will den Druck auf Gaddafi erhöhen und wird voraussichtlich dessen Rückzug fordern. Dagegen sind ein Militäreinsatz oder eine Flugverbotszone bislang nicht vorgesehen.
Die Afrikanische Union (AU) lehnte jedwede Militärintervention des Auslands ab. Der für Sicherheitsfragen zuständige AU-Kommissar Ramtane Lamamra sagte in Addis Abeba, die Afrikanische Union sei der "Einheit und territorialen Integrität Libyens" verpflichtet.
Debatte um "bessere Logistik" der Gaddafi-Truppen
Der Golf-Kooperationsrat hatte am Montag einer Flugverbotszone, die militärisch durchgesetzt werden müsste, durch die Uno zugestimmt. Die Außenminister der Arabischen Liga wollen am Samstag in Kairo darüber beraten. US-Außenministerin Clinton sagte in Washington, ein Plan für eine mögliche Flugverbotszone werde der Nato am 15. März vorgelegt.
Das Weiße Haus spielte die Einschätzung von US-Geheimdienstchef James Clapper herunter, nach der Gaddafi gute Chancen hat, im Kampf gegen die Rebellen die Oberhand zu behalten. Der Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, Tom Donilon, sprach von einer "eindimensionalen Analyse", die eine Reihe von Faktoren außer Acht lasse. Clapper hatte seine Ansicht am Donnerstag zuvor damit begründet, dass das Gaddafi-Regime über eine wesentlich bessere Ausrüstung und Logistik als seine Gegner verfüge und daher einen langanhaltenden Konflikt besser überdauern könne. Gaddafi werde wahrscheinlich langfristig bleiben.
Donilon sagte, Clappers Einschätzung stütze sich ausschließlich auf Gaddafis militärische Kapazitäten und Ressourcen. So gesehen, könne man zu seiner Ansicht gelangen. Clapper habe aber nicht den Druck ins Kalkül gezogen, den die internationale Gemeinschaft auf Gaddafi ausübe, und auch nicht etwaige Hilfen für die Rebellen. Er habe auch nicht verschiedene "Dynamiken" wie die Welle von Freiheitsbewegungen im Nahen Osten berücksichtigt.
Niederländische Soldaten wieder frei
Bewegung gibt es im Fall der in Libyen festgenommenen niederländischen Soldaten. Nach fast zwei Wochen in Gefangenschaft sind die drei wieder frei. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Den Haag mitteilte, konnten die Soldaten Libyens Hauptstadt Tripolis mit einer griechischen Militärmaschine Richtung Athen verlassen, wo sie am Morgen erwartet wurden. Die beiden Männer und eine Frau waren am 27. Februar während einer Rettungsaktion für zwei ausländische Zivilisten in der nordlibyschen Stadt Sirte festgenommen worden. Ihnen gehe es gut, sagte der Sprecher.
Die Soldaten waren ohne Genehmigung der libyschen Behörden mit einem Marine-Hubschrauber in Sirte gelandet, um einen niederländischen Ingenieur und einen weiteren Europäer in Sicherheit zu bringen. Der Hubschrauber wurde jedoch beim Start angegriffen. Truppen des libyschen Machthabers Muammar al- Gaddafi nahmen die Soldaten gefangen, die beiden Zivilisten wurden der niederländischen Botschaft in Tripolis übergeben.
ffr/Reuters/dpa/AFP
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